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nur aus einem dünnen Schilfrohr, woran ein spitziger Kno­chen oder ein roh gearbeitetes Stück Eisen mit Widerhaken befestigt ist; aber da diese Svitze in ein tödtliches Gift ge­taucht ist, folgt selbst auf eine leichte Verwundung der Tod. Zur Vergiftung der Pfeilspitzen gebraucht der Buschmann von vegetabilischen Giften den Saft der Euphorbie und eines Zwiebelgewächses, den Kolonisten unter dem Namen Gift' bollen (Buphone toxicaria) bekannt; animalische Gifte setzt er zusammen aus dem Gifte der Schlangen, der Scorpione und Spinnen. Mit diesen schwachen Pfeilen vermag er aus kurzer Entfernung einen Ochsen durch und durch zu schießen. Dieselben vergifteten Pfeile werden zur Jagd benutzt. Der Pfeil ohne Gift würde ein größeres Thier in großer Ent­fernung zu wenig verwunden, um eS zu erlegen; allein die kleinste Wunde durch einen vergifteten Pfeil ist dazu hin­reichend: betäubt stürzt das verwundene Thier sehr bald; der Bosjcman folgt auf der Fährte, schneidet die nächsten Fleischpartien der Wunde ans und frißt den Nest, unbeküm­mert, ob cs vom Gifte schon durchdrungen sei oder nicht. Frißt, sagten wir, denn er speist wie ein Thier: er frißt, bis er nicht mehr kann; legt sich dann nieder und verdaut; frißt danach wieder, bis er nicht mehr kann rc., bis die Beute auf­gezehrt ist und der Hunger ihn nöthigt, sich nach andern Nahrungsmitteln umzuschen. Er legt nie einen Vorrath bei, ausgenommen er habe das Glück gehabt, einen Trupp Schafe oder Rinder zu stehlen, die er dann sogleich alle schlachtet, weil er sich nicht die Mühe nehmen würde, sie zu hüten, und der Möglichkeit der Wiederabnahme Vorbeugen will, trocknet das Fleisch und füllt damit allerlei Schlupfwinkel an. In unruhigen Zeiten an der Grenze haben die Buschmänner ost, wenn sie an der Möglichkeit zweifelten, eine gestohlene Heerde Schafe oder Rinder vor den Verfolgern zu retten, allen, oft 400 bis 600 Widdern und 60 bis 80 Rindern, sogleich die Kehlen oder Achillessehnen durchschnitten und dann die Flucht ergriffen. Die Boorcu konnten eine solche Masse todtes oder verstümmeltes Vieh nicht wegführen und die Beute blieb so­nach in den Händen der Räuber, welche sie sodann den Geiern streitig machten und in ihren Kraals, Höhlen und andern Schlupfwinkeln verbargen. Natürlich blieb solches Fleisch nicht immer sonderlich gut, allein der Bosjcman ist nicht viel leckerer als die Hyäne. Aehnliche Vorkehrung macht er mit Heuschrecken, die er röstet und in großen Quantitäten wcg- steckt. Und selbst wenn ihm diese zwei Artikel fehlen und andere Fleischnahruiig gebricht, bleibt er immer noch rund und fett da, wo ein Europäer verhungern müßte. -Der Bosjeman wandelt über die sandige Oede: hier ragt aus dem Sande ein Zoll langes, dürres Hälmchen, welches ein Europäer wahrscheinlich weder gesehen noch beachtet haben würde; der Bosjeman scharrt und steckt etwas in den Mund, gerade wie

die Affen eS thun, geht weiter und scharrt wieder so lange, bis er seinen Magen so mit saftigen Wurzeln gefüllt hat, daß er sich endlich niederlegt, um zu verdauen. Die hauptsäch­lichsten seiner vegetabilischen Nahrungsmittel sind U'Gaap, ein bitter süßes Gewächs, ähnlich einer Möhre, welche aber über der Erde wächst; die T'Camroo, ähnlich einer langen, süß­lichen Kartoffel, und was die Kolonisten JackalSkost, Fuchs­speise, nennen (Wurzeln der Aphyteja Ilydnora.) Die Ab­neigung des Bosjemans gegen Schweinefleisch, wovon einige Reisende gefabelt, besteht nur im Gehirne dieser leichtgläubigen Argonauten.

Da die Buschmänner oft nur vom Raube lebten und Mord und Brand während ihrer Streifzüge unter die weißen Grenzbewohner trugen, haben sie sich manche schwere, aber wohlverdiente Züchtigung zugezogen. Selbst im Jahre 1851 fand noch ein solches Bosjeman - Kommando statt (so nennt man eine bewaffnete Macht der Colonisteu, welche auszieht, um Repressalien anszuüben), von dem Gouvernement zwar nicht bestätigt, aber doch mit Stillschweigen geduldet, da es annahm, daß die Buschmänner eine Züchtigung, welche durch die Booren viel nachdrücklicher ausgeführt werden konnte, als durch eine Hand voll Soldaten, sehr wohl ver­dient hatten.

Wir geben eine Schilderung dieses Rachezuges nach den „Südafricanischen Skizzen von Kretzschmar." *) (Forts. Q

Lhambrco garnies.

Die ChambrcS garnieS sind das Bivouac im Feld­dienst des Lebens; sie sind das Karawanserai für die Wall­fahrer nach dem Mecca des eigenen Heerdes; sic sind . . . . doch wozu noch Erklärungen? Wer jemals in seinem Leben mehr gewesen ist, als Schlafbursche, und weniger als Fami- lien-Sohn, d. h. wer fern vom elterlichen Hause auf der Mit- telstation zwischen Familicn-Mitgliedschafk und Selbständigkeit verweilte, der weiß, was eine Chambre garnie ist. Aus wes- scn Gedächtniß könnte jemals das Bild eines SchlafsophaS entschwinden , auf dem er als Student krumm gelegen, oder eines Kleiderschrankes , hinter dessen knarrende wackelnde Thür­er als Referendarius seinen Grisetten - Ballfrack verschloßen, oder irgend ein anderes Möbel, das ihn, als er noch Jung­geselle war, bei jedem Anblick so eindringlich an die Gebrech­lichkeit alles Irdischen erinnert hat!

Man kann indessen die Chambre garnie sehr wohl aus eigener Anschauung kennen, ohne daß man deßhalb schon eine richtige Erkenntniß von Form und Wesen der ganzen Gattung dieser Existenzen hat. Es gibt StandeSunterschiedc in dem

*) Dresden, Aunoldsche Buchhandlung.