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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgeuieineil Zeitung.

vr. I0(>. Samttag den 7. LNai /»&».

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Ein Pastcllbilv auS her Zeit der Rcifröckc.

(Schluß.)

„Aber, Lisette," fiel die Marquise ein, „ich glaube nicht, daß der Graf so entsetzliche Fehler auch nur im Keime sehen ließ."

„Im Keime gewiß nicht, gnädige Frau, denn abgesehen davon, daß er allen Mädchen und Weibern nachlief."

„Der Graf, Lisette?"

„Ja wohl; wenn ich erzählen wollte!" . . Abgesehen da­von war er ein Spieler, trieb sich spät in der Nacht in Wirthshäusern umher, war eifersüchtig wie ein Spießbürger.." z^Zch kann eS Dir zuschwörcu, Lisette," entgegnete die Marquise, „daß sch von allem dem nichts weiß oder daß ich cs wenigstens vergessen habe. Ich erinnere mich nur, daß er bisweilen etwas eigensinnig war . ."

„Etwas? Wie ein stockiges Maulthier."

„Gefühlvoll war er seiner Natur nach auch nicht," fuhr die Marquise fort

„So wenig wie ein Kieselstein."

„Aber, Lisette, was willst Du mit diesen Reden und An­klagen, selbst wenn sie begründet wären? Was kann daraus folgen, wenn Du mir auch beweisest, unwiderleglich beweisest, daß der Graf ein Scheusal war, wenn Tu mir überdies be­weisest — denn darauf kommt es Dir doch an — daß der Marquis in feinem kleinen Finger mehr Werth habe als der Graf vom Kopf bis zu den Füßen? Habe ich veranlaßt -was geschieht? Kann ich es hindern? Soll ich ganz ver­zweifeln, den Kopf verlieren? Geh, . . laß mich allein . . Ach," setzte sie hinzu als sie den Marquis langsam aus dem Nebenzimmer kommen sah, „Sie waren hier und hörten, was wir sprachen?"

i „Nein," antwortete der Marquis, „ich kam erst, als Sie die Stimme erhoben und habe nur ein Paar Worte ver­standen, die Sie wahrscheilüich sofort zurücknehmen, da ich da bin."

„Nein," entgegnete die Marquise in bewegtem sehr freund­

lichem Tone, während sie aufstand und allmälig zu dem Marquis trat, „nein, ich nehme nichts zurück. Ich habe große Schuld auf mich geladen, bin aber auch hart dafür bestraft. Ich habe mein Spiel mit Ihrer Liebe getrieben, .. das war schlecht, aber . . ich spielte auch mit dem was ich empfand . . Verzeihen Sie mir; ich bin ein Kind, ein Kind, das man verzogen und verwöhnt hat. Ich kann es Ihnen schwören, Marquis, daß ich die besten Absichten dabei hatte. . Es war mir so wenig gelungen, mir die Liebe des Grafen zu erwerben, dem ich mein Herz offen entgegentrug, daß ich glücklicher zu sein hoffte, wenn ich bei Ihueu den entgegengesetzten Weg einschlüge. Wenn Sie wüßten, wie schwer mir diese Rolle geworden ist, wie sehr überdrüßig ich ihrer oft war! Gar häufig, diesen Morgen noch, als Sie mir so vieles Schöne sagten, fühlte ich den Drang in mir, Ihnen um den Hals zu fallen, aber.. ich wagte es nicht, ich fürchtete Ihre Liebe zu verscheuchen, wenn ich die meinige zu offen zeigte. Und dann hält man doch auf seine Ehre! Wenn man es auch einsieht, daß man Unrecht gethan hat, wird es doch schwer, es zu gestehen. Sie selbst, Marquis, läugneu Sie es nicht, verdienen auch Vorwürfe. . Es war für Sie so leicht, mir mein Geheimniß zu entlocken, ... ich wartete stets darauf; aber Sie verloren den Muth zu bald. Sie fiud zu sanft, zu weich, Marquis; das ist Ihr Fehler.. Die Frau fühlt gar gern gelegentlich, daß sie — Sclavin ist. Was soll ich noch sagen? Ich habe meine Rolle schlecht gespielt oder eine schlechte Rolle gespielt, gut; ist das ein Grund mich ohne ein Wort des Bedauerns und des Mitleides zu verlassen wie Sie es thun?. . Marquis, ist das Geschehene nicht abzuwen­den," fragte sie mit gefallenen Händen. „Ich bereue, ich be­reue aufrichtig. Ach Golt, entführen Sie mich, entfliegen Sie mit mir, ich beschwöre Sie, wohin Sie wollen, — nach Ame­rica, in die Urwälder, zu den Wilden. . Ueberall Hin folge ich Ihnen und preise mich glücklich, überall hin und stets will ich Ihnen dafür dankbar sein, daß Sie mich der Tyrannei ei­nes verhaßten Mannes entzogen, der meiner nicht würdig ist, der mich in seinem Leben tausendfach gepeinigt hat, und der blos darum von den Todten wieder aufsteht, nm mich zu