Lebte und nie den Duft der Blumen suchte, ist kein Mensch, sondern ein Esel."
** Der Briefkasten spielt in den Englischen Unterhaltungs- Blättern eine wichtige Figur. In demselben beantwortet der Redacteur alle möglichen Anfragen seiner Abonnenten, die ihn als ihren öffentlichen Vertrauten betrachteu, welcher ihnen in allen Vorkommenheiten des Lebens Rath ertheilen soll. Auf diese Weise schürzt sich ein Band fester Anhänglichkeit der Abonnenten an den Redacteur, welches nicht mit jedem Quartale, sondern oft nur mit dem Tobe der Zeitschrift zerreißt. Der Redacteur des „Family Friend" empfängt, wie er selbst sich dessen rühmt, täglich durchschnittlich 150 Briefe, die bloße Classification dieser Briefe nimmt zwei bis drei Stunden hinweg. Der Eine wünscht des Redacteurs Meinung über eine neue Bekanntschaft, der Andere die Lösung eines mathematischen Problems. Die Einen fragen an, wie man schlank, die Anderen, wie man dick und stark wird. Kurz, der Redacteur einer Wochenschrift soll nicht allein der Lehrmeister, sondern auch der Winkel-Aboo- cat, der Haus-Doctor, ja, womöglich der Spiritus familiaris jedes seiner Tausende von Abonnenten sein, und die sogenannten „bescheidenen Anfragen", welche ab und zu gegen Jnserti- onskosten in den Berliner Zeitungen spuken, bilden zugleich mit den entsprechenden Antworten einen stehenden Artikel in den Englischen Wochenblättern.
** Lord Marwell versicherte bei einer Londoner Assecuranzgc- sellschaft seine Möbel; die Police schloß mit der einfachen Formel , daß die Gesellschaft die angeführten Gegenstände, welche durch Feuer zu Grunde gingen, dem Lord Maxwell bezahlen Würde. Der edle Lord weist nun nach “ daß unter den versicherten Gegenständen 6 Kisten Havanna - Cigarren und 50 Flaschen Jamaica - Rhum sich befanden: die Cigarren habe er gerancht, den Rhum zu Punsch verbraucht, mithin seien beide Gegenstände durch Feuer vernichtet worden ; die Gesellschaft müsse ihm vertragsmäßig den Werth ersetzen, und zwar 5 Guineen für jede Kiste Cigarren und 1 Guinee für jede Flasche Rhum, was zusammmen 80 Guineen ausmache. Die Assecuranzgesell- schaft erklärte sich sofort bereit dazu, zahlte die Summe aus, verklagte aber den edlen Lord ,als ■— Brandstifter. Der Prozeß ist noch anhängig.
** Ein seltenes Jubiläum ist am 19. in Warmbrunn gefeiert worden, ein Bade-Jubiläum. Ein Justiz-Rath aus Glogau war nämlich die letzten 24 Jahre hintereinander regelmäßig erschienen, war von dem Allen wohlbekannten Badediener Dippold bedient worden und hatte 24 Bade - Saisons hindurch in dem nach ihm „Stadt Glogau" genannten Gasthause gewohnt, so daß er nun bald seine silberne Hochzeit mit der Heilnire von Warmbrunn feiern konnte. Als er daher am 19. wieder in Warmbrunn eintraf, um das fünfte Sustrum zu vollenden, ward er mit einer kurzen Anrede von dem Director empfangen und in das mit Kränzen reich geschmückte kleine Bassin geführt. Der Ueberraschte kleidete sich mit dem festlich verzierten Bademantel und war kaum in das Wasser hinabgestiegen , als ein silberner Kranz ihm aufs Haupt gesetzt und ihm von der Musik ein Ständchen gebracht wurde.
** Ein tragisches Ereigniß beschäftigt jetzt Paris. Eine junge sssanische Gräfin durch eine Convenienzheirath von ihrem Geliebten getrennt, wurde plötzlich 'Wittwe. Ihr Gemahl war auf einer wissenschaftlichen Ercurflon in das Innere von sAftica mit
sechs seiner Gefährten getödtet worden. Zahlreiche Verehrer umschwärmten Die junge Wtttwe. Keiner wurde erhört, sie stand im Begriff, sich mit dem Gegenstand ihrer ersten Neigung zu vermählen. Der Tag der Trauung- war schon bestimmt, als ein Zeitungsblatt die Nachricht von der wunderbaren Errettung des Grafen N* brachte. An demselben Tage fand man die beiden Liebenden in dem Zimmer eines Vorstabthauses erschossen. Sie hatten sich wechselseitig den Tod gegeben! auf eine — falsche Nachricht hin, die ein eifersüchtiger Nebenbuhler verbreitet hatte. (Nachträglich erfährt man, daß Don Manuel* seiner Wunde nicht erlegen ist und als Mörder der Gräfin Adriana vor Gericht gestellt wer- $ n wird.)
** Eine interessante literarische Neuigkeit ist angezeigt: Ma- caulay's Reden 7 in zwei Bänden. Es ist eine Sammlung von beinahe 100, größtentheils parlamentarischen Vorträgen, und über die wichtigsten Zeitfragen der letzten 25 Jahre. Hoffentlich wird die Firma Tauchnitz in Leipzig, die sich durch ihre schönen und billigen Ausgaben englischer Bücker, und pvar „Copyright edilions“, um das deutsche Publicum verdient gemacht hat, nicht zögern, dieselben ihren Lesern baldigst mitzu- theilen.
** Die ganz eigener Art construirte Kette, welche die Verbindung der diesseitigen Telegrapheulinie durch die Tiefe deS Rheines mit der jenseitigen bewerkstelligen soll, liegt einstweilen im städtischen Lagerhaus? am Rhein zu Worms. Sobald es der Wasserstand erlaubt, soll sie versenkt werden.
* Der Moniteur erwähnt noch nichts von den NeuigLejW, welche der Caradoc am 27. nach Marseille gebracht hat. Man erwartet dort den „Chaptal» und durch diesen die Bestätigung der Friedensnachrichten. — Das Urtheil des Cassationshofes in der Cassationsangelcgenheit ist erst am ?0. Juli in der „Gazette des Tribunaur" erschienen. Die Angelegenheit kommt jetzt vor den kaiserlichen Gerichtshof in R o u e n. — London , 30. Juli Cons. 98%.
Die Droschken - Revolution in London ist zu Ende. Ein wenig haben sie, ein wenig die Regierung nachgegeben, und am 30. Morgens sind sie wieder auf ihren Posten erschienen: — Am 30. Juli hat der Bundesrath »für das Jahr 1854 zum Bundespräsidenten Herr Frei-Herose, zum Vice-Präsidenten den Obersten Ochsenbein gewählt.
Das Gerücht taucht wieder auf, daß Rußland von Persien für seine Forderung von 80 Millionen Rubel die Abtretung der Provinz Tauris begehre und Aussicht habe, sein Begehren ungeachtet der Bemühungen des türkischen Gesandten in Persien erfüllt zu sehen.
Nach einem Schreiben aus Malta vom 21. Juli war dort ein Dampfschiff des Bey von Tunis angekommen. Dasselbe kündigte die bevorstehende Ankunft von 5 Schiffen an, die sich nach Constantinopel zur Verstärkung der türkischen Flotte begeben sollten. — Der aus Pegu entflohene Räuberhäuptling Mia Tun soll sich nach dem eigentlichen Birma begeben haben und dort von dem Monarchen zum Oberbefeslshaber des Heeres ernannt worden sein.
Nach der „Troppauer Zeitung" wird noch im Laufe dieses Jahres der Vau der Troppauer Flügelbahn beginnen.
ÄeranworlUlyer Redacteur : Dr. Soc^ek.
Druck und Erpeditio» von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden.
