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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

xr. 214. Montag den 12 September /ss».

^rtü Vos^eman-Eommando.

(Fortsetzung.)

An einem heißen Octobermorgen im Jahre 1851 jagte an der westlichen Grenze der Capeolonie auf einem dickköpfigen, langhaarigen, africanischen Pferde, das vom Schweiße triefte, ein magerer Hottentot einem einsamen Bauerngnte zu, dessen graue Gebäude sich kaum von der Farbe der dürren Ebene unterschieden. Er sprang von einem Schafsell, welches ihm als Sattel gedient hatte, warf den Zaum über den Kopf des Pferdes und verschwand in einem der Gebäude, welches seiner Größe nach das Wohnhaus schien. Geduldig blieb das Pferd stehen, der Rückkehr seines DlcitcrS harrend. Einige große Bastard-Tiegerhunde, besäet mit breiten haarlosen Narben von Wunden, die sie, im Kampfe. mir Affen bekommen, erhoben sich träge von der Thür deS Hauses, beschnupperten des Pfer­des Beine und legten sich wieder schlafen. Mit langen Schrit­ten stolzirte ein zahmer Strauß näher, zupfte das Pferd muth- willig am Schwänze und segelte scherzend wieder hinweg. Al­les war dann still und einsam wie zuvor; der Wind säuselte durch die Fächerblätter einiger verkümmerten Syringen (Melia azedarah), die der ganze grüne Schinnck des „Platzes" wa­ren; das Pferd hing träge und schläfrig den Kopf, der Hot- tentot schien einen Rapport zu machen, welcher dem Baas nicht gefiel, denn zwischen seiner umständlichen langen Rede erschallte zuweilen die grollende Stimme des Boors: „Die Schurken — aber um Gotteswillen, das ist ja unmöglich — Tanzter und Geschwind — die Bilkzemkindcr" — und ähnliche Exela- mationen, bei denen das Pferd die Ohren spitzte und klug auf das kleine offene Fenster schaute, wo die Köpfe der beiden Männer sichtbar waren.

Plötzlich ward die Thüre aufgcrissen, und heraus trat mit zorniger Geberde ein langer stattlicher Boor; ihm folgte der Hottentot. Der Boor war nach Art der holländisch-asricani- schen Kolonisten mit einem braunen Sombrero, geschmückt mit Straußfedern , einer Tüffeljacke, Lederhosen und behaarten Mocassins bekleidet und trug in seiner braunen großen Hand eine Pavianspoot, eins jener 6 Fuß langen, schweren Röhre.

Zorn hatte seine frische Gesichtsfarbe in ein bleiches Blauroth verwandelt.

„Bring die Pferde, Elas —alle drei— auch den Hengst," schrie er den Hottentot an, und hinweg schnellte ClaS nach dem Stalle, aber kehrte- in der Thür mit unverkennbarer Be­stürzung um, wandte sich nochmals und schaute mit langge­strecktem Halse in den Stall hinein.

„O Baas, o mein lieber BaaS, alle vier Pferde sind verreckt!"

„Verreckt!" wiederholte der Boor in einem Tone mehr ungläubig als erschrocken. „Der Kerl ist Mall (verrückt) —■ mein Vollbluthengst von zwanzigtausend Thalern!? Hohol Elas ist Mall", nichtsdestoweniger aber dem Stalle zueilend.

Da lagen sie, drei tüchtige Reitpferde, und in der Ecke der Hengst, ein wunderschönes edles Thier — alle erschossen mit Pfeilen, die ohne Zweifel vergiftet gewesen waren.

Der Boor schwur einen entsetzlichen Fluch.

„Ruf' das Volk, Elas," grollke er mit heißer und beben­der Stimme dem Hottentot zu, alles Volk!" und hinweg rannte. Elas nach dem Kraale, wo die Wohnungen der schwar­zen Dienstleute, wie große Bienenkörbe angebaut waren. Unterdessen war die Gattin des Booren, eine höchst reinlich gekleidete, aber außerordentlich korpulente Holländerin, an die Thür getreten und schaute mit gefalteten Händen rathlos ihrem Gatten nach, welcher mit langen Schritten und heftiger Geberde .auf dem Stoop (eine Erhöhung vor dem Hause gleich einem Trottoir) hin- und herschritt. *

„Die Vagabunden," schnaubte der Boor entrüstet, „meinen Hengst und 3 Reitpferde und 24 meiner besten Ochsen! Bei Gott, ich will ein Beispiel geben!" und klirrend stampfte er die lange Flinte auf den Grund.

„Piet," hielt ihn seine Frau endlich an, „Piet, sollte Elas sich nicht geirrt haben? Die Ochsen weideten ja gestern ge* gerade in der entgegengesetzten Richtung, an den Blaamd Kopies (blauen Hügeln)."

„Ganz recht; gerade dorther kommt ja die Spur. Die Spur ist noch ganz frisch; die Ochsen sind heute Nacht weg- getrieben. Dahinter liegt die Spur von Geschwind und