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Der

anderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Nr. 236

Montag den 31. Vctober

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Aue ein Schreiber.

Ein Provinzleben in vier Capiteln erzählt.

(Fortsetzung.)

Springer folgte. . . . Der Königsschuß war noch keines­wegs gefallen. ... Er trat an, schoß und paff! zugleich mit dem Knall sprang aus dem Mäuerchen ein Flügelmänn­chen heraus — also der Mittelkreis war durchschossen. Der Harlekin steckte eine rothe Fahne aus und gleichzeitig ward Springern der grüne Königsmantel umgeworfen und die Fichtenkrone auf die Schläfe gesetzt, ein Donner aus Kolben und Kehlen erschütterte die Luft und stolz rind sieggewohnt blickte die Schützenmajcstäl.

Der Oberamtmann ward fast bewußtlos in den Wagen gebracht.

Dieser Springer war doch sein Tod!

Nun sah Rosenthal einen Triumph. Die Bläser schaarten sich am Pfarrberg. Hinunter ging's in die Stadt. Das war ein Jubeln und ein Rufen. Erst durch die Breterstraße, dann zum Ring. Kaufmann Groß stand kopfschüttelnd in seinem Laden«. Er lief hinein und wieder heraus, sodaß die leichter­rathende Marie neugierig ward und gleichfalls, eine Düte, die sie eben zu füllen gedachte, in der Hand, auf die Schwelle trat und mit pochendem Herzen der Musik, deren Urheber gleich um die Ecke kommen mußten, entgegenhorchte. Der Vater schickte sie ins zweite Zimmer, die Schwestern zu holen und Dies und Das auszurichten; aber zur rechten Zeit war sie wieder da, um den Schützenkönig, in dem sie mit einem kaum unterdrückten Freudenschrei Springern erkannte, auch zu sehen. Der Ring war voll von Menschen; stattlich genug nahm sich der Schreiber aus, der nun nach der Meinung der Mädchen in der ihm eigenihümlichsteu Gestalt erschien; possir- lich sprang Hundeton voraus und rief aus Leibeskräften sein Vivat. Als der König dem Groß'schen Hause nahe gekom­men war, warf er den grünen Mantel leichtfertig auf den Boden, drückte seine Krone dem Hundeton in die straffen, farblosen Haare, empfahl sich den Schützen und sprang lachend ins Gewölbe, wo ihm Alle entgegengrüßten.

Schon dämmerte der Abend und Springer saß noch in traulichen Mädchenkreise; wenn Käufer draußen schellten, mußt immer Marie hinaus; der Alte rührte sich nicht. Marie gim auch ganz gern, denn einen so mächtigen Einfluß Springe aus der Ferne stets auf sie übte, in der Nähe, im Gespräch hatte er ihr etwas Grauenhaftes. Springer griff Alles, wat ihr am nächsten lag, mit derselben Schonungslosigkeit an, wü man seine eigenen Neigungen mit Selbstironie zu geißelt pflegt. Besonders heute, da er eine Debatte über das Kö nigsschießen nicht aufkommen lassen wollte, sprang er vor einer Rose zur andern, um ja alle weichen Blätter zu zer- zupfen und die Dornen in die Fingerspitzen zu drücken. . . . Marie machte sich im Zimmer da und dort Beschäftigung. Als sie die Blumen vor den Fenstern begoß, spottete Springer über ihren Blumengottesdienst. Sie ließen die Blumen, sagte er, weil diese und jene Romanheldin sie liebte. . . . Marie that, als ob sie's nicht hörte und fragte: Haben sie nicht im Walde den Schwärzel getroffen?

Springer erschrak.

Sie glauben an dies Märchen? sagte das arme getäuschte Mädchen.

Warum? fragte er. Der Schwärzel ist ein Geist. Wer ihn sah, bei dem nur existirt er.

Man kam von dem Gespräche ab. . . .

Die Zeit des Abendessens rückte heran. Springer ver­mißte sein Gewehr und empfahl sich. Er erinnerte sich, es auf dem Schießhause gelassen zu haben.

Diese Flinte setzte Springer ungern profanen Blicken aus. Man hatte ihn stets gefragt, warum auf dem reichen Silber- gehänge nicht sein Name, sondern ein fremder Anfangsbuch­stabe glänzte, dessen Bedeutung er Niemand anvertrauen konnte, weil er sie einfach selber nicht kannte. So trug er die Freundin der Kindheit, den einzigen Rest einer schönen Traumzeit, auf Spaziergängen fast immer über der Schulter. Ihren mit Perlenmuscheln ausgelegten Lauf kannten alle Thiere des Waldes.

Springer fand das Gewehr nicht auf der Schießstatt. Er dachte an die Waldstelle, wo er mit Amalien gesprochen. DaS