Der Wanderer.
DeiblaN ;ar UiilinmsdKn Allgemeinen
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Dienstag den 21. December
/S.S«.
Engen Stillfried.
Bon F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Im Hause der Staatsräthin wurden ähnliche Anstalten, wenn auch ganz anderer Art, gemacht. Martin, der Kutscher, befand sich in einer unsäglichen Aufregung. Erst gestern hatte ihn seine Herrin vor sich kommen lassen und ihm den Befehl gegeben, ihr Reise-Coupö in gehörigen Stand ju setzen, damit es am andern Morgen in aller Frühe mit Postpferden bespannt werden könne. Nun müssen wir aber der Ordnungsliebe des Kutschers das beste Zeugniß geben und zugestehen, daß sich der Wagen im solidesten Zustande befand. Doch wie die alten Diener sind: verletzt, daß man ihn nicht früher von dieser Reise in Kenntniß gesetzt, schwor er hoch und theuer, schon vor vierzehn Tagen hätte man sollen das Coupü zum Sattler schicken; er garantire nicht für eine Station und wenn seine Herrschaft alsdann mitten auf der Straße liegen bleibe, so sei seine Kutscherehre dahin, und er müsse sich ein Leides anthun.
Der alte Jacob hatte dazu gelächelt und ihm gesagt: Macht nur nicht so viele Geschichten! Seid vernünftig, Martin! Das ist nun einmal so schnell gekommen mit dieser Reise; Niemand hat's eher gewußt wie Ihr; ja, nicht einmal die Staatsräthin; das könnt Ihr mir glauben.
Diese Versicherung tröstete denn auch einiger Maßen den alten Kutscher; bald darauf hörte man die Remisenthür öffnen und das langsame Rollen eines Wagens im Hofe. Martin warf den Ueberzug herunter, untersuchte Achsen, Federn, Rie- menwerk, Laternen, und als er nach einer guten Stunde hiermit zu Stande gekommen war, versicherte er mit freudestrahlendem Gesichte, ihn solle der Teufel holen, aber er habe sich geirrt; das Coupe müsse auf der Landstraße Parade machen.
Martha, die Köchin, hatte sich seit der Hochzeit der Nanette noch nicht ganz wieder erholt. Sie war gewisser Maßen schwermüthig geworden, lachte selten oder gar nicht und wenn Re allein war, sang sie allerlei schreckliche und ergreifende Lieder, als:
Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten,
oder
Noch einmal, Robert, eh' wir scheiden,
Komm an Elisens klopfend Herz.
Namentlich das letztere liebte sie besonders, und Martin, dem diese musicalischen Produktionen, die man auch außer der Küche deutlich hören konnte, höchst langweilig vorkamen, hatte versichert, wenn das nicht aufhöre, so gehe er gar nicht mehr aus seinem Stalle.
Die plötzliche Reise der Staatsräthin hatte nun auch nicht zur Erheiterung der Köchin beigetragen, und dem erhaltenen Befehle gemäß packte sie mit wahrer Wehmuth allerlei Geflügel in ein kleines Reise-Neceffaire.
Die Staatsräthin war die Einzige, die sich, wenigstens im Aeußeren, wie immer völlig gleich blieb. Sie saß in ihrer Fensternische auf dem kleinen Fauteuil und batte, wie es schien, Papiere durchgesehen, hie und da ein Schreiben zerrißen, andere aber in ein Kästchen niedergelegt. Während dieser Beschäftigung hielt sie öfters inne, legte die Hände in den Schooß und blickte nachdenkend zum Fenster hinaus. Doch waren ihre Züge heiterer als sonst, ihr Auge blickte lebhaft umher, wenn sie aus solch' tiefen Gedanken zu ihrer Beschäftigung zurück kehrte. Zuweilen faltete sie auch ihre Hände, blickte wie dankend in die Höhe, und dann flog auch wohl etwas wie ein leichtes Frösteln über ihren Körper, so daß sie den Kops schüttelte und hastig aufstand, um ein paar Gänge durch das Zimmer zu machen. Als sie sich darauf ihrem Platze wieder näherte, hob sie eine Visitenkarte vom Boden auf, die sie vorhin herabgeworfen. Sie las den Namen auf derselben: „Doctor Wellen", und versank darüber in Träumereien, wobei sich aber ihr Gesicht zusehends erheiterte.
Katharine hatte in demselben Stockwerke ihre Zimmer, und da die Thüre zu einem derselben heute Morgen nur an- gelehnt war, so können wir uns schon erlauben, einen Blick hineinzuwerfen.
Es war Besuch bei ihr, aber für uns kein fremder: Madame Schoppelmann saß behaglich in der Ecke eines kleinen Sopha's, und Jungfer Clementine Strebeling kniete auf dem Boden vor einem großen Korbe, der voll Wäsche und Klei-
