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öffnete das Fenster. — „Jakob", sprach eine Stimme, die ihm bekannt schm, „mach auf, ich bin's, der Hannjost, des Syndiks Sohn; aber sey still, daß es niemand merkt."

Der alte Knecht öffnete, und zerlumpt, naß und fast baar. fuß hinkte Hannjost herein. Die Uniform hing ihm in Fetzen am Leibe und den Arm trug er in einer Binde. — „Wie geht's meinen Eltern? was macht Lene?" fragte er. — „Eure Mutter ist wohlauf und auch Lene — aber Euer Va­ter ruht schon lange im Grabe." — Da sank der Arme auf die Bank und weinte laut.

Die Mutter hörte die Unruhe unten. Sie stand auf, machte Licht und kam herab.' — Wie erschrack sie, als sie den Fremden sah! aber welche Seligkeit durchströmte daS Mutter­herz, als es der geliebte Sohn war! Schnell wurden Klei­der geholt, Kaffee gekocht, und erst jetzt sah sie seinen Arm. Er war verwundet worden bei Hanau und noch war der Stich einer Lanze nicht ordentlich verbunden. Die Wunde sah übel aus. Was die pflegende Liebe konnte, geschah, aber noch vor Tag holte der Knecht den Chirurgus aus der Stadt, der ein verschwiegener Mann war.

Morgens kam, wie sie pflegte Lene. Am strahlenden Ant­litz der Mutter sah sie, daß etwas Erfreuliches vorgefallen war. Sie sah sie forschend an.

„Komm", sagte jene und führte sic hinauf. Der Chirur­gus hatte eben den Arm untersucht und verbunden. Lene warf sich weinend übey den Geliebten. — „Kannst du dem Reuigen vergeben"? fragte er sie. „Ich habe schwer dafür büßen müssen"! setzte er hinzu, — Sie aber verbarg ihr An­gesicht an seiner Brust und ihr Mund brauchte nicht zu ant­worten.

Morgens kam Lene, strahlend vor Freude, zu Ammi, die allein bei ihrem Kinde saß. Diese sah die Freundin einen Augenblick forschend an, dann rief sie: „Er ist da! gelt, er ist ba" ? Und Lene nickte mit seligem Antlitz. — „Aber schweig, um Gotteswillen"! sagte sie. „Wir halten ihn verborgen. Denk dir, er ist verwundet"!

Zwei Monate kaum war er verborgen, da kamen die Deutschen unter der Führung Blüchers, und die Rheinlande waren frei. Des genesenen Hannjost's erster Gang war zu Stoffel und Ammi. — „Meinst du, ich hätte es nicht ge­wußt"? fragte Stoffel seine triumphirende Frau. „Da hätte ich ja doch blind sein müssen. Dir les' ich jeden Gedanken auf der Stirn"!

Bald vereinte der Pfarrer das glückliche Paar und Lene sagte nicht nein.

(AuS dem Morgrnblatt.)

O Die Fabel.

Von Friedr. Wilh. Schellenberg in Nauheim.

(Schluß.)

Nunmehr zwei prosaische Fabeldichter, die sich von andern darin unterscheiden, daß sie nicht als Uebersetzer, sondern als Erfinder das Reich der Fabeln haben erweitern wollen. Der erste ist Georg Philipp Harsdoerfer, ein Rathsherr zu Nürn ­berg, und Mitglied der Hochlöbl. fruchtbringenden Gesellschaft, der bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts gelebt hat. Er hat außer seinem Frauenzimmer-Gesprächsprele und verschiede­nen Schriften, geistliche und weltliche Lehrgedichte, unter dem Titel, Nathan und Jotham, 1650 zu Nürnberg in 8. bcraus- gegeben. Diese Lehrgedichte, „welche' er zu sinnreicher Aus­bildung der wahren Gottseligkeit, wie auch aller löblichen Sitten und Tugenden verfertigt," bestehen in geistlichen und eben so viel weltlichen Erzählungen. Wenn man diese Lehr­gedichte kurz charakterisiern will: so darf man nur den Na­men darüber setzen, den Harsdörfer in der fruchtbringenden Gesellschaft geführt hat. Er hieß der Spielende; und diesen Namen hat er in seinen Lehrgedichten vollkommen behauptet. Sie laufen meistens auf eine frostige Anspielung oder ge­zwungene Allegorie, und nicht selten auf ein Wortspiel hin­aus. Doch würde man ihm zu viel thun, wenn man gl«u- ben wollte, daß unter 300 Erfindungen nicht auch etliche gute wären. Ich will weder eine schlechte noch eine etwas bessere hcrsetzen, um Niemanden die Zeit zu besserer Anwendung zu entziehen.

Der andere von den Fabeldichtern aus dem 17. Jahrhun­dert ist Justus Gottf. Rabener, ein gelehrter Mann, der als Rector der Fürstenschule zu Meissen 1699 gestorben ist. Seine Fabeln, die unter dem Titel, Nützliche Lehrgedichte, 1691 zu Dresden in 8. herausgekommen, sind zu der Ab­sicht, in welcher er sic für die Jugend aufgesetzt hat, sehr dienlich gewesen. Er scheint den Fußtapfen Harsdörfer's manchmal gefolgt zu sein, indessen ist es ihm weit besser ge­glückt, als jenem. Seine 100 Fabeln zeigen von einer frucht­baren Erfindungskraft. Und wenn dieser wackere Mann nicht in dem schematischen Weltalter gelebt hätte, wo man recht tapfer allegorisireu mußte, wenn man witzig sein wollte; wenn er sich Joh. Valentin Andreae latent. Apologen nicht zu Mustern genommen hätte, welche zu Straßburg unter dem Titel, Mythologia Christiana, 1619 herausgekommen, und nichts weniger, als gute Fabeln oder Erzählungen sind: so würden seine Erfindungen nebst seiner Schreibart weit größere Vorzüge haben. Seine Fabeln verdienten es, daß man sie von den Fehlern ihrer Zeit reinigte, und sie auf eine ge­ringere Anzahl setzte. Etliche Blätter voller äsopischen Witzes, den ein kurzer und munterer Vortrag belebt, stiften bei der