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Der Wanderer.

Allgemeinen Zeitung

Montag den M. Januar

/S.5Ä.

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Line Geschichte aus dem Hunsrücker Hochlande.

(Fortsetzung.)

Das Brautkleid zog Nimm an, aber sie nahm keinen Strauß in die Hand. Daß sie keinen Brautkranz tragen wollte, machte die Mädchen toll. „Du wirst dich wüstem Gerede aussetzenl" sagten sie, und ließen nicht ab, bis sie darin ihnen nachgab. Aus Rosmarin wurde er geflochten und auf dem glänzend braunen Haare befestigt. Und ob auch ihr Putz nun gegen alles Herkommen verstieß, die Mädchen betrachteten sic dennoch mit Wohlgefallen und meinten, eine elftere Braut sei doch seit Jahren nicht zur Trauung ge- ührt worden.

Drunten hatten sich indeß alle Räume gefüllt. Die Braut- nhrer, die Musicanten, der Bräutigam und seine Angehörige», alles war bereit. Die Burschen standen vor dem Hause in Reih und Glied. Sie hatten Wagenkctten als Bandeliere umgehängt und an jeder Kette hing, indem dieselbe durch ein in der Mitte gemachtes Loch gezogen war, ein ungeheueres rundes Brod , in dem ein Messer steckte. Jeder hatte einen milchigen Krug voll Branntwein in der Rechten, ein Glas in der Linken. Sie waren bestimmt, neben dem Hochzeitzuge herzutanzen, zu springen, zu gehen, je nach Belieben; denn je toller sie sich gebärden, je mehr sie das versammelte Volk zum Lachen reizen, desto größer ist ihr Triumpf. Da der Zug sehr langsam geht, so lassen sie die Armen, Alten, überhaupt jeden, der Lust hat, sich ein tüchtig Stück von ihrem Brode schneiden, je größer, je lieber, und gießen ihm einen Trunk dazu ein.

Jetzt erklang die Glocke, und begleitet von ihren Jung­frauen kam die Braut die Stiege herab. Sie war bleich wie eine Leiche und doch so schön, daß fast jedem Munde ein Ah! entschlüpfte. Man kam gar nicht dazu, die Abweichung von der Sitte wahrzunehmen, weil man sich nicht satt an ihr se­hen konnte. — Der Zug ordnete sich. Voraus schritten die beiden Väter und in ihrer Mitte der Bräutigam, dessen Blicke sich kaum von der reizenden Braut wegwenden konnten. Er

war dunkel gekleidet, an seiner linken Brust prangte ein un­geheurer Strauß von gemachten Blumen, Rauschgold, Ros­marin und Bändern. Sein Hut war mit Rosmarin ganz umwunden. — Hinter diesen Dreien, die ernst und gravitätisch den Zug eröffneten, kamen sechs Musikanten, welche einen Marsch aufspielten, der aber sehr langsam gehen mußte, da­mit der Zug sich nicht übereile. Diesen folgten die beiden Hauptbrautjungfern, deren eine einen Teller trug, auf dem ein langer Nosmarinzwcig, ein weißes, neues Schnupftuch und unter diesem ein glänzend neuer Thaler lag; dieß war alles für den Pfarrer bestimmt. Hinter diesen ging die Braut in Mitten der beiden Brautführer. Es folgte der Zug der Jünglinge, die aber bald ihre Stelle verließen, um Brod und Branntwein austheilen, denn es waren sicherlich alle Bewoh­ner des Dorfes versammelt. An ihrer Stelle schloß sich der Zug der Verwandten und Gäste an. Gesenkten Blickes schritt die schöne Braut dahin und auf kein Wort, welches ihr in Scherz und Ernst die Brautführer zuflüsterten, gab sie eine Antwort.

Die Schaaren des Volkes folgten dem Zuge. Als der Bräutigam die Schwelle der Kirche betrat, schwieg die Musik. Ein paar Dutzend Pistolen knallten und drinnen begann die Orgel zu spielen, bis der Zug in die Stühle getreten war

und das Volk die Kirche gefüllt hatte, ganzen Versammlung gesungen, das kirchlichen Gesangbuche.

Unter dem letzten Verse trat der

Nun begann, von der Hochzeitlied aus dem

Pfarrer an den Altar.

Die Orgel schwieg. — Der Bräutigam trat aus seinem Stuhle und schritt zu den Stufen des Altares hinan. Amini sollte heraustreten, aber sie wankte, sie war einer Ohnmacht nahe. Die Brautführer unterstützten sie und zum ersten Mal durchzuckte die Reue das Herz ihres Vaters, als er in das todtbleiche Gesicht seines Kindes blickte. Man wollte sie mit Branntwein waschen, aber sie stieß die Hände zurück. Sie hatte sich ermannt und festen Schrittes ging sie durch die Kirche und trat an des Bräutigams Seite.

Der Pfarrer begann die Vorlesung des kirchlichen For­mulars. Als er an die Stelle kam, wo er zu fragen hatte,