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Der Wanderer.

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Dellelristisches Deiblatt ;ur Nassamschea AllgcmeiM Zeitung.

»r. 276. * Montag -en 22. November /ss».

Sagen Stillfried.

Bei F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Abgemacht! sagte leise der Jäger und winkte abermals seinem Bruder, still zu schweigen; denn im Nebenzimmer hörte man wieder ein Geräusch, das aber dieses Mal nicht von der Katze herkommen konnte, denn es war ein schwerer Fußtritt, und zugleich ließ sich ein lautes Räuspern hören.

Madame Schoppelmann hatte sich in ihre Speisekammer begeben, die — wie wir wissen — neben dem Gemach ihrer Söhne gelegen war. Sie holte eine uns wohlbekannte große Flasche Liqueur von einem der Bretter herab, nahm zwei Gläschen dazu und ging nun zurück, wo sie hergekommen war, nämlich in ihre Vorhalle, wo sich Frau Claasen und Frau Klingler befanden, die gekommen waren, um der Frau wegen des ihrer Tochter Katharine wiederfahrencn großen Glückes bestens zu gratulircn.

Die demüthige Frau Claasen stand unter der Thür; sie hatte einen Zipfel der Schürze mit beiden Händen gefaßt und schien noch nicht im Reinen mit sich darüber zu sein, ob es nicht bei dieser Veranlassung passend wäre, einige Freuden- thränen fallen zu lassen.

Frau Klingler dagegen stand stolz aufgerichtet neben dem Tische; sie hatte ihre beiden Arme keck in die Seiten ge­stemmt und schaute unverwandt auf die Frau Claasen, um deren Benehmen — mochte cs nun sein, wie es wolle, mochte die Aermste vor Freuden lachen oder weinen — ta­deln zu können.

Damit trat die dicke Gemüsehändlerin in die Vorhalle, setzte die Flasche mit den beiden Gläsern auf den Tisch, schenkte die letztern voll und lud die beiden Weiber ein, sich i» bedienen.

Beim Anblick des Schnappses hielt sich Frau Claasen nun nicht mehr länger; selbst auf die Gefahr hin, der Frau Klingler zu mißfallen, führte sie den Schürzenzipfel an ihre Augen, flennte etwas Weniges und sagte mit schluchzender Stimme: Aber das ist so schön, so schön, ach, so schön!

Frau Klingler hatte jetzt erreicht, was sie wollte. Sie schaute mit einem Blicke unbeschreiblicher Verachtung auf die

Collegin. Das muß immer weinen! sagte sie mit erkünstelter Entrüstung; ist denn das eine Gelegenheit, um traurige Ge­sichter zu schneiden?

Lass' Sie cs gut sein, Klingler, meinte die dicke Gemüse­händlerin. Es sind Freudenthränen, und die kann man einem schwachen Weibsbild, wie die Claasen ist, schon verzeihen. Ihr seid freilich anderer Natur; Euch hat vielleicht noch Nie­mand weinen sehen.

Gewiß noch Niemand, meinte die demüthige Frau Claasen.

Meint Ihr das wirklich, Frau Schoppelmann? sagte big Klingler, indem sie ihr Glas erhob; und auch Ihr, Claasen, glaubt so? Da seid Ihr beide auf dem Holzwege; wo eS wirklich was Schmerzhaftes gibt, da kann auch ich weinen. — Ja, ich versichere Euch, wenn ich nur an jene Geschichte denke mit dem Officier, da gab's Thränen, na — was für Thränen !

Wir glauben ei Euch gewiß, wir glauben es! sagte lä­chelnd Frau Schoppelmann. Nun trinkt Euer Elas aus. Ich habe heute Morgen meine Katharine gesehen; sie ist recht zu­frieden, und die Staatsräthin auch, wie es scheint. Gott, der Gerechte! ich habe all das Leid reiu vergessen.

Ja, das kann man auch bei einer solchen Veranlassung, meinte die Klingler; wenn man nur bedenkt, was alles da­hinter steckt.

Ja, was alles dahinter steckt, wiederholte Frau Claasen, indem sie lächelnd ihr Haupt hin und her wiegte.

Nun, was wird dahinter stecken? entgegnete die Klingler halb lächelnd und halb mit einem ernsten Blick und blinzelte- der Frau Schoppelmann zu; sagt es mir, Frau Claasen, wenn Ihr eS wißtk

Nun, eine Hochzeit wird dahinter stecken, sagte das demü­thige Weib und schlug ihre Hände zusammen, eine wirkliche und wahrhaftige Hochzeit.

Dem wußte die Andere durch nichts zu widersprechen; sie winkte also herablassend mit der Hand. ES ist gut Frau Claasen, Ihr könnt Recht haben; ich glaube auch, daß eine schöne und glänzende Hochzeit daraus wird.

Das gebe Gott! sagte die Gemüsehändlerin und faltete ihre Hände. Nein, wie mich das Glück angreift, davon habt