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5er Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

;r. 78. Montag den L. April isss.

Ein Knopf Lin X^mijdbenM.

Von Karl Gutzkow.

(SchlußZ

Der halbe Louisdor fuhr fort:

Der Brief lautete: Mein Herr! Ich kann mich durch wis- nschaftliche' Studien nicht empfehlen, aber durch manche Kelterfahrung. In bin zu früh von dem Glauben geblendet eweseu, die Welt wäre ein Baum mit lachenden, reifen Züchten, nach denen man nur den Muth haben müsse, zeitss èr emporzulangen, ehe uns Andere zuvorkommen. Ich tauschte lich bitter, unreif war jede Frucht, die das Leben mir bisher cboten. Ich verließ meine Aeltern nach unsäglichen Kämpfen lit einem gutmüthigen, aber schwachen Vater und einer Stief- mtter. Ich wurde behaudelt, ich glaubte es wenigstens, wie in im älterlichen Hause wohnender Fremdling. Ich verwil- erte. Mein Vater zwang mich zu einem Handwerk, das id) icht erlernen mochte. Ich entfloh. Ich wollte zu Schiffe. ;ch schrieb von einer Seestadt um Unterstützung und erhielt on meinen Aeltern nicht nur kein Geld, sondern Worte des Achs statt Reisejegen. Als Schiffslehrling ging ich mit ei- >em Kauffahrer nach Batavia. Ich machte Reisen drei Jahre ang und stieg auch leidlich, trotz empörender Behandlung. ;n den Antillen warf mich das gelbe Fieber nieder. Kaum stüescn ergriff es mich zum zweiten Male. Ich entging dem rode ,' wurde aber in meinen Kräften ein Schatten. Man rbarmte sich meiner, pflegte und unterstützte mich. Ich be­grün meine alten Kenntnisse zu nutzen; zum Seedienste konnte ch nicht zurückkehren. Ich gewann aber so viel, daß ich die I der Krankheit ganz namenlos gewordene Sehnsucht der ^ückkehr zur Heimathserde befriedigen konnte. Ich schiffte |p ein, vervollkommnete unterwegs mein wenig Spanisch, We mich weiter tut Holländischen, Englischen, welche beiden Sprachen ich ziemlich fertig spreche und kehre nun, erst ein- Wdzwanzig Jahre alt, aber schon recht unglücklich, in meine Seimath zurück. Der letzte Pfennig meiner Baarschaft ist । Wehrt. Noch kämpft ein innerer Stolz mit den Stimmen .

Herzens, die mich wieder zu meinem alten Vater zurück­

rufen wollen. Soll ich ihm die Hartherzigkeiten, die ich er-' duldete, vergeben? Soll id) zu ihm eilen und an seine Liebe mich wenden? Kaum bin ich angekommen, so find' ich vor­läufig die Aufforderung zu einem Dienste als Secrctär bei einem vornehmen Herrn. Ich schreibe, da der Name nicht gc^ nannt ward, an einen Unbekannten. Wollen Sie mir Ihren Schutz gewähren? Wollen Sie meinen Erfahrungen trauen? Wollen Sie die Wahrheit aller meiner Bekenntnisfe prüfen und sich an die mir ungünstige Quelle wenden? Getrost neun' ich Ihnen den Namen meines Vaters, der mich verur- theilen wird. Es ist der alte Küster an der Kirche zur Hei­ligen Dreifaltigkeit : Marcus. Sie finden ihn am sichersten jeden Sonntag, wenn der Gottesdienst---

Weiter kam aber auch die Mittheilung der Goldmünze nicht. . . .

Meister Marcus war erwacht. .... Die Orgel summte.... Die Sacristei belebten Menschenstimmen. Der Herr Pastor kam von der Kanzeltreppe herab, die gerade in die Sacristei führte. Er wischte sich nach angestrengter Predigt die heiße Stirn. Der Segen des Klingelbeutels wurde flüchtig durch­laufen; der halbe Louisdor richtig wieder für einen Dreier genommen.

Draußen klopfte die Spezereikrämerin, die ihr Geschäft des Geldwechsels so ehrlich und in seiner frommen Bestim­mung so brav trieb, daß der Heiland ihren Disconto nicht würde vom Tempel verjagt haben, Sie konnte diese Pfen­nige, Dreier und Sechser in die kleine Handelswelt schicken und nahm wenig Procent. Wie ehrlich sie war, ersah man schon aus dem Wunder, das sie über die von ihr sogleich entdeckte Goldmünze ausricf.

Ein Irrthum gewiß! sagte der Pfarrer, der zwar hin­länglich rechtgläubig war, um Vornehme bei sich zu sehen, aber -darum doch noch nie einen halben Louisdor im Klingel­beutel gefunden hatte. Ein Irrthum , wie dieser Knopf auch wohl kein Betrug gewesen ist, Alterchen, sagte er zu Marcus, als dieser und die Spetzereihändlerin ob dieses empörenden Knopfes wetterten. Er kommt gewiß von einem Furchtsamen, der die gewohnte Spendung der Andächtigen an sich nich