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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt;w Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Äf. 281, Dienkvg bcn 29. November is&a.

Der Mensch denkt's, Vott lenkt's.

Eine schwäbische Familiengeschichte.

(Fortsetzung.)

Wiedersehen.

So standen die Dinge, als eines Tags festliche Borbe- reitungen im Hans Wezler gemacht wurden. Rike, die Magd, die kein anderes Festvorgefühl kannte, als daß geputzt wurde, hatte bereits das ganze Haus sammt Flur und Treppen gründlich gescheuert, und putzte nun in Ermangelung eines andern Gegenstandes die Hühnerställe unter der Treppe; Ma­rie schlang leichte Ephcuguirlauden über die weißen Vor­hänge, um den Schmuck des bekränzten Zimmers zu vollenden, der Papa putzte die kleine Münzsammlung, die er für Wil- Helm angelegt hatte, schönstens heraus, und Mama ordnete die Kaffeetassen um den prächtigen Gogelhopfen, Wilhelms Leibspeise, den sie nach Jahren wieder einmal eigenhändig verfertigt hatte.

Wilhelm war's, der nach fünfjähriger Abwesenheit wieder im Elternhaus erwartet wurde. Er war indeß als Pensionär, als Volontär, als Commis im Auslande gewesen; nun, schrieb er, wollte er's auch daheim probiren und eine Stelle im Vaterland suchen. Der Papa aber wußte cs besser, wic's nun kommen müsse.

Der Kaffee stand bereit, die Zimmer waren geschmückt, Papa und Mama standen am Fenster, Strickkorb und Flick­korb waren bei Seite gestellt, und jetzt rasselte ein leichtes Fuhrwerk. Der kann's aber nicht sein, der große schöne Mann! Freilich, der ist's und springt herauf und umarmt den Papa und küßt die Mama und küßt zur Abwechslung die Marie und umarmt die Nike, die in der einen Hand den Besen weit hinaus hält, und wirft sich endlich, als der Sturm des Entzückens sich ein wenig gelegt, mit lautem herzlichem Lachen auf das alte zusanimengesesieue Kanape, daß die Flie­genklatsche des Papa, die darauf liegt, krachend in Stücke springt.

Ja, der ist's; wie gesund und frisch, wie groß und schön,

wie hell und unverdorben sieht er aus! Sie können Alle die *

Augen nicht von ihm wenden. Jetzt aber mahnf Mama an den Kaffee, sie rücken näher zusammen, dem Gogelhopfen widerfährt sein Recht, - und Wilhelm sieht sie Alle nach der : Reihe dazwischen hinein glückselig an, und sagt aus ganzer I Seele: „Daheim ist's doch am besten!"

Nun werden Adolfs Briefe geholt und zusammen durch» gegangen, und Wilhelm hilft den geographischen Lücken nach, die den Eltern noch geblieben sind, und erzählt — wie viel und schön weiß er zu erzählen! von der herrlichen Alpenwelt und den Ufern des Genfer Sees und von seinem komischen Herrn Principal und seinen Genossen und tausenderlei Dinge, so daß der Papa die Fräulein Krebs total vergessen hatte und sie ihm erst Nachts vor Schlafengehen wieder einfiel, wo er in seine Decke hinein lachte: „Nicht wahr, Raufer Krebsin, das ist kein alter Lämmel! Dem zu lieb ließe sich deS Roth­schilds Tochter taufen!"

Abermals ein Strich durch die Rechnung.

Am andern Tag natürlich, da kam die Erbin auf's Tapet. ! Klar und bündig setzte der Papa Wilhelm auseinander, welch I unbändiges Glück er gehabt, daß ihm die reiche Partie bis ( dato noch nicht weggeschnappt worden, und wie er kürzlich bei einer Ausschußvcrsammlung der Hagelversicherungsgesellschaft die nähere Bekanntschaft des Vormunds gemacht. Der habe ihm geklagt, er habe mit dem Eigensinn des Mädchens, die alle Freier verschmähe, seine bittere Noth , und habe sich vor­genommen, den Nächsten, der sich jetzt vorstelle, dem müsse sie haben. Er, der Papa, habe sofort Wilhelms erwähnt und alles so eingeleitet, daß dieser sich jetzt nur Präsentiren dürfe, um das Ding sofort siegreich znm Ziel zu führen. „Auch das Frauenzimmer selbst hab' ich gesehen; man kennt sie nicht wieder, sag' ich euch! Ganz elegant, in einem seidenen Paletot, oder wie ihr's heißt; schön ist sie gerade nicht, aber was man so interessant heißt, pechschwarze Augen, ui& Wilhelm, ich sage dir, viermalhnnderttausend Gulden hat sie wie einen Kreuzer, verlaß dich drauf!"

„Wenn's wirklich Ernst sein soll", fing Wilhelm an, „so will ich auch im Ernst reden: ich mag das Mädchen nicht