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Der Wanderer.

Beiblatt ;u

Allgcmcmcu Mong.

ir. 22. Mittwoch den 26. Januar /s.sa.

Safandar.

Eine tran Skaukasische Erzählung.

Ksch dem Russischen deS Dschegitoff von Fritz d. Fr.

(Schluß.)

5.

Unter dem Schatten des Laubdaches der Muchrowaner -Mche saß des Marketenders Weib, die unglückliche Tassa ui schaute hinab in das von der Sonnengluth verbrannte P der Iora. Ein tiefer Seufzer stahl sich von Zeit zu [tit aus ihrer Brust, Thränen glänzten in ihren schönen Au- a und mit Wehmuth betrachtete sie den an ihrer Brust lie- ân, schlafenden Säugling, als wollte sie sagen: in Dir, ües Kind, ruht alle meine Freude, meine Hoffnung; Du cht mir Ersatz gewähren für das, was ich entbehre und Me. — Tassa war in diesem Augenblick das schönste Mo- tö zu einer Mutter Gottes mit dem Jesuskinde.

Ferner Hufschlag weckte sie aus ihren Träumereien; sie tonte Kikole, der heransprengte, sich aus dem Sattel schwang, !i§ Pferd an einen Pfeiler des Hauses band und seiner Frau, nlche das schlummernde Knäblein schnell in die Wiege legte, lit finsterem Blick und den Worten entgegentrat: „Nun, Du Äges Geschöpf, hast wohl nichts Besseres zu thun, als mit teer Pnppe zu tändeln und mid) darüber zu vernachlässi- jkii? — Gib was zu essen her; mich hungert, — bin über W im Gebirge gewesen beim Andreas Tschatschu Schwila, Äe ihn aber nicht zu Hause getroffen, sondern nur sein &ib. — Das ist auch so eine schlechte Kreatur, wie Du. cpeist mich mit einer halben Tunke Wein und trockenem touret ab. Möchte sie in der Hölle brennen.... Nun, «d's bald .... willst Du mir wohl was zum Essen her- ihaffen?"

„Gleich, im Angenblick!" sagte die furchtsame Taffa. „Doch M>' nur, Mann, was Du an Deiner Tschucha für Flecken sch.... ach, und auch der Griff Deines Dolches ist ja mit tot bedeckt.... Was hat das zu bedeuten? .... läge ein Mord auf Deiner Seele?"

„Schweig', elendes Weib; was hast Du danach zu fragen,

was ich thue und treibe? Bekümmere Dich lieber um die grünröckigen Grenadiere, mit welchen Du in so guter Freuud- schaft zu leben scheinst."

„Warum wirfst Du mir bei jeder Gelegenheit den Um­gang mit den Soldaten vor, die ich ja doch in Deiner Ab­wesenheit bedienen muß? Womit verdiene ich solch' harte Be­handlung? — Ach Kikole, Du kannst nichts, als mich mar­tern und wirst mich gewiß bald unter die Erde bringen," erwiderte Tassa und brach in einen Strom von Thränen aus.

„Cs wäre besser, Du lägst bereits in ihr," fuhr sie der Marketender an und versetzte der armen Frau mehrere Hiebe mit der Peitsche.

Schreiend floh Tassa vor dem Barbaren von Mann und suchte Schutz bei der russischen Garnison. Kikole ließ sie ruhig laufen, ging in's Innere des Hauses und wechselte hier seine Kleider. Dann nahm er seinen Dolch vor und suchte die blutigen Rostflecken zu entfernen, mit denen Klinge und Griff bedeckt waren. Es verging wohl eine halbe Stunde, ehe Al­les wieder blank war; endlich hatte er alle Spuren seiner Missethat weggeschliffen, es konnte kein Zeuge mehr gegen ihn auftreten.

Schmunzelnd betrachtete Kikole den funkelnden Stahl, focht mit ihm einigemal durch die Luft und stellte ihn, nach­dem er dessen Schneide noch mit Fett eingeschmiert hatte, auf die Erde gegen die Sonne. Damit er nicht umfalle, bohrte er den Griff in den sRasen, und stützte ihn noch außer­dem mit einem Brettchen, so daß die Klinge schräg in die Höhe stand.

„So", sagte er, nachdem er geendigt hatte, „nun will ich denjenigen sehen, der gegen mich auftreten und mich des Mords anklagen kann."

Trügerische Sicherheit! Nicht der Kläger, wohl aber der Rächer stand bereits hinter dem Frevler, und im Rathe des Ewigen war es längst entschieden, welcher Strafe Kikole, für so viele Missethat verfallen sollte.

Das braune Karabagcr Hengstfüllen, welches bisher immer i ein Muster von Lenksamkeit und Gehorsam gewesen war, fing I auf einmal an, unruhig zu werden. Der Schaum lief ihm