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Der Wanderer.

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Kelletristisches Deiblatt ;ur Nassallischen Allgemeinen Leitung.

^. 283.

Donnerstag den 2. December

im

Eugen Stiltfried

Seu F. W. Hacklâ«»t«.

(Fortsetzung.)

Eugen nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben die Wirthin. Die wilde Rose, sagte er alsdann nach einer klei­nen Weile, liegt aber doch vortrefflich, und wenn droben in dem Schlosse die Herrschaft ist, so muß doch zuweilen ein Besuch kommen, der Ihnen auch etwas Gutes einbringt.

Wenn die Herrschaft droben ist? sagte die Frau und zuckte mit den Achseln. Die alte war seit langen Jahren nicht da, und die jetzige scheint's auch nicht besser machen zu wollen.

Gehört denn das Schloß nicht mehr dem Grafen D-?

ES ist vor einem Jahre verkauft worden.

An eine Herrschaft im Württembergischen , entgegnete die Wirthin. Aber wie sie heißt, weiß ich wahrhaftig nicht. Es hat sich noch Niemand von ihnen sehen lassen. Eine Ge- richtSperson hat den Kauf besorgt; weiter wissen wir nichts. Aber für die Gebäulichkeiten und Alles ist es gut, daß das Schloß in andere Hände kam, denn jetzt wird etwas darauf verwendet. Sie werden gesehen haben, in welch schönem Stande Alles da droben ist.

Allerdings habe ich das gesehen, entgegnete Eugen; ich ließ mir Alles zeigen; nur Eines wundert mich: warum ver­kaufte die frühere Herrschaft das Schloß, da sie doch noch vor "n paar Jahren in der Capelle desselben so ein schönes Monument setzen ließ?

Wer weiß, was so reichen Leuten oft durch den Sinn tâhrt! antwortete Frau Rosel. Aber das Monument wäre bald die Ursache geworden, daß der Gutsverkauf wieder rück- Aâugig wurde; denn die frühere Herrschaft wollte die Marmor- Dguren wegführen lassen, was aber der neue Käufer — eigentlich der Verwalter droben — unter keiner ^Bedingung jugeben wollte.

Lag denn beiden Theilen so viel an den marmornen Fi­guren? fragte Eugen.

So scheint es. Sie stehen auf dem Grabmal einer Ge­mahlin des früheren.. Besitzers.

Aber was konnte dem jetzigen daran liegen?

Das ist eine eigene Geschichte, sagte Frau Rosel und schlug die Arme übereinander. Eigentlich eine dumme Ge­schichte; mich hat sie schon oft genug geärgert. — Aber Sie waren ja selbst droben, fuhr sie fort und blickte ihren Gast an; Marie hat es mir gesagt. .Sie haben ja zufällig di« beiden Mädchen daneben gesehen; ist Ihnen dabei nichts auf» gefallen?

Richtig! sagte Eugen nach einer absichtlichen Pause det Nachdenkens und einer erkünstelten Ueberraschung; das ist wahr, Frau Rosel, jetzt fällt mir's ein. Das sind ja die Portraits der beiden Mädchen. Wie man auch so was nicht gleich merkt! — Und das ist doch absichtlich geschehen?

Natürlich absichtlich! Hier im Hause hat der Bildhauer gewohnt, der das Ding droben gemacht hat. Es war ein braver junger Mann! sagte die Frau mit einem Seufzer; hier, wo ich jetzt sitze, hat er oft gesessen.

Ei, ei, Frau Rosel! sagte lächelnd Eugen. Das Por­trait der Marie hat er auch gemacht; da hat er wohl Ihr Schwiegersohn werden wollen, nicht wahr?

Ach, gehen Sie mir weg mit Ihren Posten! sagte dir Frau so ernst, als es ihrem freundlichen Gesichte möglich war. Wenn das der Fall gewesen wäre, so hätte ich bei Gott Amen dazu gesagt; denn wenn ich auch im Ganzen all das Künstlervolk — nehmt mir's nicht übel —, mögen es nun Muficanten oder Schauspieler, oder Maler oder Steinhauer sein, nicht besonders leiden kann, so weiß ich doch Ausnahmen zu machen. Und der Professor, das war eine solide Ausnahme. Aber der hat nie an meine Mari« gedacht.

Und an wen dachte er denn?

Nun, an die Andere, an die Rosalie. Ach, das war Ihnen eine Liebe! So was Schönes und Jammervolles will ich nicht mehr erleben.

Sie machen mich neugierig, Frau Rosel, antwortete Eugen. Also der Bildhauer liebte die Tochter des Verwalters?

Die Rosalie allerdings, und sie liebte ihn auch, und das haben sie sich tausend Mal gesagt; die Marie wußte Aller.