überdrüssig; er schreibt dem Kaiser am 13. August 1808 aus Brivicsca, daß sein einziger Wunsch sei, siegreich nach Madrid zurückzukehren, auf die spanische Krone zu verzichten und sich wieder auf den Thron vou Neapel zu setzen. Aus diesem Briefe heben wir folgende Stelle heraus:
„Zweimalhunderttausend Franzosen sind nothwendig, um Spanien zu erobern, und hunderttausend Schaffotte, um den Fürsten aufrecht zu halten, welcher zur Beherrschung Spaniens verurtheilt jein wird. Nein, Sire, man kennt nicht dieses Bolk; jedes Haus wird eine Festung sein, jeder Mann hat den Willen der Majorität. Ich wiederhole nur Eins: nicht e i n Spanier wird für mich sein, wenn man Spanien erobert, nicht ein Spanier wird im Dienste der Franzosen bleiben wollen. Zweitausend Bedienten haben mich verlassen, trotz des hohen Gehalts, das ich ihnen gab; wir finden weder Führer, noch Spione. Bier Stunden vor der Schlacht von Rio-Seco wußte der Marschall Bessières nicht, wo der Feind war. Wer das Gegentheil schreibt, lügt oder hat keine Augen."
Jur Sagesgeschichte.
** Es sind in der lebten Zeit in Paris einige Autogra- phen-Sammlungen nach dem Tode ihrer Besitzer veräußert worden, welche sonderbare Resultate geliefert haben. Aus der Au- tographen-Sammlung des Buchhändlers de Burn ward ein Brief von Heinrich dem Vierten nur mit 25 Frcs. bezahlt; aber ein Brief von Sully brachte 67 Frcs. und einer von Fenelon 51 Frcs. Eine der ausgesuchtesten Sammlungen war die des kürzlich verstorbenen Barons Tremon, bei deren Versteigerung ein kurz vor ihrer Hinrichtung geschriebener Brief von Charlotte Corday 207 Frcs. brachte. Dieser Herr von Tremon war lebenslang ein Sonderling gewesen und starb als Junggeselle. Von gleichem Alter mit dem berühmten Komponisten Auber — 72 Jahre — und mit ihm erzogen, band ihn eine enge Freud- schast an denselben, die bis zu seinem Tove gedauert hat. Au- ber's Vater war ein glücklicher Regierungs-Lieferant der ersten französischen Revolutions-Periode, wobei er ein bedeutendes Vermögen erübrigt hatte, was er mit einer großen Ueppigkeit und Pracht, aber auch mit einer gewissen Sorglosigkeit verschwendete. Als er plötzlich starb, war für unseren Favorit-Compo- nisten nichts als ein jährliches Einkommen von zwölfhundert Frcs. übrig geblieben. Er, der im Wohlleben und in den besseren Cirkeln der Hauptstadt seine Jugend zugebracht hatte, mochte damals 35 Jahre alt sein und hatte sich als Dilettant und Com- ponist einiger Lieder und Romanzen einen Namen gemacht. Jetzt griff er sein musicalisches Talent als Broderwerb an — der Baron Tremon füllte stets mit großer Freigiebigkeit die Lücken seiner Kasse auf. Nach dem großen Erfolge von AuberS Oper La neige im Jahre 1823 und nach dem noch größeren seiner Stummen von Porlici im Jahre 1828 war feine Zukunft gesichert. Da rief eines Tages der Baron Tremon seinen Freund in sein Cabinet und zeigte ihm sein Bor 17 Jahren verfaßtes Testament, worin er ihn zu seinem Universal - Erben eingesetzt
hatte. „So, lieber Auber" — sagte er ihm dann — „hatte ich für deine Zukunft gesorgt", (denn sie dutzten sich) «als du arm wärest, — jetzt aber bedarfst du meiner nicht mehr, und du wirst es mir nicht übel nehmen , wenn ich jetzt der Anwendung meiner Einkünfte (ungefähr 30,000 Franken) eine andere Richtung gebe." Der Berichterstatter hat diesen Zug aus AuberS eigenem Munde vernommen, der ebenfalls wie sein verstorbener Freund ein Jungg-sell ist, dsn gefälligen, feinen und urbanen Ton früherer Zeiten und, seiner 72 Jahre ungeachtet, eine große Jugendsrische besitzt. Er ist bekanntlich ein großer Pferdeliebhaber, hat vier englische Pferde in seinem Stalle und hat englische Kutscher und Groonis. Man will behaupten, daß er sich nirgends so begeistert fühlen solle, als wenn er eines seiner schönen Rosse besteigt, weßwegen man ganz schicklich irgendwo bemerkt hat, daß dieses das einzige ist, was den Na- men Pegasus mit vollem Rechte verdient; denn bezweifeln läßt es sich nicht, daß es seinen Reiter oft genug zu dem Parnas- sus erhoben hat.
** Am 17. December v. I. ist die nach dem Isthmus von Darien bestimmte Erpedition von England abgegangen, um die Trace aufzunehmen , auf welcher, nach dem Berichte der dorthin abgesandt gewesenen Ingenieure Gisborne und Foree, ein Canal zur Verbindung der beiden Meere angelegt werden kann, welcher ohne Schleusenbenutzung die größten Schiffe aufnehmen und 150 Fuß Breite und bei niedrigem Wasser 30 Fuß Tiefe haben soll. Der Gesellschaft, welche sich zur Durchführung des Unternehmens gebildet hat, präsidirt Lord Wharncliffe. Das erforderliche Anlagecapital ist auf nicht weniger als 15 Millio- nen Pfd. Strlg. berechnet, vorläufig find die Kosten der Aufnahme der Trace aufgebracht. Die Expedition wird unter den Auspizien von England, Frankreich und den Vereinigten Staaten unternommen. Den Ingenieur en Chef Herrn Gisborne begleitet im Auftrage der englischen Regierung der Ingenieur- lieutenant St. John; in Jamaika schließt sich ihnen der ameri» canische Marinclieutenant Strange an, dem sechsunddreißig Feldmesser, die sich an Bord der Sloop -Cyane-- befinden, zur Verfügung stehen. Die „Cyane" wird von Port-Royal in Begleitung eines britischen und eines von Martinique erpedirten französischen Kriegsschiffes nach der Caledonia - Bucht abgehen, wo noch das britische Kriegsschiff „Scorpion^ zu der Escadre stoßen soll. Die Ingenieure und ihre Gehülfen werden sich dann in zwei Abtheilungen vertheilen , von denen die eine die Ver- Messung von dem atlantischen Meere aus, die andere von der Südsee aus beginnt. Die ganze Breite der Landenge beträgt nicht über 30 englische Meilen, und die Aufnahme der Trace wird daher im Mai oder zu Anfang Juni beendet sein können. Herr Gisborne selbst gedenkt schon Ende April nach England zurückzukehren.
** Die Zahl der neuen Stücke, welche die Pariser Theater (ohne die der Vorstädte) im Jahre 1853 aufgeführt haben, stellt sich, wie folgt: „Oper 6, Theater Franyais 8, Komische Oper 9, Odeon 6, Italienische Oper 1 , syrische Oper 6, Vaudeville 27, Varietes 27, Palais Royal 27, Gym- nase 11 , Porte St. Martin 7, Gaitè 15, Ambigue Comi- que 10, Folies Dramatiques 20, Cirque 5, Dclassements Co- miques 26, Beaumarchais 23, Luxemburg 18, Choiseul 5, was im Ganzen die beträchtliche Ziffer 257 ausmacht.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. 3. Sutjek.
Druck und Erpedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.
