Der Wanderer.
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Beiblatt jur
Allgemeine Zeitung.
V^ 308.
Donnerstag den 30, December
F«-rK.
Eugen Stillfried.
Von F. W. Hackländer.
(Schluß.)
Der geneigte Leser wird nicht einen Augenblick darüber im Zweifel sein, was sich Wichtiges und Angenehmes in dem Schlosse nach der Abreise des Herrn von Steinbeck und des Justizrathes begeben, und er wird mir gewiß verzeihen, wenn ich ihm in diesem Schlußcapitel nicht mit allen Einzelheiten erzähle von dem Wiedersehen verschiedener Liebender.
Ein solches Wiedersehen nach Hinwegräumung so vieler Hindernisse ist etwas Köstliches; und das erfuhren auch Eu- gen und Katharine, Rosalie und der junge Bildhauer, um so mehr, als ihnen eine liebende Mutter zur Seite stand, welche zu dieser Verbindung ihren Segen gab und sie so dauernd machte.
Die alte Dame konnte sich nicht entschließen, ihre Kinder zu verlassen, und blieb mit ihnen zusammen auf Schloßfelden. Sie tröstete und beschützte alle Armen und Traurigen, welche sich an sie wandten, und die Worte des Dankes und der Freude, die sie auf diese Art täglich und stündlich vernahm, verjagten die finsteren Schatten, die das Andenken an frühere Tage in ihr Leben geworfen.
Aus dem Hause in der Residenz wurden Martha und Martin hierher beordert, und Erstere fühlte sich darüber recht glücklich; denn wenn sie auch keinen Neid kannte, so gab es ihr doch jedesmal einen Stich in's Herz, wenn sie auf der Straße der verheiratheten Nanette begegnete. — Der alte Jakob war schon mit seiner Herrin hierher gekommen und befreundete sich bald mit dem Verwalter.
Ueberhaupt hatte sich hier im Schlosse das Hauptguartier der Dienerschaft stark vermehrt; glücklicherweise war die Küche bedeutend größer, als die im Stillfried'schen Hause, und so war es denn für Martha möglich, neben ihren größeren Geschäften hier doch noch zahlreiche Audienzen zu ertheilen und ihre Getreuen um sich zu versammeln.
Durch die glücklichen Veränderungen, welche mit Herrn Eugen Stillfried, auch Herr Wellen genannt, vor sich gingen, sanden sich nur zwei Parteien nicht ganz zufrieden gestellt.
Die eine derselben bestand in der Person des Herrn Sidek, der so vernünftig war, einzusehen, daß sein inniges Zusammenleben mit Eugen jetzt sein Ende erreicht habe. Er beklagte dies hauptsächlich aus Einem Grunde, indem er nämlich behauptete, die Erziehung des jungen Menschen sei noch durchaus nicht vollendet, und wenn er auch Katharinen alles mögliche Gute zutraue, so habe sie doch, fürchte er, ni$t Festigkeit genug, um diesen hartnäckigen Charakter auf einem guten Pfade zu erhalten. — Wir können aber dem geneigten Leser versichern , daß der lustige Rath sich hierin geirrt. — Herr Sidel hatte jedoch zu lange mit seinem Freunde zusammen gelebt, und er fand es deshalb unerträglich, allein in der Welt zu stehen. Er bewarb sich daher in kurzer Zeit um die Hand der Wirthstochter Marie und zugleich um die erledigte Lehrerstelle im Dorfe; denn der alte Schulmeister hatte sich zurückgezogen. Ersteres wurde ihm von Frau Rosel nach einer kurzen Bedenkzeit bewilligt, das Andere von Eugen im Namen seiner Mutter, der aber dabei nicht unterlassen konnte, die armen Kinder des Dorfes zu bejammern, die von nun an eine schreckliche Erziehung genießen würden.
Die andere Partei, welche den Verlust des Herrn Wellen- Stillfried anfänglich sehr beklagte, war der Schauspiel-Director Herr Müller, und und um so mehr, da die Staatsräthin den Wunsch aussprach, die Truppe möge für dieses Mal ihre Vorstellungen beendigen und Schloßfelden verlassen. Das thaten sie deun auch, und wir können dem geneigten Leser versichern, daß sie gern von dannen zogen. Der Traum des Herrn Trommler: die überströmende Casse, ging durch Eugens und der alten Dame Freigebigkeit buchstäblich in Erfüllung, und der vortreffliche Trommler wurde nebenbei noch so gut bedacht, als hätte er an irgend einem großen Theater ein Benefiz gemacht.
Sie wandten sich nach Schmalzhausen, und Eugen, der sie abziehen sah, sandte ihnen einen ernsten, wir möchten sagen : wehmüthigen Blick nach. Er hatte dir guten Menschen lieb gewonnen, und der Gedanke, daß sie sein Andenken segnen würden, machte ihn glücklich.
Und doch nahmen dieSfröhlich davonzieheuden Schauspieler
