Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.
Xr. 2L3 Samstag den
Das Vosjeman-Cowmando.
Einleitung.
Der Name Buschmänner verleitet den Europäer immer zu der Annahme, daß diese Wilden meistens in Gebüschen wohnten. Das Bosjemanland enthält jedoch nur wenig Büsche hoch geuung, um Schatten gegen die Gluth der Sonne zu gewähren, und dicht geng, um gegen den kalten Nachtwind zu schützen. Bei solchen kleinen Büschen schlägt zwar der Bosjeman sein Lager auf, denn Alles, woran er seinen Rücken lehnen kann, es sei Busch, Stein oder Ameisenhaufen, genügt ihm für temporäre Wohnung. Gewöhnlich aber zieht er jedoch vor , sein Domicil in einer Felseuspalte, au einer Bergwand, in dem Loche eines Stachelschweins oder Ameisenlöwen, oder in einem ausgehöhlten Ameisenhaufen zu nehmen. Die nahe der Grenze wohnenden Bosjemauen sind wenigstens so weit civilisirt, daß sie einen Wigwam bauen, der freilich nur aus 3 bis 4 Stöcken von ungefähr 4 Fuß besteht, deren obere Enden an einander gebogen und auf der Windseite mit einigen losen Büschen oder einem alten Felle durchflochten sind. Dies ist die einfache Architcctur des Bosjemanpalastes. Die nachbarlichen Buschmänner besitzen zuweilen einige Ziegen und treten wohl auch auf kurze Zeit in des Booren Dienst. Man nennt sic daher zahme Bosjemauen.
In seiner äußern Erscheinung hat der BoSjemau nichts gemein mit den andern Stämmen Südasrica'ö als die Farbe, welche meistens tief schwarz ist, aber unter einer feinen Staubkruste immer leicht aschgrau erscheint, denn Reinlichkeit bleibt dem Buschmann von seinem Eintritt in die Welt bis zu seinem Tode fremd. Auch hat er kurzes, krauses Wollhaar, aber jeder einzelne Kräusel verlängert sich in zolllange Löckchen von der Dicke eines Nabenfederkiels, die wie gleich lauge Frauzeu über Stirn und Schläfe herabhängen. Die Löckchen pflegt er mit großer Sorgfalt, wohl die einzigste Sorge, welche er, mit Ausnahme der Federn im Haar und dem Knochen in der Nase und dem Ohre, auf seine bezaubernde Erscheinung verwendet, und salbt sie mit Fett, wodurch die Elasticität und
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Geschmeidigkeit so erhöht wird, daß sie wie eine Reihe lebendiger Würmer aussehen.
Das Charakteristische im Buschmanngesichte, wie überhaupt in den Gesichtern der Wilden, liegt im Auge; denn selbst wenn der Buschmann schweigt und seine Gefühle zu verbergen strebt, wenn absolute Ruhe auf seinen Zügen liegt, so spricht doch das Auge desselben alle Abänderungen der Gefühle unverkennbar aus.
Wie alle Wilden pflegt auch der Buschmann sein Haar mit allen Dingen zu schmücken, die darin stecken^ wollen; besonders gern ziert er es jedoch mit Geierfedern.
Der Buschmann ist 4% bis 5% Fuß hoch, durchaus wohlgebildet und von ziemlich regelmäßiger, zuweilen tadelloser Gesichtsbildung. Er genießt den Vorzug einer wunderschönen, niedlichen Hand und eines ebenso schönen FußeS. Die Ohrlappen durchbohrt er und trägt in ihnen Ringe, Federn, Stückchen Holz, Knochen rc. Auch die Nasenscheidewand durchlöchert er oft und steckt ähnliche Dinge in diese Oeffnung.
Der Buschmann geht gewöhnlich ganz nackt; über die Schultern hängt er ein Fell, oft so klein, daß man dessen Nutzen nicht begreifen kann; wahrscheinlich nur zur sZierdc, wie die spanischen Mäntel des Mittelalters; um die Hüften bindet er einen Riemen, von welchem vorn, oft auch hinten, ein Bündel dünngeschnittener Riemchen von ein bis anderthalb Fuß Länge herunterhängen. Der wirklich wilde Buschmann ist jedoch gleichgültig für diese zarte Rücksicht. Einen andern und breitern fRiemen windet er mehrere Male um den Kopf. Um den Hals trägt er gern einige Schalen winziger Landschildkröten, welche er für Talismane gegen wilde Thiere hält.
Hottentotten sind gewöhnlich milder Disposition; der Bos-- je man hingegen hat alle Eigenthümlichkeiten eines wilden, reißenden Thieres, über welches er geistig auch nicht viel erhaben ist. Seine Waffen sind Bogen und Pfeil und ein kurzer Stock mit dickem Knopf von zähem, hartem Holze, Kirit, den er mit außerordentlicher Geschicklichkeit zu schleudern versteht und Hasen, Rehe, Vögel rc. damit zu Boden bringt. Eine gefährliche Waffe ist sein Pfeil. Er besteht
