er plötzlich aus der Hauptstation und erschien mit einem Transporte in Pizzighettone, oder sonst wo, zu Freude der dortigen Soldaten, gleichsam wie zur Jnspicirung, blieb daselbst einige Wochen und kehrte dann wieder nach Mailand zurück. Auf Märschen jedoch oder in der Action ist er ohne Rücksicht auf die Abtheilung stets an der Spitze des Regimentes, oder im Gefechte bei den Plänklern zu treffen, in seiner gewohnten Thätigkeit von einem Flügel der Kette zum anderen bellend zu springen. Je heißer und lauter der Kampfeslärm, das Gekrache der Büchsen, der Donner der Kanonen, das Geschrei der Stürmenden, Trommel- und Hornsignale, das Zischen und Pfeifen der Kugeln, die so manchen Baum und gar manchen braven Mann an seiner Seite nie- derrisscn, desto mehr war er in seinem Elemente, und rühriger und munterer sprang er über die mit Pulverdampf und Leichen erfüllte Wahlstatt, die Soldaten zum höheren Kampfe gleichsam anfeuernd, vorwärts; nur Wunden konnten ihn zwingen, diesen Schauplatz der Verwüstung zu verlassen und zur Reserve zu eilen, nach deren Heilung er immer wieder beim Regimente eintraf, es mochte dasselbe wo immer im Marsche begriffen sein. Es hatte dieser tapfere Parteigänger bei allen Affairen, wo sein ruhmvolles Regiment focht, gestanden, in sechs Schlachten oder Treffen war er thätig : au dem glorreichen Tage von St. Lucia, in dem heißen Treffen von Montanara-Cnrtatone, bei dem er einen Streifschuß durch das Genick bekam, bei Goito, an dem herrlichen Siege von Vicenza, wo ihm eine Schweizerkugel den Fuß zerschmetterte; ém dem blutigen Tage von Custozza, und endlich unter den Mauern der großen Lombardeustadt, bei welchem er den gefährlichen Schuß durch die Nase erhielt.
Im Jahre 1849 von einer breiten schweren Wunde, die ihm durch den Handschar eines Sereffanets beigebracht wurde, seiner Raufsucht wegen, die ihn nie im Rayon dcö Rrgimen- teö einen Zweiten Hund dulden ließ und ihm nebst seinen ehrenvollen Narben viele andere zuzog, kaum geheilt, brach der zweite Feldzug mit Piemont aus, und Prohaska, kampflustiger als je, war mit der äußersten Spitze der Vorhut der erste, der den Ticino überschritt. So wurde er der unzertrennliche Liebling aller Soldaten des Regimentes; erschien er im Gefechte, so riefen sie sich mit größerer Zuversicht zu: „Der Prohaska ist da, nun vorwärts!" In den Kasernen trachteten sie, ihn durch größere Flcischportionen an die Compagnien zu fesseln, doch Prohaska wollte nur dem Regimente angehören, wechselte Kaserne, Compagniezimmer und Betten, das ihm jeder Soldat, dadurch besonders geehrt, freiwillig räumte. Er unterschied ihn größter Entfernung einen Prohaskaner, ging nie zu einem anderen Soldaten, zu einem Offizier, doch duldete er sie, da sie den Ehrenrock trugen, während er ein entschiedener, ja tödtlicher Gegner jedes Civilisten war. Auf
Märschen, vor dem Feinde, zur Parade, kurz, wo die Mannschaft Feldzeichen trug, bekam er ebenfalls sein Eichenlaub. Prohaska war aber in der That alt, sehr alt geworden; wenn er auch, gleich einem dienstbeflissenen Soldaten, bei keiner Ausrückung, bei keinem Exercieren fehlte, so schleppte er sich doch immer mühsamer hinter seinem Bataillon, dessen Bewegungen am Exercierplatze nur langsam folgend, nach.
Am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, den 18. August d. I., wurde er wie gewöhnlich mit den Feldzeichen geschmückt, seine Schwäche hatte aber so zugenommen, daß er sein Lieblings-Bataillon, das erste, nur bis zur Flesche aus dem Castell begleiten konnte, sodann langsam und traurig umkehren mußte. Es war dies seine letze Parade! Wenige Tage nachher verendete der Hund des tapferen Regimentes. DaS naturhistorische Museum Kärnthens hat diese wertbvolle Gabe des vaterländischen Regimentes mit dem größten Danke aufgenommen, und es hat diesem Sinnbilde der Treue bereits in den Räumen seiner Ausstellung einen entsprechenden Platz angewiesen.
3119 Joseph Nonaparte^s Memoiren
Die beiden ersten Bände von Joseph Bonaparte's Memoiren find erschienen und finden viele Abnehmer. Sie sind in der That interessant genug, denn wir ersehen da z. B. aus den eigenhändigen Briefen Napoleons!., nach welchen Grundsätzen er in den eroberten Ländern zu Werke zu gehen pflegte. In Deutschland hat man es aus eigener Erfahrung kennen gelernt, aber vielfach wieder vergessen. Wir heben hier nur ein paar Briefe Napoleons an seinen zum König von Neapel ernannten Bruder Joseph aus den Memoiren heraus. Er schreibt :
8. März 1806. Mein Bruder; ich sehe, daß Sie in einer Ihrer Proklamationen versprechen, keine Kriegssteuer aus- zuschreiben, und daß Sie Ihren Soldaten verbieten, von ihren Wirthen Nahrung zu fordern. Meiner Ansicht nach, ergreifen Sie da zu ängstliche Maaßregel». Man gewinnt die Völker nicht mit Liebkosungen. Schreiben Sie 30 Millionen Kriegs- steuern aus, bezahlen Sie reichlich Ihre Armee, machen Sie Ihre Kavallerie beritten. Das Alles kann nur durch Geld geschehen u. s. w.
Ferner:
11. April. Mein Bruder; ich meine, daß Bernadotte, Massöna mit Prinzentitelu und großen Revenuen in Neapel eingerichtet werden müssen. Aehnliche Mittel wende ich in Piemont und Parma an; aus diesen Ländern muß der Reichthum von drei- bis vierhundert frau'zöâsche» Offizieren Her- vorgehen, deren Romainen auf ihre Nachkommen übergeben. In wenigen Jahren verheirathen sie sich in de» bedeutendsten
