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• Lhe, tcr zu Hviesbade^

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Zur Fastnachtzeit ist eS rin üblicher Scherz, Stücke mit ver- fehrier Besetzung a Zufuhren. Den Theaierfreunrett rürfte noch die vor einigen Zähren in dieser Weise veranstaltete Aufführung der „Preciosa" und lnebesonvere Fil. Kern als Barer des liebe­stechen Fernando im Gedächtniß stehen. Fast hatte man glau- èen sollen, daß kürzlich ein solcher Fastnachissch.rz mit Laube's „Karlsschülei" getrieben wurde. 3um großen Theil war er «nabßchilich ; denn das Theater hat in der leeren Zeft viel von Weh erfahren, ein dreifaches W. hat ibm viele Verleg,nheilen berei'tt. Die Herren Wei len deck und Wohl brück mit ihrem Fartschi iitserang sind zwar erf §t, aber zum Unglück ist Herr Wilke aus einer Urlaubsreise erkrankt. Dadurch sind bedeutende Störungen im Repertoire entstanden. Herr Wilke bedauert j den ihm zngestoßenen Unfall gewiß am meisten und es kommt auch gar nicht daraus an, ob ein Gran Schuld daran sei, da das Factum einmal da ist und sich vorläufig nicht ändern läßt. Was geschehen kann, geschieht. Herr Grabowsky ist mit seltener Aufopferung bemüht, die so fühlbare Lucke durch Ueber­nahme ihm nicht zustehender sollen auozusüUen. Dieser Opfer» freudigkeil waren auch die „Kailsschüler" zu danken. Bon dies.m Gesichtspunkt aus wird die also von vorneherein ent­waffnete Kritik Herrn Grabowskys Schiller zu beurtheilen ; haben. An und für sich ist Laubes Schiller eine mit hohlem ' Pathos vollgepfropfte Figur; es ist der Schiller von hinten. I Laube zeichnet uns nicht den fchüä lernen Dichter, der höchstens einige Aufmerksamkeit erregende Beise im schwäbischen Magazin i stehen und das Manuskript der „Räuber" in der Tasche hat; er zeichnet uns den Dichter, für welch n Deutschland auf Mo- mimente subscribirt; das Haupt seines Schillers schmückt schon antitipanko der unvergängliche Lorbeer, den ihm die Rachwelt gespendet, den aber die Giäfin Hohenheim, die Generalin Rie­ger und Franziska (die beiläufig bemerkt in merlwurkig nuge- nhier Weise unter dem „Mannevolk" herumlaufen) als Hoch- sensiiiv, durch die Gabe res Hellsehens schon um den militari« ' selten Zepf deS „gvilgesanklen, gottgeweihten" Dichters geschlun­gen sehen. Diesem Schiller werden Tiraden in den Mund gelegt, gegen welche jedes Wort res objectiven Dichters proie- fkrt ‘. er wird zum Träger der ganzen modernen Aufllä'ung, jum Verirrter verkehrter Freiheitsiveen gemacht, an deren Ber- wirklichung er im Leben nie gedacht und die der „Mensch" dem „Diäter" gewiß längst nachgesehen hat. Der einzige Mann im ganzen Stück, der da weiß, waS er will, ist der Herzog 6arl ; seine Reden haben Hand und Fuß nno alles, was Schiller in der „letzten" Unterredung fein m H rzog in den Bau wirst, klingt dagegen leer, bombastisch, nichtssagend, trotz­dem daß Laube die Imprecationen seines Wellgerichtapostels zu größerem Nachdruck durch die Donnermaschine acrompagniren läßt Auf den Donner folgt regelmäßig ein donnernder Applaus. ; raube wirft mir der Wurst nach der Speckseite. L.ube'S „Schiller" ist eine von jenen Rollen, die sich von selbst spielen und denen der Segen „von oben" nie ausbleibt, es gehört aber viel dazu, dieseS Luftgebilve mit Wesen zu füllen, mit künstleri. scher Weihe zu verkörpern. Vor allem gehört dazu ein Anflug I von jugendlicher Schwärmerei, auch schadet eine kleine Poitrail- jhnlichkei» dem Darsteller wohl nicht, wenn er nach der graf-

firenden Sitte fick als „Schiller" im Hausrock und Nachthemd« vor dem Herzog prâseutirt. Dieß zur Entschuldigung deS kargest,lllen „Schiller". Unbedingt zu takeln war die Scene mit dem General Rieger im dritten Act, welche durch die gütige Mitwirkung des Herrn Koch Grob eck er (Wie kommt SauluS unter die Propheten?) in ein förmliches Gezänke ausartete; zu tadeln die sonderbare Familiarität, mit welcher Schiller dis Generalin Rieger belanvelte; zu tadeln die Masse unrichtiger Betonungen. Bon vielen eine: Der Dichter stirbt allein, die Dichtung nicht!" (Gib, nicht zögre! Gib nicht, zögre!) Herr Säüv (Herzog) bewäb te abermals den denken» Den Künstler, stellenweise hätte ein gewisses polterndes Wesen vermieden werden können. Ihm würdig zur Seite Üanu Frau Flindt (Franziska), Mi» voller Anerkennung verdienen er« wâbnt zu werden Frau Schütz (Laura), obwohl auch ihr diese Rolle nicht ganz zusagt, Frl Step Hany und Herr Tietz (die Eheleute Rieg r). Der „Bleistift" war etwas stumpf, deß­halb gelang ihm die Cbarakterzeichnunq nicht. Den „Karls- schillern" wünschen wir glückliche Ferien.

Jur Sussesstlichichte.

** Der westindische CrösuS Lehmkuhl in Frankfurt, dess ir wir gestern erwähnten, hat sich in Die dortige vornehme W lt auf eine höchst originelle und S'aunen erregende W ife ein ge­führt. Er nahm El.ctro Magnetismus und Dampf in den Dienst, stellte durch den Telegraphen mit den Lieferanten des Kaisers der Franzosen, Pütel und Gbambör, in ver Rue Vi­vienne in Paris, eine Speisekarte zusammen und inoifirte sämmt­liche Rethschild's und die hiesige hier nur nach Millionen zu wägende GUd Aristokratie zu einem „frugalen Diner." Drei Köche und zwei Lakaien eilten mit Dampfesflügeln hierher und brachten Die ganze Mahlzeit sammt Tafelgeschirr gleich mit. Bedenkt man, welche Mittel zur Bestellung und Herrichtung dieses Diners angewendet worden, so wird man in den Annalen der Gastionomie alt rer und neuerer Zeit vergeblich nach einem gleichen suchen. Eâ wurden enorme Summen verschleudert, die besser hätten verwendet werden können. Die telegraphischen Depeschen hin und her sollen allein 900 Francs gelost l haben. Unter anderem waren ausgetragen 200 Spargeln , das Stück 3 Francs, und Bi»neu, das Stück zu 15 Francs. Wenngleich nun Durch diesen überseeischen fassenstürmenden Eindringling Da3 Frankfurter Gelb-Aristokratech Bewußtsein sich eigenthümlich ge- h"ben suhlen mag, so bleibt doch den armen hiesigen Patrioten das leere Nachsehen; denn nichlâ weiter von hierorugen Pro- ducten nannte auf der Tafel deS Reichen, als 20 Psnnv Ochsenfleisch! Die Geschichte — keine Dichtung, sondern Wahr­heit — bildet den Hauptgegenstand des Tagesgesprächs. DaS Diner fand am 15. d. statt.

*♦ Der große, von Rio nach London gekommene, 25l‘/4 Karat wiegende Diamant ist der Krone zum Kaus angeboten und der Königin vorgelegt worden. Kenner behaupten, vast er, gehörig geschliffen, den berühmten Koh-i»nur an Glanz und Größe übertreffen dürfte.

• * Die Claviervirtuosin Wilhelm Clauß ist jetzt in Berlin, um sich Dort hören zu lassen. ____________

Berant'vdrllrcver Redacteur 0r. .». Ouijeu.

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