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velche den kühnen Parteiführer bis in's Herz von Türkisch- Albanien geführt hatten.

Terassenförmig hebt sich das Land vom Scutarier See gegen das Hochland der schwarzen Berge, wo der Teufel boshafter Weise den ganzen Sack voll Berge ausgeschüttet haben soll, dessen Inhalt er auf der Oberfläche der ganzen Erde vertheilen sollte. Der böse Geist war nämlich zu träge, um diese Arbeit mit Gewissenhaftigkeit vorzunehmen und wurde des Geschäfts überdrüssig, als er eben über die Cer- nagora flog.

Ueber den Mastern des Sees lagerte sich ein dichter Herbstnebel, der langsam mit der müden Truppe Heranzustel- gen schien, welche die Höhen erklimmte. Es war im Herbste 1788.

Die Bundesgenossen Oesterreichs in diesem Kampfe, die leichtfüßigen Montenegriner, waren dem Major Bukastovich gefolgt, so lange es vorwärts ging, als sie aber den Helden von allen Seiten mit überlegenen feindlichen Streitkräften umringt sahen, flohen sie einzeln nach Hause und nicht Einer blieb zurück, um Bukastovich bei seinem Rückzüge als Führer zu dienen durch die dâdalischen Windungen der phantastischen GebirgSformc», welche vor der kleinen Trnppe lagen und durch welche sie den Weg nach Cettinje zurück finden sollte Nichtsdestoweniger verlor der tapfere Führer nicht den Muth. Zu Fuß — denn sein braves Roß hatte längst eine wohl- gezielte Kugel getödtet — schritt er an der Spitze seines Bataillons, welches aus Söhnen der Licca bestand, und wurde nicht müde, durch ermunternde Reden, ja durch volskthümliche Scherze die gesunkene Spannkraft der Geister neu zu beleben.

Als man höher kam, war der Tag weiter vorgeschritten, die Sonne warf ihre Strahlen durch die Zwischenräume der Bäume, und einem leichten Rauche gleich lösten sich die Ne­bel im Thale und gewährten die fernste Aussicht. Tief unten am See brannte die Festung Zabljak, die Bukastovich vor dem Abmärsche an allen vier Ecken augezündet hatte; weiter land­einwärts stand Spuz in Flammen, und ein einsamer Thurm von Türken besetzt, welchen man nicht stürmen konnte, weil die Zeit drängte, sandte seine Lohe zum Himmel, und das Prasteln des Feuers mischte sich in die Jammerrufe des Moslims. Wie aber der Kamm des Gebirges klar wurde von den Dünsten des Herbstmorgens krachten der Türken Gewehre auS allen Enden des Waldes und es begann ein echt homerischer Kampf.

Die Leiber der Verwundeten, welche man nicht der Ge­walt der Osmanen überlasten wollte, belasteten die Schultern der rüstigen Liccaner, welche unverletzt waren, und somit vcr- minderte sich noch die Wehrkraft des kleinen Häusleins. Da­zu kam noch, daß man bei weiterem Fortschreiten mit Schrecken gewahrte, daß ein großer Theil der Waldung, welcher sie noch

von Cettinje trennte, ebenfalls in Flammen stand. War xs nun durch die Osmanen geschehen oder aus übel verstände- nem Eifer der fliehenden Montenegriner, um dem Feinde auch noch im Rückzüge zu schaden, genug, es war ein neuer Zwi­schenfall, der das Bedenkliche der Lage vermehrte. Doch im Kriege, wenuirgendwo, hat das Sprichwort seine Geltung: „Wenn die Gefahr am höchsten, ist die Hilfe am nächsten." Wir wollen sehen, wie das zuging.

Unter jenen 400 Mann, welche vor mehreren Monaten der Major von Bukastovich nach Montenegro und Albanien geführt hatte, befanden sich auch mehrere Freiwillige, welche der kriegerische Ruf dieses Führers unter sein Fähnlein gelockt hatte. Denn Bukastovich, ein geborner Dalmatiner,, hatte sich schon als 23jähriger Jüngling im baierischen Erbfolge­krieg rühmlichst ausgezeichnet, und war snicht wie es damals gewöhnlich war, durch den Inhaber des Regiments, sondern durch den Kaiser Joseph selbst zum Oberlieutenant, Capitän und Major ernannt worden. Wir werden am Schlüsse dieses Aufsatzes auf sein weiteres Schicksal zurückkommen, und von seinem, eines solchen Lebens würdigen Ende sprechen.

Unter den Freiwilligen befand sich auch ein Reichskind, wie deren die k. k. Armee zu allen Zeiten in ihren Reihen gesehen hat, ein Jüngling von seltener Schönheit und Voll Thatendurst, sei es nun im Dienste des Kriegs- oder Liebes- gottes. Er bekleidete den Rang eines Fähnrichs ad honores, und war einer der liebsten Gefährten des Majors. Als man von Cettinje gegen Albanien vordrang, kam Fähnrich P** auf eine halb unbegreifliche Weise abhanden. Er war eS, welcher mit 30 Liccanern uird einer kleinen Kanone nebst einem Häuflein Montenegriner Spuz erstürmte und daselbst den Bruder des Pascha von Scutari niedermachte. Die Truppe kam zurück ohne ihren Führer. In den engen Gäß­chen des armseligen Oertchens war er verschwunden, und kei­ner seiner Braven hatte zu sagen gewußt, wohin er gekommen. ES galt als wahrscheinlich, daß er, von Kampflust getrieben, in ein Haus eingedrungen und dort von überlegener Macht angegriffen, zum Gefangenen gemacht worden war. Wenig­stens war sein Leichnam nicht aufzufinden, als man Nach- suchung hielt, nachdem man sämmtliche Gebäude des Dorfes von Feinden gesäubert hatte. Wenn er nun in die Hände des Pascha von Scutari gefallen, so war sein Schicksal nur zu gewiß. Bucassovich weihte dem wackern Kameraden eine Thräne der Erinnerung; mehr darf der Krieger vom Krieger in ernster Zeit nicht erwarten.

Wie mußte also dem wackern Häuflein zu Muthe sein, als der Todtgcglaubte hinter den Bäumen der waldigen Höhe hervortrat und seine Kampfgenossen mit lautem Jubel begrüßte. Zum Fragen, wie er zurückgekommen, war jetzt keine Zeit, wohl aber leistete P * *, der eine reichbeschlagene