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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Nr. 56. Dienstag den 7. März iss*.

Herr Wasil und seine Kinder.

Skizze aus de in bayerischen Alltagsleben von I. S.

(Fortsetzung.)

„Bist Du endlich wieder einmal wieder nach Hause ge­kehrt, Louis! sagte die Frau, die der Leser als die ehemalige Cenci Wastl, nunmehrige Baronesse von Frendheim, erkannt haben wird, mit vorwurfsvollem Tone zu ihrem Galten, der seit fünf Tagen sich in den Jagdrevieren herumtricb. „Kannst Du denn ganz Deiner Frau und Deines Kindes vergessen ? Und was soll denn noch aus unserm Besitzlhum werden? wenn Niemand nachsieht, und die Dienstboten nach Gutdünken schal­ten dürfen; ich kann nicht nachsehen, meine Gesundheit ist zu schwach. Was soll mich denn noch freuen? Du glaubst viel­leicht, weil mein Aussehen so wohl erscheint, es müßte auch meine Kraft in gleichem Verhältnisse stehen? Nein, Louis! das ist nicht der Fall, und einen großen, wenn nicht den größten Theil der Schuld trägst Du daran, daß meine Ge­sundheit so tief gesunken."

„Halt's Maul!" donnerte dem jammernden Weibe der Baron entgegen. „Soll man vielleicht immer bei Dir zu Hause bleiben, um Dein Gewinsel anzuhören, oder vielleicht der Gnädigen etwas vorlesen und den galanten Ritter spie­len? — Da irrst Du Dich sehr."

„Dir, Louis! war in früheren Jahren die Mühe nicht zu viel, der reichen Cenci Wastl ganz nach Gefallen zu leben; warum reut Dich nun jede kleine Aufmerksamkeit bei der Ba­ronesse?" erwiderte gereizt die Gattin. „Hätte Cenci Wastl das im Voraus gewußt, was sie jetzt erfahren, sie hätte dem Herrn Baron schon einen Korb zu geben verstanden! Ja, Louis, und Du darfst versichert sein, daß ich dennoch nicht übrig geblieben wäre."

„Ich wollte, ich wüßte von der ganzen Bagage nichts!" antwortete erzürnt der Baron. „Ich wollte, Du sammt Dei­nem Kinde, diesem Rangen, Ihr wäret im tiefsten Jnnstrome, . und hättet da eine kühle Rast. Bei Gott! mit dieser mise- ,

rablen Heirath habe ich mein Adelsdiplom befleckt und dieser Bube ist eine bürgerliche Canaille, wie jede andere. Hat denn etwa Dein Vater, dieser Strohkopf, geglaubt, als er dieses Gut kaufte, ich solle sein Bauer sein? Nein! dazu ist das Frendheimische Blut zu gut, und wenn Du über den Verfall der Bagatelle von Vermögen klagst, das der Geizhals von Vater Dir mitgegeben, so hätte er zuerst bedenken sollen, daß ein alter Adel Vermögen aufwiegt und daß wenn er aus seiner Tochter eine Baronesse machen wollte, er sie auch doti- ren müsse, um als Baronesse zu leben, nicht aber wie Du einige lumpige Kreuzer mitbekommen hast, damit ich zuletzt noch den Landbauer machen dürfte, und vielleicht mit höchst­eigenen Händen die Ochsen lenken könnte. — Jetzt will ich Ruhe haben! — kein Wort mehr, hörst Du, Weid! — Bring' mir zu essen, mich hungert, und lasse es dem Gerichtshalter und der übrigen Gesellschaft sagen, daß ich zurückgekehrt sei; ich will spielen heute Abend — schnell! vorwärts!"

„Das geht ein - für allemal nicht," sagte hierauf trotzig die Cenci; „ich will bei der Nacht doch auch ruhen, und nicht den besoffenen Tumult bis früh Morgens haben. — Hier ist ein Brief von L., ich mußte ihn lesen, der Bote wollte es ausdrücklich — er spricht von einer Schuld — also so weit steht es mit uns? — So weit ist es gekommen, daß Du sogar noch Schulden machst! O, ich unglückliches Weib! wenn nur der Erdboden sich aufthäte, mich zu verschlingen! — Nein! nein ! das ist zu arg — o mein armer Ferdinand! was wird aus dir noch werden, wenn dein Vater alles durch­gebracht hat? Mein armes Kind! ich kann es noch erleben, daß du betteln gehen mußt!"

„Weib," schrie nun wüthend der Baron, „willst Du auf­hören mit Deinem Jammer? Mach' mich nicht rasend! oder hol' mich der Kuckuck, ich wüßte nicht, ob nicht diese Flinte Dich verstummen ließe!"

„Thue es, Elender!" kreischte laut die händeringende Frau, „thue es!" Der kleine Ferdinand weinte dazu; der Baron tobte fort; er erwischte d'e Hundspeitsche und schlug die jam- mernde Frau derb über den Kops. Fluchend und scheltend schlug er die Thüre in'S Schloß, daß alle Wände erzitterten