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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

ar. 112

Samstag den 14. Mai

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Der Viereckig oder die americanLsche Kiste.

Eine Erzählung von Berthold Auerbach.

(Fortsetzung.)

Schon im ersten Jahre seines Soldatenlebens erfuhr Xa» vcri den Tod seines Baters. Er nahm Urlaub auf zwei Tage, ordnete mit seinem Bruder Alles und ließ sich bereit finden, gegen eine Summe, die sich nahezu auf tausend Gul­den belief, dem Bruder, wie es- der Vater bestimmt hatte, das väterliche Erbe zu überlassen. Bald hörte er, daß sein Bruder sich verheirathe und seine einzige Schwester mit dem Vetter von des Lenzbauern Philipp verlobt sei. Das Sol­datenleben schien aber Laven so zu gefallen, daß er nicht ein­mal zu den Hochzeiten seiner Geschwister kam, und besonders glücklich war er, als die Signalisten zu einer Musikbande ge­ordnet und eingetheilt wurden, die nun bei Aus- und Ein­märschen hellauf blies.

Laven hatte seine sechs Jahre ausgedient, ohne die Gar­nison zu verlassen; er war Willens, als Einsteher cinzutreten, da kam gerade um dieselbe Zeit das Gesetz der allgemeinen Wehrpflichtigkeit, welches das Einsteherwesen aufhob, und La- veri kehrte in's Dorf zurück. Er lebte bei seiner Mutter, die ein mäßiges Leibgeding von Trudpert bezog und in der un­tern Stnbe des väterlichen Hauses wohnte. Er konnte sich nicht dazu bringen, bei seinem Bruder in freiwilligen Dienst zu treten und schien dem Rathe seines Vetters, des Schult­heißen, zu folgen, der ihn ermahnte, sich nach einem rechten „Anstand", d. h. nach einer »ermöglichen Heirath umzuthun. Unterdessen aber lebte er in den Tag hinein, und wie von selbst war er wiederum die meiste Zeit in dem Hause des Pflugwirths. Der Schackle, der sich zum Feldbau untauglich erwiesen, war auswärts in der Lehre bei einem Kaufmann, aber fast noch schöner als ehemals die Lisabeth war jetzt die zweite Tochter des Pflugwirths, Agathe, geworden; freilich war sie nicht so beredtsam und die Leute sagten sogar, sie sei dumm wie Bohnenstroh; aber Laven hatte das nie gefunden, sie wußte auf jede Frage gehörig Rede und Antwort zu ge­

ben; von selbst sprach sie allerdings nicht. Laven hatte ein­mal seinen Kopf darauf gesetzt, eine Tochter des Pflugwirths zu haben; war es die Lisabeth nicht, so mußte es doch Aga­the sein.

Mit einem eigenthümlichen Gemisch von Empfindungen hörte und sah Laven, daß das Hauswesen der Lisabeth und des Lenzbauern Philipp in Deimerstetten, die bereits sechs Kinder hatten, in Verfall gerathen war, ja die Rede ging, wenn nicht der Pflugwirth nochmals nachgeholfen hätte, wären sie bereits ganz zu Falle gekommen. Laven war nicht hart­herzig genug, um sich ob seiner Wahrnehmung zu freuen, aber auch nicht so sanftmüthig, daß er nicht eine gewisse Ge­nugthuung darin empfand. Die ältere Schwester sollte einst die jüngere beneiden und der Pflugwirth hatte nicht Unrecht gethan, da er ihm Lisabeth versagte, er war damals noch zu jung und unerfahren, aber jetzt hatte er etwas von der Welt gesehen und konnte es dem Dorfe beweisen. Das waren die Gedanken Laveri's.

Der Pflugwirth verstand cS wiederum, ihn als Knecht ohne Lohn im Hause zu haben und zum Essen und Schlafen ging Laven zu seiner Mutter. Die Leute schimpften darob gewaltig und waren an Trudpert, daß er das nicht dulde; aber dieser konnte sich nicht dazu bringen, scharf gegen seinen Bruder zu sein. Die alte Liebe und Anhänglichkeit aus der Kinderzeit lebte noch in ihm und er hatte darob manchen Zank mit seiner Frau auszustchen.

Der Pflugwirth hatte sein Auswanderungsgeschäft noch viel nachhaltiger betrieben, er hatte sich ein eigenes Gefährte angeschafft und beförderte oft ganze Trupps mit demselben nach Strasburg. Dabei bediente er sich des Laven als Kutscher und Postillon, denn durch Renkingen und durch alle Dörfer, die man bis nach Offenburg an die Eisenbahn be­rührte, blies Laveri lustig auf seinem Waldhorn, das er ins Dorf mitgebracht hatte. Länger als ein Jahr war Laven so der unbelohnte Knecht des Pflugwirths zum Aergcr aller Dorf­bewohner, die auch die Mutter verhetzen wollten, aber diese war wie Trudpert dem Laven mit unerschütterlicher Liebe zugethan. Da starb das Zuckermânnle, und war kaum eS