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Schmutzes, des Hungers und des Elends, ist zugleich der Lumpcumârkt der höheren Bildung. (Schluß folgt.)

Jur Sagesgeschichte.

** Der neue Glaspalast in Sydenham schreitet unbeirrt durch daS in England sehr regnerische Herbstwetter, rasch seiner Voll­endung entgegen, und die Bau-Unternehmer For und Henverson hoffen ihn schon bis Weihnachten fertig der Actiengcsellschaft zu übergeben. Den Schilderungen der Journale zufolge wird es ein wahrer Zauberpalast und Zaubergarten; John Bull wird fortan nicht mehr in alle Welt zu reisen brauchen, denn er wird hier, mittelst weniger Minuten Eisenbahnfahrt von seiner Haupt­stadt, alle Herrlichkeiten der Natur und Kunst, alle geschichtlichen Denkwürdigkeiten alter und neuer Zeit beifammenfindem Nur die Sonne des Südens wird sich nicht nachmachen lassen. Man hat den ursprünglichen Plan bedeutend erweitert, so zwar, daß an beiden Enden des BaueS noch lange Flügel angerückt wer­den, um all die Raritäten fassen zu können. Freilich wird es ein etwas bunter Guckkasten: ein pompejanisches Haus neben einer Alhambra, ägyptische Pyramiden und Shinre neben ioni­schen Tempeln und Götterbildern; assyrische Tragelaphen und mexikanische Vitzliputzli tc. Dann die ganze Naturgeschichte in nuce. Kurz, der Londoner Cockney wird nicht wissen wo aus und wo ein vor polyhistorischer Gelehrsamkeit. Und das alles für 1 Shilling Eintrittsgeld.

** Wer mag doch Recht haben? Prof., Liebig beweist durch Gründe der chemischen Theorie klar, daß es mit Kartoffel-Brod nichts sei' und noch weniger mit Mohrrüben-Brod. Dagegen sendet der „Schwäbische Merkur" einen Artikel nach dem an­dern ins das Land, um die Riesen-Möhre zum Brovbacken zu empfehlen, weil sie so überaus nahrhaft für Menschen und Vieh sei. Ja, um das höchste zu erwähnen, bildet die Riesin zu einem Drittel unter Mehl gemischt und als „Mehlknöpfle" verarbei­tet, eine „wohlschmeckende Speise, die alle Berücksichtigung ver­dient. Wer wird Recht haben, der Verstand oder der Ge­schmack? Die „graue Theorie" aus Bayern oder die „wohl­schmeckenden Mehlknöpfle" aus Schwaben?

** Es ist ziemlich allgemein bekannt, daß Paganini einst nach Anhörung von Berlioz' „Romeo und Julie", dem Com- ponisten ein Geschenk von 20,000 Francs machte, was bei dem bekannten Geize Paganini's um so auffallender war. We­niger bekannt dürfte der dieses Geschenk begleitende Brick sein, den wir daher in der Ueberfttzung folgen lassen. „Mein theur­er Freund! Nachdem Beethoven entschlafen war, konnte nur Berlioz ihn wieder aufleben lassen, und für den Genuß, den mir Ihre göttlichen Tonschöpsungen, würdig eines Genius wie des Ihrigen, gewährt haben, fühle ich mich Sie zu bitten gedrun­gen , als ein Zeichen meiner Huldigung 20,000 Fcs. anzuneh­men , zahlbar gegen Vorzeigung der Einlage durch Herrn von Rothschild. Seien Sie meiner unveränderlichen herzlichen Freund­schaft versichert. Paris, den 18, December 1838. Nicolo P a g a n i n i."

** Unsere gewöhnlichen (Roß-) Kastanien, schreibt der Ber­liner Zusckauer, die bisher nur den Kindern zum Spielzeug dienten, finden jetzt durch einen hiesigen Bürger eine nützliche Verwendung dadurch, daß er aus dem Kern derselben Stärke,

auS deren Lauge Seite und aus der Schale eine schöne Farbe be­reitet. Sammler solcher Kastanien erhalten von ihm pro Scheffel 8 Silbergroschen.

** Baron Lahure, General-Lieutenant a. D., ist am 25/ October in Wayrechainsous-Denain, im Bezirk von Valencien- nes, gestorben. Er war am 29. December 1767 geboren und hat sich hauptsächlich im holländischen Feldzug von 1794 aus­gezeichnet, wo er an der Spitze einer Husarenabtheilung bei Ala- maer die eingefrorene holländische Flotte wegnahm. Von 1801 bis 1814 war er Mitglied des gesetzgebenden Körpers und bei den beiden Invasionen Commandant der Norddepartements. Seit 1818 hatte er wegen der Folgen einer Wunde den activen Dienst verlassen.

** In Begleitung des Generals Baraguay d'Hilliers, der als französischer Gesandter nach Constantinopel abging, befindet sich der Obristlieutenant D i e u. Ueber die Aeußerungen Louis Na- Polcons bei der Abreise des Generals circuliren die verschieden- -sten Gerüchte. Als verbürgt läßt sich annehmen, daß er ihn mit den Worten entließ: D i e u vous conduise !

** AuS dem Haag wird der Jnvepeneance Belge berichtet: „Vor einiger Zeit fand eine Sklavin bei Bagagem in Brasi- lien einen sehr großen Diamant. Nachdem sie das Erbieten ihres, Herrn, ihr 100,000 Gulden dafür zu geben, abgelehnt hatte, kaufte der niederländische Gesandte zu Rio den Stein für 443,000 Gulden.".

** Am 5. September brauste der erste Dampfwagen über Brasiliens weite Ebenen, und zwar geht die erste Schienenstraße von Rio nach Mohia. Zugleich sind dort mehrere, nach den deutsche» Colonien führende Wasserdampflinien eröffnet worden.

** Dem Vernehmen nach wird Alexander DumaS demnächst eine literarische Zeitschrift unter dem Titel les Mousquetaires, die er ganz allein zu schreiben beabsichtigt, erscheinen lassen.

** Die Jndependaiice Beige widmet unserem talentvollen in Brüssel am 4. Nov. im 27. Jahre seines Alters verstorbenen Landsmann, Alerander Stadtfelv, einen höchst ehren­vollen Nachruf. Sie nennt seinen Tod einen Verlust für die musicalifche Kunst, der in Belgien, dem Adoptivvaterland deS Verblichenen, tief gefühlt werden wird.

* Nach einem Berichte auS Jassy vom 28. October ist auch Fürst Ghika im Begriffe, sich von den Regierungsgeschäften zu­rückzuziehen, welche an den russischen General Fürsten Usurow oder unter dessen Aufsicht an den Administerialrath übergeben würden.

Nach einer Depesche aus Constantinopel vom 26. v. M. wartet man daselbst noch auf Nachrichten der türkischen Ge­sandtschaft in Wien, nach deren Eintreffen Namik Pascha in besonderer Mission nach London geht. Ein englischer Dampfer wird für diese Reise bereit gehalten. Ob Namik Pascha in Finanz-oder VcrgleichsangUegenheiten reist, ist nicht angegeben.

Der bisherige spanische Gesandte am Pariser Hofe, Mar­quis von Viluma, ist zum Präsidenten deS Madrider Sena­tes ernannt worden.

Die Canal-Flotte des Admirals Corry hat in der letzten Zeit eine beträchtliche Verminderung erlitten, indem mehrere früher zu ihr gehörige Schiffe nach dem Mittelmeer abgesandt worden sind. ____________________

Verantwortlicher Redacteur : Dr. Ä. Voczet»

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