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Belletristisches Beiblatt 311t Nassauischen Allgeinetnen Zeitung.
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Dienstag den 22. März
fS53.
Line Geliebte Äarls des Lmeiteu
Nach dem Französischen, von H.
(Schluß.)
„Milord," erwiderte John, „ich hätte nie gewagt von früherem aus eine solche Stellung Anspruch zu machen, und ch fürchte sogar, ich besitze nicht die nöthige Fähigkeit, um sie jut anszufüllen"
„Ihr seid ein Mann von Fähigkeit," unterbrach ihn der Margnie Pembrock, „und das Amt wird dem Maune zwar lischt die Fähigkeiten, aber die Gewandtheit geben, die ihm ivtbwcndig noch fehlen müssen. Nehmt Ihr also an, Herr Föhn?"
„Ich nehme eS an, Milord, und zwar mit dem lebendigsten Dank."
„Wie Nelly sagte, bevor Ihr kamt, Herr Graham, streiten wir das Wort Dankbarkeit aus dem Wörterbuch der Kute, die ein Herz besitzen. Ich verlange für diesen kleinen Dienst nichts als Eure Freundschaft für mich und meine Freunde Rochester und Wallers, die ich hiermit vorstelle."
„Statt einer Gunst, Milord, gewähret Ihr mir vier, meine Herren," setzte John hinzu, indem er die Hände, welche ihm die jungen Herren entgegenbielten, faßte, „unsere Freundschaft knüpft sich unter den günstigsten Borbedeutnn- gen. ..... im Schooße der Künste, der Liebe und der Fa- milieufreuden."
„Meine Freunde," begann hier Nelly Guyn, „es sind nun zwei Stunden, daß wir hier die Wunder der Kunst und die Wunder des Herzens bewundern und wir müssen an die Mückkehr denken. Ihr wisset, daß heute Probe zu Convent- garden ist, und ich muß meinen Genossen das Beispiel der Pünktlichkeit geben. Ucbrigens wiederholt man auch ein Stück von Dryden und wir Alle sind hier an dem Erfolge detheiligt."
„Ganz gewiß, Nelly," riefen die Lords.
„Aber ehe wir weggehen, machen wir unsere Rechnung!" begann die Schauspielerin wieder. „Also, Herr Thomas Osby, behaltet es wohl, Ihr habt zwölf Gemälde zu fertigen: Vier
für den Marquis Pembrock, vier für den Grafen Rochester, und vier für den Ritter Wallers; für mich ein Gemälde, das die Scene darstellt, wobei wir Zeugen waren, und endlich mein Portrait."
„Ja, Madame," erwiderte Thomas Osby, „ich habe es nicht vergessen. Wann wollt Ihr anfangen für Euer Portrait mir zu sitzen, Madame?"
„Sobald Ihr in das Logis eingezogen seid, das ich Euch in der Palmstraße einrichten ließ," entgegnete die Schauspielerin, „denn, mein lieber Apelles, ich habe zu viel Achtung für die Kunst und ich schätze die Künstler zu sehr, um sie zu nöthigen, wie die Haarkünstler mit ihrem ganzen Apparat zu mir zu kommen. Ich gehe selbst, um meinem Maler zu sitzen, und ich schätze mich sehr geehrt, Ihre Unterhaltung zu genießen und gelegentlich Ihre Pinsel aufzubeben."
„Madame," warf Dryden ein, „Ihr denkt und handelt wie Franz I. und Carl V., die ebenso thaten."
„Es ist mir ein Vergnügen, meine Gedanken mit großen Männern auszutanschcn, mein lieber Dryden," antwortete die Schauspielerin, „und ich danke Euch für die Anführung und schmeichelhafte Zusammenstellung, die Ihr machtet."
Dann in die Mitte der Familie Osby tretend, die sich erhoben hatte, nm die Schauspielerin und ihre Freunde ehrfurchtsvoll zurückzugeleiten, ließ Nelly Guyn John Graham näher treten und sagte zu ihm:
„Herr John, meine Freunde und ich haben Euere» edlen Gesinnungen, Euerem geraden Charakter und Euerem ausgezeichneten Herzen unseren Beifall gegeben. Mein edler Lord Pembrock bewies Euch so eben die Theilnahme und Freundschaft, die Ihr ihm einflößtet. Er kam mir zuvor mit einer wohlwollenden Handlung, die ebenso die Familie des ehren- werthen und ausgezeichneten Thomas Osby als Euch trifft. Aber wenn Pembrock einen glücklichen Anfang machte, so bin ich im Stande einige Strahlen jener Sonne des häuslichen Glücks beizufügen, die nun über Euch anfgeht. .Herr Graham, indem Ihr Euch um die Hand der armen und unbe- kanuten Sarah bewarbt, habt Ihr bewiesen, daß die öfter ; verkommenden unwürdigen Berechnungen des Geizes nicht in
