Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Xr. 216
Mittwoch den 14. September
785».
Das VosLeman-Eommattdo. '
(Fortsetzung.)
Während Elas die Reitpferde sattelte und BaaS Piet ! zwei Pavianspfotcn (Gewehre) auf die Stoop brachte, deren • eine er Elas mit den Worte reichte: „Sieh nachdem Stein | und setze eine Äugel auf," erschienen die sechs Personen, deren Annäherung Laas Piet bereits erspäht hatte. Die Booren waren in äußerer Erscheinung einander ziemlich gleich: ein Jeder trug eine lange Paoianspfote über der Schulter und ein Pulverhorn an dem Gürtel. Auch die Schwarzen waren bewaffnet.
„Wir dürften nicht säume», Freunde," sprach Piet nach kurzem Gruße, „wir haben nur noch eine Stunde Taglicht; ich^Mcht Euch unterwegs Alles mittheilen." Und flüchtig sein Weib grüßend, sprang er in den Sattel und ritt hastig in der Richtung der blauen Hügel, gefolgt von den Booren und den drei Schwarze». „Drückt auf, Kerle," ermahnte er, „ehe die Nacht einbricht, müssen wir jenseits der Koppjes nm, anders ist unsere Mühe umsonst." Uird die kleine Ea- valcade flog über die Ebene.
Piet theilte seinen Begleitern kürzlich mit, daß er bereits seit einiger Zeit Verdacht auf seine eigenen Hirten habe wegen allerlei Diebereien unter seiner Heerde und nicht zweifle,- daß sie in steter CommunicatiM mit ihren Freunden jenseits der Grenze seither gewesen waren; daß Elas heute früh die Spur ! der Zugochsen und der zwei Busmannhirtcn in der Richtung der Grenze entdeckt habe, daß darauf sein Sohn Jan imd)« gesetzt, aber nicht zurückgekommen sei, und daß endlich 'ein gctrouwe Schepzel (getreue Creatur) Elas nachgeritten wäre, ohne jedoch weder Jan noch die Ochsen zu finden.
Die Sonne war je^t' hinter dem Bergrücken verschwunden, aber die Luft leuchtete noch mit gelbem Lichte und deutlich ließ sich noch die Fährte der Rinder erkennen, welcher die Reiter folgten. Hier und da, wo die Spur deutlicher wa>, hielt man einige Augenblicke an.
„Diese Pferdespur liegt seit dem frühen Morgen ," be- , merkte einer der Booren, „der Thau hat darauf gelegen."
„Ganz recht", versetzte Piet, „es ist die Spur von Jan; er ritt mit Tagesanbruch."
„Und hier," bemerkte ein Anderer, ist Jan abgestiegen: das ist die abgerundete Spitze seiner Felbschuhe (Mocasfins). Und hier hat er sein Rohr an die Klip gelehnt: da ist der Eindruck des Kolbens, dort hat das Bandelier auf dem Sande geschleift."
„Hier, Baas", bemerkte Elas, „ist ein alter gebrochener Riemen und ein frisch geschnittenes Riemchen; Baas Jan hatte den alten Somerset (wattirtcn Sattel); sicher war etwas gebrochen."
Und mit solcher Genauigkeit schlossen die Booren aus unbedeutenden Kleinigkeiten auf die Art und Weise , wie der junge Loor seine Reise fortgesetzt hatte, daß sie kaum besser unterrichtet gewesen sein wurden, hätten ihre eigenen Augerr ihn stets beobachtet.
Ohne Unterbrechung zwischen den Hügeln angekommen, hielt der Zug und berathschlagte über den weiteren Curs, denn cs. schien hier, als ob die Rinder nach allen Seiten ausein-- andergelanfen wären. Die Pferdespur hörte hier plötzlich auf. Die Eindrücke von drei verschiedenen Füßen waren auf dem Sande bemerkbar; zwei Paar derselben waren von nackten Füßen, ein Paar von Feldschuhen. Man erkannte sie als die Spuren der Buschmänner und des jungen Boors. DaS zersplitterte Stück eines Kirie lag nicht weit davon und ein Eindruck war auf dem Sande, als ob etwas Schweres darauf hingeschleift worden sei.
Bei diesen verdächtigen Zeichen stieg die Angst des Vaters auf eine peinliche Höhe, denn es erschien nur allzu wahrscheinlich, daß, Jan die Marodeure hier cingeholt hatte. Die Booren zerstreuten sich und suchten in der nächsten Umgebung; nichts fand man mehr, auch selbst nicht die Spur des Pferdes.
„Und doch geht die Pferdcspnr nicht zurück I" bemerkte Einer mit Verwunderung.
„Hier," rief ein Anderer, „sind die Ochsen wieder beieinander gekommen, aber die Pferdespur ist nicht dabei."
„Baas," schnarrte ein alter Buschmann, „sie haben das
