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Annalen der W el t g es â) i ch te auf. Er ging mit ihm vom April 1722 bis September 1725 die Geschichte der Assyrier, Phönizier, Perser, Hebräer, Aegypter, Griechen und Römer durch, sodaß das Kind indem zarten Alter von 2% Jahren auf Alles hurtig anworten konnte, was auf diese Völker Bezug hatte. Außer­dem war es auch in der G e ograph i e nicht unerfahren geblieben. Christian wußte nicht nur die General- und Specialkarte der Län­der und Reiche nach ihrer bestehenden Eintheilung zu erklären, sondern auch die Beschaffenheit derselben in klimatischer Hinsicht herzusagen und die vornehmsten Flüsse, Städte und Oerter mit Namen zu nennen. Nebenbei hatte er noch mehr denn 800 latei­nische Vocabeln behalten, wovon er in einer Woche mindestens 150 lernte. Seine größte Freude dabei war das Nürnberger Wörterbuch, die Ausgabe von 1683. Plattdeutsch lernte der Kleine von seiner Amme, die nur in dieser Sprache mit ihm redete.

Zur Belohnung für seinen außerordentlichen Fleiß nahm sein Lehrer ihn eines Tages mit in die Marienkirche und zeigte ihm den daselbst befindlichen Todtentanz, worüber sich Christian so innig freute, daß Schöneich ihn kaum davon trennen konnte. Auch zeigte er ihm den Schädel eines gefal­lenen Kriegers und diesen, wie auch ein ganzes Menschenske­lett begriff das Kind in allen Theilen und lernte so auch Anatomie. Und das Alles, historisch erwiesen, in einem i Alter von 31 Monaten! (Forts, folgt.)

Zur Cagesgeschichte.

** Einen eigenen Fall von Zerstreutheit in einem der ersten Berliner Theaterlocale erzählt der „Tages-Telegraph". Ein Herr hatte sich nämlich, der unmäßigen Hitze wegen, seines Ue6er= ziehers entkleidet und diesen hinter sich über die Lehne seines Stuhles hingelegt. Während der Zwischenpause verließ derselbe einige Augenblicke den Saal, um sich im Tunnel zu restauriren, ohne jedoch den Ueberzieher mit sich zu nehmen. Bei seinem Wiedererscheinen trat derselbe nun ganz unbefangen vor seinen innegehabten Platz, zog, in der Meinung, seinen Ueberzieher noch anzuhaben, seinen Rock aus, und stand plötzlich in einer weißen Unterjacke vor den erstaunten Blicken der dichtgedrängten Zuschauermenge da. Durch die Acclamation der Umstehenden wurde derselbe erst seinen Irrthum gewahr, der ihn in die pein­lichste Verlegenheit brachte.

** Aus einem noch nicht hcrausgegebenen Manuscripte über die geheimen Ausgaben der Regentschaft geht hervor, daß am 6. December 1718 dem Herrn Arouet (bekanntlich Voltaire) aus Anlaß des von ihm geschriebenen (am 18. November des­selben Jahres zum erstenmal aufgeführten) Trauerspiels „Oedi- pus" eine goldene Medaille geschenkt wurde, die auf der einen Seite den König, auf der andern den Regenten, Herzog v. Or­leans darstellte und auf 675% Llvres zu stehen kam. — Der Mann war bekanntlich nur der Kirche gegenüber „gesinnungS- tüchtig", in allen übrigen Verhältnissen aber ein serviler Höfling. |

** In der zweitvergangenen Woche kam zum erstenmal ein Dampfboot direct von Paris in London an. Das Schiff heißt „The Paris und London" , hat 97 Tonnen Last und legte seine Probefahrt, trotz schlimmen Wetters und Zollhausformali­täten die es in Rouen lange aufhielten, binnen 56 Stunden zurück. Die „Paris anv London Screw Steam Shipping Company" will mehrere Boote derselben Größe bauen und den direkten Wasserverkehr zwischen beiden Hauptstädten regelmäßig einrichten.

** Das am 22. Jan. bei Büderich — einem Dorfe zwischen Ruhr und Lippe, zwei Meilen südwestlich von Hamm — be­obachtete Phänomen hat die Aufmerksamkeit der preußischen Re­gierung auf sich gezogen und bildet in den höchsten Kreisen Berlin's das Tagesgespräch. Alexander von Humboldt hat die deßfallsigen Nachrichten mit Interesse verfolgt und wahrschein­lich dazu Veranlassung gegeben, daß das Ereigniß zum Gegen­stände weiterer gründlicher Nachforschungen gemacht worden ist.

** Die Restauration der Wartburg in ihrem ursprünglichen Style schreitet rüstig fort, und namentlich hofft man, daß die Lutherskapelle die Pfingsten vollendet sein werde, so daß die in der Woche nachher wieder in Eisenach stattfindende deutsch­evangelische Kirchenconferenz den Eröffnungsgottesdienst daselbst werde halten können.

Aus Stuttgart wird ein schöner Zug des Kaisers Na­poleon mitgetheilt. Klara Müller, gegenwärtig Köchin bei Frau Dr. Dreifuß daselbst, erhielt am 18. Februar aus dem kaiser­lichen Cabinet von Paris ein Gnadengeschenk von 1000 Fr. in I dankbarer Erinnerung ihrer treuen Dienste auf dem Arcnenberg I bei der Königin Hortensia (Mutter des Kaisers).

** Die im Jahre 1852 von den Helgoländern geborgene, für Gothenburg bestinimt gewesene Gustav-Adolph-Sta-

> u e ist jetzt für 6500 Mark Courant nach Bremen verkauft worden.

* In Saragossa hat am 23. d. ein Pronunciamento stattgefunden. Ein Bataillon der dortigen Besatzung hat sich unter dem Rufe: „Cs lebe Concha!" empört. Nach einem kurzen Gefecht, in welchem ein Oberst geblieben, haben sich die Empörer gegen Huesca geflüchtet. So melden in Bayonne am 24. d. eingetroffene und ^on dort telegraphisch über Paris weiter gemeldete Privatnachrichten. Nach einer telegraphischen Depesche aus Paris vom 25. v. wäre ganz Spanien in Belagerungszustand erklärt; zahlreiche Verhaf­tungen hätten unter den Mitgliedern der Oppofition stattgefun­den; das Ministerium stehe fest.

Aus Wien, 25. Februar, meldet eine tel. Depesche des Frankfurter Börsensyndikates, daß für 6 Millionen Staatsgüter, unverweilt zur Schuldentilgung verkauft werden sollen.

Wie aus London vom 25. Februar tel. gemelved wird, erklärte Lord Clarendon im Oberhaus, es stehe zu erwar­ten, daß Oesterreich und Preußen sich auf Seite Englands und Frankreichs stellen. Es sei keine Hoffnung mehr, den Frieden zu erhalten. Eine Convention mit der Pforte werde noch vor Landung der Hilfstruppen vom Sultan unterzeichnet werden. Der Krieg werde mit allem Nachdruck betrieben, die Rechte der Christen in der Türkei sollen gesichert werden.

Bc'-antwortlicher Redacteur: Dr. I. Dorje k.

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