Der Wanderer.
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Belletristische Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
**?. 229, Donnerstag den 29 September iss».
Schern mal.
Erzählung von der Küste Malâbar. Aus dem Französischen des Th. Pavin.
(Fortsetzung.)
In diesem Augenblick strich Tiruvalla die Klinge eines scharf geschliffenen Messers über seine Hand und sagte seinem Bruder, er solle gegen den Baggerow hin rudern. Tirupatty that einige Nuderschläge und der Kahn setzte sich in Bewegung ; plötzlich sah er mit Erstaunen den Tiruvalla mit seinem Messer bewaffnet sich in's Meer stürzen. Als er im Wasser war, verbarg der schlaue Fischer seinen Kopf unter dem Wasser; er schwamm ohne Geräusch, wie ein Hai. Nachdem er sich mehrmals nntergetaucht hatte, immer näher gegen den Baggerow zu schwimmend, erreichte er das Tau, welches das arabische Schiff mit dem Anker sesthielt. Mit Hülfe des Messers, dessen er sich wie einer WM bediente, gelang es ihm daS Seil durchzuschneiden) das schwere Schiff bewegte sich und wurde gegen das Land hingerissen. Der Fischer kehrte zu seinem Kahne zurück und zeigte seinem Bruder mit dem Finger den Baggerow, der einem sicheren Untergang entgegen ging.
„Du siehst wohl," sagte er zu ihm, „daß sie uns früh oder spät ihren schlechten Streich zahlen mußten. Wir wollen ihnen ganz sachte nachgchen, damit wir bei der Hand sind, wenn der Schiffbruch vollständig ist und wir plündern können.
An dieser niederen und flachen Küste erhebt sich die Welle auf dem Meere, wenn sie vom Ufer zurückgestoßen wird, zu einer Höhe von mehreren Fuß und stürzt dann mit Tosen wieder nieder. So lange der Baggerow auf dem ruhigen und tiefen Meere war, bemerkten die Schiffölcute und der Nakodah Ausuff nichts von der Gefahr, der sie entgegen gingen. Bald indessen, als lurs Schiff auf den Grund gestoßen war, fuhren die Araber auf aus ihrem Schlaf erschreckt standen sie auf, ohne anfangs die Ursache dieses furchtbaren Stoßes zu begreifen, durch den die Segclstange auf das Verdeck Herabgesallen war. Diese riß in ihrem Falle noch das ungeheuere Segel mit sich. Unter diesem doppelten
Gewicht, das von einer einzigen Seite herkam, neigte sich das Schiff und strandete; die Wellen, welche sich an der Mündung des Kanals bilden, schlugen mit Heftigkeit an dem Baggerow auf, der halb umgeschlagen hatte. Eine unaussprechliche Verwirrung war an Bord; die verwundeten Matrosen stießen ein Klaggeschrei aus und die, welche es vom Ufer aus hörten, berechneten gerade nicht so genau die Gefahr, um ihnen die wirksame Hülfe zu leisten. In einem solchen Augenblick können Kaltblütigkeit und Erfahrung des Kapitäns ein Schiff retten. Unglücklicherweise befand sich Ausuff in einer viel kritischeren Lage, als die Matrosen. Vom Wasser, das in das Hintertheil des Baggerow eindrang, in seiner Kajüte überrascht, war er mit Gewalt auf den Boden der Kajüte geschleudert worden.
Am Kopfe stark verwundet und durch das Wasser halb ohnmächtig, suchte er die Thüre der Kajüte zu öffnen, um das Verdeck zu erreichen. Die Thüre wich plötzlich unter dem Druck einer andern Hand, als der seinigen, und er hatte vor sich das blitzende Gesicht des Fischers Tiruvalla.
„Ich bin's," sagte der Hindu mit wildem Lachen; „Dein Geld, Deine Schätze! Gib schnell, oder ich mach' Dich mit einem Messerstich fertig!"
Jusnff warf auf den Fischer einen wüthenden Blick, in dem sich zugleich Verachtung und Entrüstung zeichneten.
„Die Zeit drängt; Du siehst wohl, daß Dein Baggerow in Stücke fährt," fuhr Tiruvalla fort; „gib mir Dein Geld und ich rette Dich."
In der That drängte die Zeit. Der Hindu berechnete mit gierigem Auge, wie viele Minuten noch das zerschmetterte Schiff treiben könnte. Statt aller Antwort stürzte sich der Nakodah auf den Fischer; er hatte seinen krummen Säbel in der Hand. Die beiden Feinde wälzten sich auf dem Boden der schon halb untergesunkenen Kajüte, indem sie sich fest umschlungen hielten. Sie schlugen furchtbar auf einander in der Dunkelheit; der eine wie der andere war gleich bedroht durch das Wasser des Meeres, das sich mit ihrem Blute färbte. Der Hindu suchte zu entfliehen; aber der Araber, dem sterbenden Löwen gleich, der den niedergeworfenen Jager mit sei-
