Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

----- ■ME>g»?C— I ----

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgememm Zeitung.

Jii'<|46.

Mittwoch den 23 ^bruor

FASS«

Alte Geschichte»

Erzählungen eines alten Fiedlers.

(Fartsetzung.)

„Hcrr — Heiland!" schrie Hans plötzlich und ließ die Fockschoote fabreu, daß das Segel scharf hinüberschlug und wir unS derb auf die Seite legten; „Herr — Heiland! wo ist der Peter? Der ist gar nicht mit zu Boot gegangen, er ist am Land geblieben, er traute dem Ding von Kanonenboot nicht. O das ist pure Natur! — Steffen , den können wir nicht dort lassen! Die Hunde schlagen ihn todt! Halt ab, Steffen, ^aU. ab ! Flink, flink! Was das Zeug halten will, zurück!" Da ich ihm Recht geben mußte, that ich seinen Willen; er setzte den Fock wieder auf und wir schossen hin wie der Wind selbst, der fix genug aus Südost kam und ein halber für uns war. So legten wir denn nach wenig Mi­nuten ivieder an, und während Hans über Bord sprang und durch das seichte Wasser dem Lande zuwatete, ließ ich die Schoeten fahren, wendete das Boot für die Rückfahrt und machte alles klar. Darauf folgte ich ihm, denn vom Kano­nenboote war nichts zu besorgen. Sie konnten ja nicht an das unsere kommen, und bis ihr eigenes kleines Ding wie­der heran war, mußwn wir von unserer Expedition lange zn- rück sein.

Da hörte ich den Hans am Lande anfschreien — nein, es war ein Brüllen wie das eines wilden Thiers, so furcht­bar schallte und dröhnte es herüber, und einen Satz machte rr, schier zehn Fuß weit, und bückte sich und hob mit beiden Händen den Peter hoch empor, der über und über voll Blut war. Und da ich in ein paar Sprüngen au seiner Seite war, sah ich wohl, wie die millioncnverflnchten Höllenhunde der armen Creatur den Schwanz abgehanen hatten, dicht am Leibe, so daß das Blut nur so daraus hervorströmte. Die Katze miaute und jammerte, vom Bord herüber scholl cs wie Gelächter, der Haus schrie und brüllte und fluchte und heulte abwechselnd „ kurz„ es war sürchterlich. Und mit einemmale fing er an r „Peter, mein kleiner Peter, mein armes altes Thier, dass ich dich vergessen konnte, werd' ich mir nie ver­

geben; daß die Unmenschen aber dich arme Creatur so be­handelten —!" Die Thränen schossen ihm aus den Augen. „Aber," brüllte er wieder und schüttelte die Faust gegen das Boot und gegen das Land; „aber, nun gnade euch Gott! Ich will in den untersten Pfuhl verdammt sein, wenn ich das nicht räche, daß eure wildesten Herzen zittern!" — „Hans," sprach ich und konnte kaum vor Wehmuth und Grimm, denn solch eine Bosheit gegen eine arme unschuldige Creatur bringt mich noch immer außer mir selbst. „Hans, komm! Klag's dem Osficier, er muß strafen. Behalte du Recht bis zuletzt!" Und er antwortete finster: „Ja, sagen will ich's ihm wohl — aber — nun, ich weiß auch schon!" Und damit eilten wir den Weg entlang.

Als wir in's Dorf liefen, kam uns ein Kanonier entgegen geraunt; er triefte von Wasser, war wohl an's Land geschwom­men, um zu rapportiren; und da er uns sah mit der Katze, grinste die Bestie über das ganze Gesicht. Ich sah's, wie der Hans leichenblaß ward und schrie: „Laß' ihn mir, Hans, mir laß ihn!" — „Hoho!" brüllte er und warf mir das Thier zu, daß sich mir an der Jacke festkrallte, und schoß auf den Hund, den Soldaten, zu und rannte ihn um und packte ihn und schleifte ihn mit sich, als sei es ein kleines, kleines Kind.

„Hans"! schrie ich wieder in Angst, er möchte ihn todt- fchlagen, denn in solchen Momenten ist ein Ruck so viel wie sonst der härteste Schlag, und der Grimm mißt und rechnet nicht. Aber „Heida"! lachte er wild, „das ist der Satan, Steffen, aber ich thu' ihm nichts ! O, ich thu' ihm gar nichts"! Und so ging es vorwärts auf den Hof, zur Thür, wo eben der Lieutenant bei der Eva stand, im Hut und mit dem De­gen und er hatte die Hand zu ihrem Gesichte erhoben und sie stieß ihn dermaßen zurück, daß er taumelte. Das fuhr wie ein Bliß, alles wie eine Handlung an unserm Auge vor­über, da standen wir bereits vor ihnen. Hans ließ den sinn­losen Kanonier fallen, wie ein Stück Holz, und trat vor den andern hin, die Faust erhoben, das Auge blitzend und sprü­hend, das Haar gesträubt. Und wer uns so sah, so erhitzt, so grimmig, so mit Blut über und über bedeckt und den leb-