Der Wanderer.
Beiblatt M
Allgemeinen Mang.
Vr. SLS.
Freitag den 2fK Vctober
/«ss
Engen Stillfried.
von F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Ja, ja, es hat mich überrascht, sagte Iakob bedächtig, in- dem er abermals eine Prise nahm; wir halten das Mädchen so, wie man sagen will, in unsere Familie ausgenommen, in unseren Kreis, wo Eins für das Andere lebt, wo man sich hilft, wo man keine Geheimnisse vor einander hat.
Ja, das ist wahr! jammerte Martha.
Und da sich uns nun das junge Mädel zu entfremden sucht durch diese Liebschaft, so kann man wohl sagen, daß sie dadurch unserer Gemeinschaft treulos geworden ist.
Gewiß! jammerte die Köchin; und das hatte ich von die- scm Kinde in meinem ganzen Leben nicht gedacht. Nein, es ist unverantwortlich, ganz ausgesucht abscheulich!
Tagen wir lieber: es ist der Lauf der Welt, entgegnete Jakob; man sollte eigentlich niemals auf eine von Euch Vertrauen setzen: wenn der rechte Wind kommt, segelt Ihr doch aus dein ruhigsten Hafen in die offene See hinaus. — Aber, Freund Martin — wandte er sich an diesen —, habt Ihr das Mädchen nachher nicht gehörig ausgefragt, was sie für Hoffnungen und Erwartungen von diesem Hofbcdienten hat?
Ja, das habe ich freilich gethan und habe ihr auch bemerklich gemacht, daß wir hier unter uns solche Liebschaften uicht gebrauchen können. — Und was meint Ihr wohl, daß fa mir darauf zur Antwort gab? — Sie bebaute recht sehr, ^ Haus verlassen zu müssen, aber sie wolle noch den nächsten Herbst heirathen.
Heirathen? sagte empört die Köchin; so ein unreifes, naseweises Ding!
Ja, hört nur weiter, was sie noch mehr sagte: Mit der Madigen Frau habe sie schon vor acht Tagen darüber gesproßen, und die sei vollkommen damit einverstanden. —Hinter unietem Rücken mit der gnädigen Frau zu verhandeln!
Das ist allerdings stark! meinte auch Jakob.
Und sich verheirathen zu wollen! lachte krampfhaft die Wu; ich wohne mit der Nanett' nicht mehr in Einem Jimmer; eine Person, die mit dem Gedanken umgeht, näch- heirathen zu wollen. . .
Wird Ihr deßhalb doch nicht gefährlich werden, Jungfer Martha meinte Jakob lächelnd; so eine Brautschaft steckt nicht an, darüber kann Sie Sich beruhigen.
Hier wurde die Unterredung durch einen starken Zug der Klingel aus dem Zimmer der Staatsräthin unterbrochen. Jacob eilte die Treppe hinauf, und als er nach einigen Minuten wieder herunter kam, blieb er nachdenklich an der Küchenthüre stehen, stemmte seine beiden Arme in die Seiten und schüttelte bedeutsam mit dem Kopfe.
Nun, was gibt's? fragte Martin, der erstaunt diesem außerordentlichen Benehmen zusah.
Auch die Köchin, welche eben im Begriffe war, den end- lich fertig gewordenen Hasen in dte Bratpfanne zu legen, hielt dieses unglückliche Schlachtopfer an den beiden Hinterläufen in die Höhe und blickte ebenfalls mit Verwunderung auf Jacob.
Dieser schüttelte mehrmals seinen Kopf, nahm außeror» deutlich bedächtig eine Prise und sagte: Das ist doch wirklich sonderbar!
Auf diese Ausrufung hin gelangte der Hase noch nicht in die Bratpfanne, vielmehr wurde er wieder auf den Küchentisch placirt, und Martha trat dem alten Kammerdiener etwas näher und fragte: Was ist denn so sonderbar, Meister Jacob?
Wirklich merkwürdig! sagte dieser. Nun rathet jemmal : was hat mir die gnädige Frau für einen Auftrag ertheilt?
Vielleicht daß die Nanett' plötzlich aus dem Hause soll? meinte freundlich lächelnd die Köchin.
Jacob schüttelte abermals mit dem Kopfe und sagte: DaS ist es nichts aber es kam mir sehr unerwartet.
Nun, so sagt's gerade heraus, Jacob! meinte der Kutscher. Wie können wir eigentlich errathen, was Euch die gnädige Frau sür einen Auftrag ertheilt hat! Betrifft es vielleicht Einen von nns? mich zum Beispiel?
Oder mich? meinte eifrig die Köchin.
Euch könnt' es schon mitbetreffen, sagte pfiffig lächelnd der alte Bediente.
Gerechter Gott! 'S ist doch nichts Schlimmes? rief Martha auf diese Worte.
