Der
anderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Mass attischen Allgemeinen Zeitung.
Kr. 289
Donnerstag den 8. December
185.3.
Margreth von Siegenheim.
Nach bayerischen Chroniken von Franz Trautmann.
(Fortsetzung.)
Die Margreth lehnte am hohen Fenster. Das hatte zn Oberst vier farbige Scheiben, so viel bunten Glanz an die Wand warfen, die Spindel war der Margreth Hand längst entsunken — und so lehnte die Jungfrau da, sah träumend hinaus und bemerkte kaum, wie der Bruder auf und ab schreite, oder etwa still stehe und den Blick auf sie richte.
Endlich trat Ritter Hartlieb näher zu ihr und sagte: „Margreth, wo denkst du hin?"
Da sah sie ein wenig bewegt auf und entgegnete: „Und du, Bruder?"
„Soll ich dir'S sagen?"
„Sprich nur!" sagte Margreth halb leise. „Wär's doch das, woran ich denk'!"
„So wir an Eins und das Gleiche dächten", versetzte Hartlièb, „ei Grete, da wär' mancher Streit bald geschlichtet und vertragen."
Die Margreth sah ihn rasch an, und ihre Wangen glühten flüchtig in brennendem Roth auf. Wie ungläubig schüttelte sie dann das Haupt. „Sprich nur!" wiederholte sie ganz leise. Ihre blendend weiße Stirn, halb verhüllt vom gülden- braunen Gclvcke, das reich herniederfloß, lehnte sie auf die seidenweiche Hand und sah wieder hinaus in die Landschaft.
Der Ritter Hartlieb war ganz zu ihr hingctrcteu, sah auch in die Landschaft hinaus und sprach so halb vor sich hin: „Trifft nichts zu, wie ich mir's gern dächte, hab' ich den alten Span mit dem Parcival. Wolf Epser von Stain schürt wieder die Hölle auf, dann geht der Tanz los, und setzt es blutige Köpfe. Letzt bleibt gar Einer von uns, ich oder der Parcival — dann geht's an dir aus. Du hast keinen Schutz, so ich fall' — und fällt der Parcival, ist's viel Schad' um ihn. Denn er ist ein trefflicher Degen; Er schwieg eine Weile, dann setzte er bei: „Meinst nit Grete?"
„Ja wohl, recht Schad' wär's um ihn," sagte die Jungfrau bewegt.
„Ei, wär's das? Und wie du das sagst!" Ritter Hartlieb lehnte einen Arm auf den hohen geschnitzten Stuhl und sah auf die Schwester nieder. „Sprich weiter, Mar-? greth!",
Flüchtig sah die Margreth auf uud wandte sich wieder ab — aber nicht mehr so flüchtig. Dann sagte sie mit gedrückter Stimme: „Was soll ich da weiter sagen, so du mich nicht fragst. Aber du hast mich vordem auâ) nie gefragt, wann du davon rittst! Ich weiß nur dies, mich schmerzt jedweder Tropfen Blut — und Freundesblut und Zwist bringt wohl am mindesten Segen."
„Aber Freundeslieb' bringt Segen?" sagte Hartlieb in freudiger Hoffnung. „Schau'' mich an, Margreth, und sag' Alles, denn mir darfst ja bei Gott die Wahrheit nicht verhehlen!"
Sichtlich erbebte Margreth wieder.
„Willst den Parcival dein nennen?" drängte Ritter Hartlieb, der Schwester Hand ergreifend und sich gar traulich nie^ verbeugend. „Schlag' ein, Margreth, dann-äst all' der Streit vorbei! Sieh', mir bricht selber das Herz, daß ich ihn, etlicher Hufe Landes wegen, zum Feind haben soll. Wie möcht' gar dir zu Muth sein, so du ihm ergeben wärst. Und beim Himmel, ich mein' schier, so ist's, und hast es mir bisher verhehlt!"
Weit abgewandt hatte sich die Jungfrau. Und da ihr der Bruder in's Antlitz sah, war's ihm, als ob er einen Engel lächeln säh', dem zwo Helle Zähren der Wonne ans den tiefblauen Augen flössen.
„Meiner Seel', du willst ihn!" rief Ritter Hartlieb.
„Ich will ihn wohl —" sagte Margreth — „und nie möcht' ich einen Andern! Jst's aber wohl, und treibst keinen Spott? Da ist mein Herz und Glück dabei —und mit Herzen ist kein Spiel zu treiben —!"
„Deß sei du sicher, Grete!" jubelte Hartlieb von Siegenheim. „Ich weiß es ja selber gar wohl, was der Liebe Schmerz bedeutet. So sei's dir offen bekannt. Des Parcival Schwester, die Edika, hat mir das Herz geraubt. Er läßt sie mir
. zjim ehelichen Gemahl, das gibt eine froh, rüstig und treff-
