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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur vraffauischen Allgemeinen Zeitung.

»r. 230

Monta;; den 24. Veto der

285».

Clementine Sobieski.

(Fortsetzung.)

Der junge Edelmann war John Walkensbaw, Baron v. Barronsfield, ein Jacobit von reinstem Wasser. Wenn wir dem vielgewandten und Alles wissenden Duc de Saint- Simon Glauben beimessen wollen, so war er einer der thätig­sten, eifrigsten und einflußreichsten Anhänger des Chevalier de St. Georges in Schottland. Er nahm Theil an dem L Ausstande von 1715 und wurde in derselben unglücklichen Schlacht bei Sheriff-muir gefangen, welche den Prätendenten p zwang, das Land zu verlassen. Im Schlosse zu Stirling

- erwartete WalkenShaw die Sentenz, welche sein Haupt dem Henker überantworten sollte. Aber dieser unternehmende und erfinderische Cavalier fand Mittel und Wege, seinem Schick­sale zu entrinnen. Nach Fährlichkeiten ohne Ende gelangte er über's Meer nach Barle-Duc zu König Jacob III., welcher unter dem Schutze Ludwig XIV., sich daselbst aushiclt. Von da sendete ihn sein Herr mit einem Schreiben nach Innsbruck.

Sie sind mit dem Inhalte des Schreibens bekannt, wel­ches mir der Lord bringt? fragte Prinzessin Clementine den noch immer harrenden Baron Greiff, als sie die Lecture

1 vollendet hatte.

Ich weiß, Hoheitl daß der Chevalier den Wunsch aus­gesprochen hat, ich möge die Erlaubniß einholeu, daß Lord Barronsfield Sie in wiederholten Besuchen von Allem in Kenntniß setze, was für Sie zu wissen von Interesse ist. Ich lasse Sie mit Ihrem Kammerherrn allein, denn wie ich ver­nehme, ist er für dieses Amt bestimmt Die Bewilligung zu dieser Unterredung ist mir höheren Ortes geworden.

Damit verließ der Freiherr das Gemach.

Aus Begehren der Prinzessin entwarf nun der Schotte in lebendigem Wort eine ausführliche Schilderung jener Aben­teuer, welche er an der Seite des Ritters von St. Georg bestanden und entlockte der gefühlvollen Dame öfters heiße Thränen, wenn er erzählte, wie der Enkel von soviel Königen j zu Zeiten mühevoll um sein Leben rang, welches der Mangel ’

und die Verfolgung seiner Feinde gleich erfolgreich bedrohten. Mit südlicher Begeisterung (wie alle Jacobiten sie besaßen, denn ohne diese wäre eine so gefahrvolle und mißliche Sache längst von ihnen aufgegeben worden) schilderte er die wunder­bare Rettung des Prätendenten und seine eigene.

Nur meinem wackern Rosse, schloß er seine Erzählung, danke ich es, daß ich heute das Glück habe, die erste Hul­digung eines britischen Unterthans unserer künftigen Beherr­scherin zu Füßen legen zu dürfen. Hart waren die Verfolger hinter mir und des Kurfürsten von Hannover Rifflemen trieben mit ihren todtbringenden Büchsen im Hafen zu Leith die Schaluppe in's Meer, welche mich an Bord des rettenden Schiffes bringen sollte. Da gab ich dem braven Renner die Sporen; er sprang in's Meer, theilte mit gewaltigen Glie­dern die empörten Wogen und brachte mich zum Schiffe in Sicherheit. Dasselbe Roß trug mich von Barcke-Duc in's Herz von Tirol'.

Von nicht minderem Interesse für Barronsfield war die Erzählung der Prinzessin. Ihre Reise von Ohlau aus, ihre Gefangennehmung zu Innsbruck, die Sorge der fernen Eltern um sie, ihre Sehnsucht nach dem erlauchten Bräutigam, dem sie auf seiner gefahrvollen Laufbahn muthvoll, wie ihre Lip­pen cs bei der Verlobung beschworen, zu folgen bereit war, alles dies erregte Empfindungen in der Seele des Edelman­nes, welche mit seinen natürlichen Neigungen vortrefflich im Einklänge waren. Genug, er verließ die Prinzessin, wo mög­lich entschlossener als je, der Sache seines unglücklichen Kö­nigs den letzten Blutstropfen zu opfern.

Als er fortging, begegnete ihm im Vorfaale der Herr deS Hauses. Ich habe über Ihre Sendung nachgedacht, Mylord! so hub er an, sie ist, wie ich Ihnen schon vorher sagte, von der zartesten Natur! Mein allergnädigster Herr ist nicht ge­willt, seiner Cousine alle Verbindungen mit den Gegenständen ihrer natürlichen Neigungen abzuschneiden. Sie haben Zutritt in mein Haus, so oft es Ihnen wünschenswerth scheint, das­selbe zu besuchen. Ich rechne dabei auf Ihre Ehre als Che­valier und Krieger, eben so wie auf Ihre Anhänglichkeit an die Familie, der Sie huldigen und folglich an die erlauchte