Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

-----■«g»t»jcanw ----

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Kr. 207, Samstag den 3 September tss».

Eine Lehre für das Leben.

Historische Novellete.

(Schluß.)

Im Fluge sah ich das schöne Italien. Venedig, Bologna, Florenz, Nom, es war mir bei einem späteren längeren Be­suche wie ein Traum, daß ich schon einmal dagcwescn.

Endlich sah ich den Vesuv am Horizonte sich erheben, amphitheatralisch lag die schöne Parthenope zu meinen Füßen. Hier also, dachte ich entzückt, wirst du nun endlich bleiben dürfen. Denn nW weiter gegen Süden ist das Meer und die Grenze der Gesittung.

Ich gab mein Schreiben am königl. Hofe ab und wurde rur Tafel geladen. Die Königin, die ihren Bruder über Alles liebte, bestürmte mich fmit Fragen über sein Aussehen und sein Leben überhaupt, Fragen, die ich aus zureichenden Gründen so gut wie gar nicht beantworten konnte. Alles, was ich Ihrer Majestät mitzutheilen im Stande war, be­schränkte sich auf die Erzählung jenes Abends in Kremsier. Die Königin Marie Caroline lachte herzlich über meinen Bericht, ließ eine Karte von Oesterreich holen und zeigte ihrem Gemahl die Stadt Kremsier, wo ich den Kaiser ver­lassen hatte.

Mehr überraschte mich die Frage, welche die Königin am Schluffe der Tafel an mich stellte: wann ich meine Reise fortzusctzcn gedächte? König Ferdinand half mir ans der Ver­legenheit, indem er der Königin bemerkte, das hinge davon ab, wann ein Schiff nach Algier abginge.

Der Gesandte den ich des andern Morgens besuchte, hatte bereits den Schlüssel des ganzen Geheimnisses in Händen, denn ich hatte auch ihm Depeschen mitgebracht. Ich habe bereits eine genuesische Polaca gemiethet, sagte er mir, welche Sic unbeschädigt nach Algier bringen wird. Ich bin beauf­tragt, Sie über Len Zweck Ihrer Reise dahin aufzuklären. An jenem Abend, wo Sie den Kaiser sprachen, hatte derselbe einen Brief von seiner königlichen Schwester in Neapel cm« pfangen, in welchem sie ihm meldete, daß der k. k. General v. Ayrenhoff, Ihr früherer Oberst, auf der Fahrt von Genua

nach Neapel von algierischen Seeräubern angegriffen und sein Schiff nach kurzem verzweifelten Widerstand geentert, so wie die ganze Besatzung gefangen nach Algier abgeführt worden sei. Der Kaiser, dem Sie von besonderer Seite empfohlen sein müssen, hat sie ausersehen, die Auslieferung des Gene­rals. von Seite des Dey zu erlangen. Zu diesem Behufe wird Ihnen durch diese Schrift ein unbeschränkter Credit bei dem Genueser Maz'zucatv eröffnet, welcher in den Barbares- ken die Geschäfte eines kaiserlichen Consular-Agenten versieht. Das klebrige wird Ihrer Umftdjf und Ihrer Entschlossenheit überlassen. Sollte aus irgend einem Grunde Ihnen die Be­freiung des Generals Ayrenhoff nicht möglich sein, so erhält ten Sie die Weisung, sich nach Constantiuopel zu verfügen; : Baron Herbert hat deyur. den. Auftrag, bei der Pforte einzu- schreiten, und ihre Mission ist zu Ende!

Nach einer langweiligen Fahrt über das mittelländische Meer kam ich im Algier an. Es würde mich zu weit führen, wollte ich alle Schritte anführen, die ich zur Befreiung des würdigen Generals gethan, der uns Allen noch heute als ! ein begabter dramatischer Schriftsteller in Erinnerung ist.' i Meine Versuche blieben fruchtlos. Vergebens ließ ich meine : Genueser Doppien um das Ohr des Defterdar's klingen, ver­gebens nahm ich zu wiederholten Malen Audienz beim Dey.

1 Letzterer versicherte mich mit so ehrlicher Miene, als irgend i ein Dey an zu nehmen im Stande ist, kein General des großen Deutschen Sultans sei in die Hände der Seinigen gefallen. Ein einziges Schiff sei vor ein paar Monaten in den Ge­wässern von Neapel gekapert worden und er habe Veranstal­tungen getroffen, daß alle auf demselben Gefangenen mir vor­gestellt würden. Ich solle mir darunter einen beliebigen Mann auswählen, den er ohne Lösegeld frei gäbe, um Zeug­niß seiner Hochachtung gegen den Sultan Jussuf zu geben.

Es blieb mir also nichts übrig, als auf weiten Umwegen eine Gelegenheit nach Constantiuopel aufzusuchen. Ueber Tu­nis, Egypten, Syrien und Smyrna gelangte ich dahin. Ba­ron Herbert erzählte mir, es habe sich ergeben, daß die Nach- , richt von Ayrenhoff's Gefangenschaft eine falsche gewesen sei.

Nicht sein, sondern ein anderes, ein paar Tage früher von