Einzelbild herunterladen
 

Reichthums. — Die Baronin, obgleich durch den Unterricht des Pfarrers zu tieferer Einsicht des Lebens gekommen, hatte dennoch nicht geistige Stärke genug, um den Verlust aller der weltlichen Lust, welche mit dem Besitze des Vermögens ver­bunden ist, ruhig und getrost zu ertragen, und in ihr wohnte ein schmerzliches Sehnen nach glücklichern vergangenen Tagen, verbunden mit einer großen kummervollen Sorge für die trübe Zukunft. Sie mußte jetzt arbeiten, um sich zu ernähren; sie sollte sich um Arbeit umsehen und sie verstand noch nicht zu arbeiten. Zwischen die Arbeit und die erkannte Nothwendig­keit des Arbeitens drängte sich noch immer der Stolz und der Baronentitel. Der Pfarrer halte seine liebe Noth, alles dieses zu beseitigen und vorzusorgen, dennoch aber hielt er treu an ihrer Seite aus und stand ihr mit Allem, was seine Kräfte vermochten, bei.

V.

An einem schönen Sommernachmittage saßen in einem kleinen, niedlichen Gärtchen zwei etwas betagte Leute in alt­bürgerlicher Kleidung. Das Gärtchen schloß sich an ein freundliches Häuschen an, und an dieses lehnten sich einige Oekonomie-Gebäude. Der reinlich zusammengeputzte und hoch­aufgerichtete Düngerhaufe ließ auf einen fleißigen Oekonomeu schließen, und die fetten reingehalteuen Kühe mit glänzendem Haare bestärkten diese Meinung. Das Haus war sauber über­tüncht; die rundscheibigen, blankgescheuerten Fenster glänzten in der Sonne; in Allem erkannte man Ordnung und Reinlichkeit.

Dieselbe Genauigkeit machte sich im Gärtchen bemerkbar, und gar freundlich war der Eindruck, den es auf den Be­schauer machte. Die kleinen Gänge, die sich zwischen den Rabatten hinzogen, waren mit weißem Kiese überschüttet, die Blumenbeete mit Pfingstnelken und Sauerklee eingefaßt; die hohe Kaiserkrone prangte neben der Centifolie unb die Feuer­lilie neben ihrer bescheidenern Schwester, der unschuldsvollen weißen Lilie. An den Iohaunisbeerstauden hingen in reichen Trauben die rothen Früchte. Zwischen den Blumenbeeten breiteten sich die Gemüse aus, und abgesondert von den übri­gen war ein einzelnes Bett, welches den für den Besitzer so kostbaren Sommer-Rettig enthielt.

Mann und Frau, die Eigenthümer dieses Anwesens, ruh­ten aus im Schatten des großen Hollunderbaumes; es war Feiertag und den beiden alten Leuten so recht freudig zu Muthe. Sie fühlten sich höchst behaglich; ein steinerner Krug mit Bier stand nebst einem Teller mit Schwarzbrod und Rettig neben ihnen auf der Bank und zeigte, daß sie ihr VeSperbrod hielten, nachdem sie eben von der Kirche zurückgekehrt waren. Ruhe herrschte allum; kein Tritt ließ sich vernehme«, da das Besitzthum etwas entfernt vom Dorfe lag.

„Nanni!" sagte mit einem Male der Mann, die neben ihm sitzende Frau bei der Hand fassend und ihr traulich in's^G?-

i ficht blickend, „Nani, wer hätte gedacht, daß es uns einmal ! noch so ginge? Du lieber Gott! Als uns der Herr Wastl

— Gott habe ihn selig! — aus unserer Bräustatt vertrieb und ich wieder zum harten Brode des Dienens greifen mußte, da habe ich schon geglaubt, das Herz werde mir brechen' Ich hab' Dir's gar nicht sagen mögen, wie mir's damals zu Muthe war; was hätte es auch genützt? Ach, Du warst ja selbst so traurig und bedurstest des Trostes! Mein Gott! ich hatte ja keine andere Zuflucht mehr, als zu Dem, welcherder Retter aus aller Noth ist!" Sieh, Nanni! wer auf ihn vertraut, hat auf guten Grund gebaut. — Wer würde denn je geglaubt haben, daß meine alte Base, die nie viel von mir wissen wollte, auf dem TodeSbett meiner gedächte und mir dieses Be­sitzthum vermachte? — Das, Nanni, hat der liebe Herrgott gethan, der ihr Herz gelenkt. Wir wollen ihm auch recht dankbar sein; ich hab' mir schon oft gedacht, Nanni! ich möchte gerne auch einem unglücklichen Menschen auf die Beine helfen, und glaube, es würde am besten sein, wenn wir ein armes verlassenes Kind annähmeu. Bist Du nicht auch der Mei­nung, Nanni? Ich will an unsern Freund, den Herrn Pfarrer, schreiben. Ach, daß doch der liebe Mau« so weit von unS weggekommen ist! Es wird ihm anfangs wohl recht fremd vorgekommen sein dort in den Bergen, und er wird Sehnsucht nach seinen alten Pfarrkindern bekommen haben, wie diese auch nach ihm. Ob er nicht so ein hülfsbedürftiges Wesen kennt? Schau, Nanni! der liebe Gott hat uns gesegnet und wir haben nur weitschichtige Verwandte, die wir kaum dem Namen nach kennen. Allerdings könnten wir fromme Stif­tungen machen; es ist das eine löbliche Sache. Aber es ist doch gar schön, einen armen Menschen so ganz von Grund aus glücklich zu machen." Bei diesen Worten lächelte der brave Mann still vor sich hin, ganz versunken in der Seligkeit des Gedankens, ein gutes Werk vollbringen zu können.

„Es wäre mir Alles recht, Andre," erwiderte freundlich seine Frau, „wenn nur die Menschen nicht gar so undankbar wären. UebrigciiS, wenn Du willst, stimme ich schon zu. Den Plan, an den Herrn Pfarrer zu schreibe«, kann ich nur bil­ligen ; die geistlichen Herren haben mehr Gelegenheit, das Unglück kennen zu lernen, als wir. Wenn ich nicht fürchten müßte, ihn zu beleidigen, so möchte ich gern emKistlein Flachs mitschicken; aber du grundgütiger Himmel! Der Herr nimmt- ja nichts an und so weiß man nicht, wie man erkenntlich sein soll." (Forts, folgt)

Weißn Sclaven IV.

Der Offizierbursche.

In der dramatischen Literatur spielen die Bedienten eine große Rolle: sie halten in vielen Lustspielen die Action