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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

r. 75.

Mittwoch den 30. März

7853.

Vas große mrd das kleine Loos.

Ein Lebensbils, von Ferdinand Kürnberger.

iFortsetzuna.)

„Was ging hier vor/ fragte Bernold, als er die Aufregung incs Freundes und die gestörte Ordnung des Zimmers sah. .lemens erzählte ihm das Abenteuer. „ Welches Schicksal lag da an mir vorübergegangen sein!" rief er aufathmend us der Schwüle dieses Erlebnisses. „Wie romantisch dgS eine Sinne gleich anspricht," entgegnete ihm der Besonnene. Wir leben in einer Handelsstadt, das vergiß nicht. Der mge Mensch ist ohne Zweifel ein Comptoirist, der aus der .ässe seines Principals depensirt hatte und nun auf Rath Mn. Ei, dachte er, da draußen logirt einer, der Geld zum enster hinauswirft; du brauchst ihm nur ein wenig ent- egen zu kommen durch's Fenster hinein." Bernold trat an's lenster. „Wahrhaftig; die ausspalirte Esche ist dem Unter; ehmen günstig. Geschmeidig klettert sich's da heraus in fei; -en, gebildeten Lackstiefeletten; man setzt ein Brecheisen aus er Londoner Schule in diesen Falz — errathen ! wie Figura ,eigt; die Sache macht sich. Wie viel hat sich der junge perr ausgebeten? Laß einmal sehen!" — „Da ist nichts nehr zu sehen. Es waren nur von den Silberrollen. Mag r glücklich sein damit!" — „Was! du ließest ihm den staub? Nun, das muß ich rühmen; ich erfreue mich gentiler Bekanntschaften! Nur so fort! Es muß ja kein Holstein'- ches Landgut sein. Ein Schnittlauchbeet in Sachsenhau- eu ist auch eine schöne Gegend! Wie weit bist du her- mter? wenn's erlaubt ist." — „Ich habe noch bei 70,000 Salben," antwortet Clemens nicht ohne Verlegenheit. — /Roch immer? Mich wundert's fast. Was doch die Ab- ährung eine langsame Krankheit ist!" — „Und- wenn du

decente bedenkst, die gleich bei der Auszahlung von Staats > und Rechtswegen genommen werden; erst zwölf, dann wieder fünf" — „Ach ja, dann hast du geknickt! Eine wahre Schmachtriemenwirthschaft, ich weiß! — Uebrigens läßt ' ^ Restchen noch verwenden. Und wenn deine zahlrei­chen Schuldner nicht sämmtlich so leichtsinnig find, wie ihr

Gläubiger, so läßt sich noch immer weiter denken. Aber ein männlicher Entschluß wird dir endlich zur dringenden Pflicht. Was mich betrifft, ich reise nächste Woche nach Hause. Willst du mit? Willst du dir das schöne Weideland in Süder-Dih- Marschen ansehen, wovon wir neulich gesprochen? Wenn wir eilen, so entreißen wir's noch der Bande noire, die auch unsere geschlossenen Marsch - Güter zu zertrümmern anfängt. Was sagst du?" — „Freilich will ich mit, ohne Frage. Ich bin einer plattdeutschen Existenz zwar nicht recht grün , aber ein wackerer Stamm sind sie doch, diese Friesen und Angelsachsen. Der Südländer kann seine sentimentale Haut schon abstreifen ihnen zu liebe. Verlaß dich darauf, ich packe mit dir." „Und bis dahin," lächelte Bernold, „willst du ein guter Wirth sein?" — „Ja! ja! ich versprcch' es." — „Willst du dich jeglicher Scheere entziehen, die sich an dein Restchen Wolle macht?" — „Die Hand darauf? Keiner der vom Weibe geboren ist, soll Macbeth schwach finden." — „Wohlan, dann gratulire dir selbst. Schlaf wohl, mit diesem Vorsatz!" Bernold ging. Aber kaum war Clemens allein, so kehrten seine Geister sofort zu der Scene des Einbruchs wieder zu­rück. Er hatte das Licht schon gelöscht, er war zu Bette ge­gangen, aber das Bild des jungen Mannes wollte nicht von ihm weichen. Er zerbrach sich den Kopf über alle poetischen Möglichkeiten seines Schicksals. Endlich zerhieb er den Kno­ten und dachte: „das sind sentimentale Hirngespinnste, weich­liche Näschereien einer verwöhnten Seele. Bernold hat sehr Rech. Ueberlaß dich diesem Freunde , kein Mensch meinte redlicher." Es war ihm schon längst aufgefallen, daß er allein unter allen Frennden und Fremden nie den leisesten Anspruch an sein Glücksgut gemacht hatte. Er bedurfte zwar, so viel er wußte, von Haus aus nichts, aber wer überredet sich nicht, zu bedürfen, wo die Gelegenheit zu er­halten so nahe liegt. — Clemens erkannte den Werth eines Charakters, der eben so streng gegen sich, als gegen Andere ist und mit dem besten Vorsatze, ihm zu folgen, entschlief er.

Endlich erschien der Tag der Abreise. Alle Angelegen­heiten waren geordnet, Freunde des Andenkens versichert, Schuldner einer möglichsten Nachsicht getröstet, und was die