Der Wanderer.
Beiblatt;m
AllMkiilcu Zeitung.
H>. 293. Dienstag den
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Eugen Stillfried.
Do» F. W. Hackländer.
(Fortseßung.)
Nach diesen Worten betrachtete der Beamte zum ersten Mal theilnchmeud und kopfschüttelnd die Jungfer Strebeling. Mir ist dergleichen noch nicht vorgekommen, sagte er nach eb ner Pause. Und glauben Sie denn wirklich, daß der Johannes Müller es gut mit Ihnen meint und Ihnen jene Briefe wirklich geschrieben hat?
Er ist ein braver Mann, darauf möchte ich schwören, entgegnete Clementine.
Den Teufel auch! rief die Gemüsehändlerin. Er hat mit der Schilder gcwirthschaftet. Die beiden haben Sie um ihr Geld gebracht und lachten Sie obendrein aus.
Das hat er nicht gethan I antwortete Clementine entrüstet. Er ist zu so etwas nicht fähig.
Aber wer ist es denn eigentlich? fragte der Beamte. Wo haben Sie ihn gesehen und gesprochen?
Das werde ich nie sagen! entgegnete bestimmt daö unglückliche Frauenzimmer; dazu kann man mich nicht zwingen. Und wenn ich Alles verloren habe, so ist das meine Schuld; — nun ja, so will ich dafür büßen.
Aber den Gerichten kann es nicht einerlei sein, ob er wegen dieses Berbrechens unbestraft bleibe, sagte der Policci- Eommissär, und ich muß dringend darauf bestehen, mir noch einige Fragen zu beantworten.---Sie haben Briefe von diesem Herrn erhalten; das ist nicht anders Möglich, und ich muß von Ihnen verlangen, das Sie mir diese Briefe ausliefern.
Clementine antwortete nicht mehr; sie war mit dem Kopf auf den Tisch gesunken und schien besinnungslos. Wenigstens nahm dies die erschreckte Gemüsehändlerin an; denn sie holte Eg eine Flasche mit starkem Kräuteressig, hob den Kopf der armen Person etwas in die Höhe, welche wirklich mit geschlossenen Angen da lag, und begann denselben mit einem angefeuchteten Lappen zn reiben.
In diesem Augenblicke traten Frau Klingler und Frau Laasen in das Gemach. Letztere, die Demüthige, blieb er-
IX December ^« rs
schrecken an der Thür stehen, als sie die Polizei in diesem Hause erblickte. Frau Klingler aber trat einen Schritt näher, stemmte die Arme in die Seite und blickte den Polizei-Com- missär ziemlich herausfordernd an.
Um Gottes willen! was gibt's denn da? sagte sie mit etwas gereiztem Tone. Was ist denn der Jungfer Strebeling widerfahren ?
Seht Ihr denn nicht, entgegnete Madame Schoppelmann, indem sie den Polizei-Commissär bedeutungsvoll und nicht eben sehr freundlich ansah, daß ihr unwohl geworden ist? 's ist aber auch kein Wunder, wenn man mit den Leuten so hart umgeht!
Hart umgeht? sagte die Klingler mit gellender Stimme; und die Claasen, als treues Echo, setzte hinzu: In der That, hart umgeht?
Der Polizei-Commissär mochte einsehen, daß sein Terrain durch die Dazwischenkunft der beiden anderen Weiber bedeutend schwierig geworden war und daß cs unmöglich sei, mit diesen drei Zungen fertig zu werden; Clementinen als ohnmächtig gar nicht zu rechnen.
Sie sehen, Herr Polizei-Commissär, sagte Madame Schop- pelmann, nachdem Clementine trotz des heftigen Reibens mit dem Kräuteressig noch kein Auge aufschlug, Sie sehen, daß hier vor der Hand nichts mehr zu fragen ist. Fortlaufen thut Keines von uns, und wenn Sie uns vielleicht nächstens wieder einmal die Ehre schenken wollten, wäre es uns weit angenehmer. Sollten Sie aber vorziehen, fuhr sie nach einem tiefen Athemzuge fort, uns auf das Polizeiamt kommen zu lassen, so habe ich auch nichts dagegen und werde selbst kommen und die Jungfer Strebeling mitbringen und einen Advo- caten dazu.
Meine liebe Frau, sagte ruhig der Beamte, Sie ereifern Sich wahrhaftig ganz unnöthig; Sie müssen nicht vergessen, daß ich nur aus Schonung für jenes Frauenzimmer hierher ins Haus kam, um die Fragen, welche mir nothwendig schienen, an sie zu richten. Freilich hat sich nun durch diese kleine Untersuchungfsetwas ergeben, wonach ich weiter zu forschen mich für verpflichtet halte. Doch da ich sehe, daß sich Jungfer
