Der Wanderer
Dnblatt zur Nassaoischm Allgemeinen Ming.
fr. 291.
Donnerstag den 9. December
e«r»
Eugen Stillfried.
Bon F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Der Eintritt Catharinens in das Stillfried'sche Haus war vielleicht von Niemand mit aufrichtiger und größerer Freude begrüßt worden, als von der sämmtlichen Dienerschaft dessel- ben. Man hatte in dem gewöhnlichen Hauptquartier, in der Küche, anfänglich einen langen Kriegsrath darüber gehalten, welche Stellung das junge Mädchen einnehmen solle und müsse. Martha hatte gerathen, sich ihr vertraulich zu nähern; doch war dieser Vorschlag von Jakob mit gebührender Entrüstung zurück gewiesen worden.
Glaubt mir, hatte er gesagt, die ist zu was ganz Anderem hieher berufen worden, als der Frau Staatsräthin vorzulesen oder sich um die Wirthschaft zu bekümmern. — Zu Letzterem brauchen wir Niemanden, hatte er lächelnd hinzu- gefügt, ist nicht die Martha da?
Das hatte die Köchin schmunzelnd zugestanden.
Die Jungfer Catharine, sagte der alte Diener des Hauses, ist hieher gekommen, nun — einfach als künftige.Schwiegertochter. Glaube mir, darüber sind Mutter und Tochter vollkommen einig; und wenn er noch nichts davon weiß, so ist bas um so besser.
Jakob's Ansicht drang wie gewöhnlich durch; und da auch in wenig Tagen das offene, und freundliche Wesen des jungen. Mädchens die Herzen sämmtlicher Dienerschaft erobert hatte, so dauerte es nicht lange, und Catharine konnte als unumschränkte Gebieterin über das ganze Haus betrachtet werden.
In Betreff der Madame Schoppelmann hatte eS der alte umsichtige Jakob unpassend gefunden, wenn dieselbe in ihrer krüheren Eigenschaft, als Lieferantin für die Küche uämlich, bas Haus ferner besuche. Dieses Geschäft hatte Frau Klingler übernehmen müssen. Anfänglich hatte sich die dicke Ge- Uiüsehändlcriu gewaltig gesträubt, doch wurde sie überstimmt, «gab sich in ihr Schicksal und kam^nur zuweilen, fein und lauber ungezogen, um ihrer Tochter einen Besuch zu machen, bei welchen Gelegenheiten sie von dem alten taetvollen Jakob
aufs ehrerbietigste an der Hausthür empfangen und die Treppe hinauf begleitet wurde, ohne daß er sich dabei erlaubt hätte, eineu der früheren Späße mit der langjährigen Bekannten zu machen.
Madame Schoppelmann hatte zuerst darüber gelächelt und auch wohl gesagt, wenn sie schwer athmend auf der halben Treppe stehen blieb: Jakob, Er ist ein alter Narr! worauf ihr dieser erwiederte : Alles hat seinen Unterschied; wenn Ihr Uns in der Küche besucht, oder wir zu Euch kommen, da sind wir die früheren guten Bekannten; wenn es aber dem gnädigen Fräulein gilt, so wird die Sache anders gehalten. Das verstehe ich besser.
Unterdessen hatte sich auch die Geschichte mit dem Stubenmädchen Nanette auf die für das strenge Herz der Köchin allerbefriedigendste Art entwickelt. Der Schloßbediente hatte förmlich um die Hand derselben angehalten, und zwar bei Martha selbst, welche sich herbeigelassen, Mutterstelle bei dem naseweisen Mädchen zu vertreten. Er war gekommen in seiner besten Livree: roth mit Gold und mächtigen Achselschnüren, hatte frisch gewaschene, weiße, banmwollcnene Handschuhe an, und trug in der Hand den schwarzlackirten Hut. Die Köchin, selbst im besten Putze, hatte ihn im Zimmer neben der Küche empfangen, hatte ihm nach seiner Verbeugung einen ungeheuer tiefen Knix gemacht und alsdann sehr ernsthaft seinen zierlich gesetzten Worten gelauscht.
Die ganze Brautwerbung war denn auch zur besten Zufriedenheit aller Theile vorübergegangen; am Schlnsse derselben wurde Nanette herbeigerufen, ihr der Antrag des Schloßbedienten wiederholt, und schon im Voraus von Martha aufs beste instruirt, hatte sie sich drei Tage Bedenkzeit ausgebeten, — ein Verlangen, das die stellvertretende Köchin vollkommen gerechtfertigt fand.
Diese hatte sich auch bei dem ganzen Acte so feierlich und würdevoll benommen, daß, als der Hofbediente weggegangen war und sich die Stillfried'sche Dienerschaft wieder in der Küche versammelt hatte, Martin, der Kutscher, hoch und theuer versicherte, da könne man sagen, was man wolle, er glaube es doch nicht, und er sei der festen Ueberzeugung, und würde
