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wie verkehrt und sündlich im Handel und Wandel mit dem Pferde verfahren wird. Daß dagegen mitunter ein Roß in begünstigten Verhältnissen lebt und so zu sagen besser daran ist, als manches arme hungernde Menschenkind in seiner Nach» barschaft, wußte er entweder nicht, oder es fiel ihm nickt als etwas besonderes auf; er hielt wohl Alles, was in diesem Stück geschieht, selbst die übertriebenste Sorgfalt und Liebes- âußerung gegen sein theures Thiergeschlecht, für selbstverständ­liche Schuldigkeit des Menschen, dessen Fürsorge die Edlen anvertrant und aufs Herz gegeben seien. Noch weniger — setzte der wohlweise Erzähler bei — hatte der unerfahrene Junge die Einsicht, daß, wie auf das Geschlecht der Men­schen, so auch auf das der andern Kreatur, ja selbst die todte Natur eben eine bestimmte Summe von Leid und Freud, von Lieblichkeit und Trauer vertheilt ist, und daß ein gerechtes Regiment über der Vertheilung wacht, unter das wir Sterb­liche uns zu beugen und zu fügen haben.

Um selbst an den Gesprächen sich zu betheiligen oderauch nur eine Frage zu thun, dazu war mein Freund zu schüchtern, so viel er auch selbst aus seinen Elfahrunge» mitzntheilen ge­habt hatte, während er über mancherlei Auskunft zu erhalten wmrschte. Doch sollte ihm bald die Zunge gelöst werden. Einige Tage nach den oben erzählten Vorfällen gewann er wiederum eine Stunde Zeil, um sich auf dem Markte umzu­treiben. Hier fand er dießmal eine größere Zahl von Be­suchern um cm Pferd gcschaârt ^ das allerdings die fremdar­tigste Erscheinung des ganzen Marktes war und Aller Augen auf sich zog. Es war der Farbe nach stablgrau, klein, aber kräftig, die Augen traten stark hervor, die Nase war auffal­lend schmal, die Füße dünn und die Schenkel ausnehmend zart, den langen dicken Schweif schleppte eS fast auf dem Boden nach. Auf gefragen erfuhr man, daß dieses seltsame Thier aus Nordamerica hergekommen sei. Grund genug für die Umstehenden, weiter nachzuforschen nach seiner Heimath und dem Leben und Treiben der dortigen Pferde; denn so bekannt die Anwesenden mit den Thieren der Türkei oder aus Persien, Rußland und Arabien waren, von jenem fernen Lande hatten sie noch nichts vernommen. Der mit dem Erzeugiiiß der neuen Well hergekommene Americaner gab gerne die ge­wünschte Auskunft. 5

„Dieses Thier," erzählte er, „ist auS dem Lande der Caniantschcu in der Nachbarschaft der Osage». Seine Ahnen rühmen sich spanischer Abkunft, möglich aber ist, daß es Ur­inwohner des Welttheils sind; seit unvordenklichen Zeiten treiben sie sich auf den unermeßlichen Weiden im Norden von Mexiko und Texas umher, die ihnen treffliches Futter liefern. Ihre Hauptfeinde sind der Lasso und die Flinte der Indianer, die sie der süßen Freiheit mit ihre» Freuden und lustigen Kämpfen berauben und zu Knechten der Menschen machen.

Mit der Schlinge des Lasso fängt man aber nur die unedle- ; teu Thiere, die nicht fluchtig genug sind, um dem nahenden Jäger zu entfliehen. Wenn derselbe sie athemlos gejagt, zu Boden gefällt und an der Kinnlade geknebelt hat, ist es ihm ein leichtes, aus dem wildesten Thier ein zahmes zu machen, daß es ihm wie ein Lamm folgt und willenlos dem Zaum des herrschenden Menschen sich fügt; er bläst ihm ein paarmal in die Nasenlöcher, und die Verwandlung ist geschehen. Nicht so leicht wird es aber dem Jäger mit den Häuptern der Heerden, wie dieses Thier eines war. Meilenweit sieht das scharfe Ange dieser Edlen den Feind heranschleichen, und alsbald rennen sie an der Spitze ihrer Herrden drei, vier Meilen da­von. Nur die Schwächsten verfallen dann dem Riemen des Lasso; doch aus tückischem Hinterhalt gelingt eö manchmol, auch die besten zu fällen, wenn hinter einem Baum hervor dir Flinteukugcl ihnen den Knorpel des HalseS trifft und sie zu Boden reißt. So ist es auch diesem Rosse hier ergangen und es trägt, hier noch die Spuren der Wunde. die eS aus einem Freien zu einem Sclaven gemacht bat. Zum ersten­mal um einen Regenschirm vnn einem Camautschcn erhandelt, wurde cs in dritter Hand für hohen Preis von einem Ab­gesandten der Regierung angekauft und ist bestimmt, als eine große Seltenheit dem Marstall des Großherr» einverleibt zu werde», dem eS America zum Geschenke sendet." (Forts, f.)

Elihu Durritt *)

Elihu Burrit wurde am 2. Dec. 1811 zu Neubruaiy im Staate Connecticut in Nordamerica geboren. Er war der fünfte Sohn eines armen Schuhmachers, welcher seinen Kin­dern, zumal den jüngeren, keine besondere Erziehung geben konnte. Des Vaters früher Tod zwang den Knaben bald, sich einen Weg durchs Leben, sich ein Gewerbe zu wählen; er entschied sich für das eines Schmiedes und widmete sich deut Geschäfte mit allem Fleiße. Zugleich trachtete er, seiner mangelhaften Schulbildung nachzuhelfen, benutzte die offent- liebe Bibliothek seines Hcimatöortes und suchte den Umgang aller Gebildeten, welche dem freundliche», sanften und lern­begierigen Knaben gern au die Hand gingen. Als cr seine Lehrzeit bestanden hatte und sein Gewerbe nur für sich trieb, besuchte er besonders fleißig einen älteren Bruder, welcher sich dem Schulfache gewidmet hatte, und übte sich unter dessen Leitung in der Rechnen- und Meßkunst. Seine fleißigen und geschmackvollen Arbeiten sicherten ihm einen bedeutenden Ver­dienst; sein gesetztes Betragen, fein freier, offener Sinn er­warben ihm in kurzer Zeit einen Namen unter seinen Mit-

*) Aus Wilhelm von Walvbvühl'S „Leben berühmter Werkmeesier " Frankfurt, in der literarischen Anstalt.