Der Warsderer.
W. S^N.
AMatt jur llapais^tn AUgememe« Musg.
Freitag den 22, Getoder
ZSS5.
Bas verlassene Haus.
Erzählung von Ev. H öfcr.
(Schluß,)
Der Förster rang auch mit den Gespenstern der cutschwuu- tmen Zeiten. Der Abend war schon lange gekommen, das Dunkel lag überall und färbte mit gleicher Eintönigkeit Bnsch, Wald und See. Der Wind hatte sich stärker erhoben und seine Fittige rauschten durch die alten Stämme, die Wolken drängten sich langsam und gewaltig über den ganzen Himmel. Da stand der Alte auf und machte sich eben so schweigsam, wie er gekommen, auf den Heimweg. Der Hund umtanzte ihn in lustigen Sprüngen. Der alte Förster war wohl in tiefem Sinnen und merkte nicht viel von der Außenwelt, und dennoch übte diese Außenwelt ihren tiefen, besänftigenden Einguß auf ihn, ohne daß er sich dessen bewußt wurde. Gehe Abends einmal durch den grünen Wald allein und einsam; traurig magst du werden und bleiben, aber zornig niemals.
So gelaugte er zu der Rückseite seines Hauses. Wie mechanisch erhob er die Augen und ließ sie, plötzlich zum Bewußtsein erwachend, mit einem finster drohenden Ausdruck auf dem erhellten Erker des Thurmes haften.
Ja, da im kleinen Thurmzimmer — da leuchtete die Lampe und knisterte das Feuer; da stand ein junger, feiner Mann tt»d hielt ein weinendes Mädchen in seinen Armen, an seiner Drust, da klang seine zarte Stimme so süß.
„Bist du da, bist du wirklich da, meine herzige Kleine? Halt' ich dich endlich wieder in meinen Armen? Wie hab', ich wich nach dir gesehnt, meine zitternde Waldblume! Ach, wie âde ist die Welt, wie belebt der Wald! Bei dir, nur bei dir ich noch Treu' und Liebe! Die sind Pilgerinnen worden Erden und haben uns verlassen, um zurückzukehren zu "hren himmlischen Wohnnngen. Und ich Suchender, Ärmer, ^whe ihnen nach, und da komm' ich zu dir in dein Himmel- t£^f du Gottesengel! Aber was hast du, meine muntere, schüchterne Hinde?" fuhr er fort und hob sanft ihren Kopf un^ sah in die thränenvollen Augen. „Was quält dich nur? ^der ist es die Freude, mich wieder zu sehen?"
„Herr Graf, Herr Graf! es ist Alles aus und zu Ende",
stammelte das weinende schöne Kind. — Herr Graf, Herr Graf! Was kommt dich an mein Mädchen" ? ruft der Graf und bedenkt ihren widerstrebenden Mund mit Küssen. — ,,Was soll denn der Stand zwischen uns bei unsern schönen, jungen, heißen Herzen? Was kümmert es uns", fährt er fort und streckt pathetisch den Arm aus, indeß der andere Gertrud um* schlungen hält, „was kümmert es uns, ob dein Vater ein Förster und deine Mutter eine Bäuerin, und mein Vater ein Graf und meine Mutter eine Comtesse ist und war? Du bist meine Gertrud und ich bin dein guter Leonhard. Ich liebe dich und du liebst mich, und keine Gewalt soll uns scheiden! Selbst der Tod hat keine Macht über uns. Denn in stillen Mitternächten treten wir dann vor einander hin und umschweben uns".
„O Leonhard, liebster, liebster Mann"! rief Gertrud und schlang ihre Arme wie verzweifelnd um seinen Hals, „ja, ich liebe dich! ja, ich träne dir! ja, ich lasse nie von dir, und du kannst mich nicht verrathen, was auch der Vater sagt"! — „Dein Vater? dein Vater"? fragte er nachlässig lächelnd, „was ist denn vorgefallen"?
Und sie erzählte ihm, wie der Vater seit einiger Zeit so still und finster gewesen, wie sonst niemals, und was heute Nachmittag vorgefallen, wie es sie erschreckt habe und betrübt, daß kaum des Geliebten plötzliche Ankunft sie aufzurichten vermocht.
„O Gott"! sprach sie und sah sich scheu um, „o Gott, Leonhard! Er ahnt unsere Liebe, nein, er weiß sie! Und nun lass' mich eilig fort, denn wenn er plötzlich heimkehrte, mich unten nicht fände, hier uns überraschte — ach"! rief sie und schauerte entsetzt zusammen, „davor möge uns Gott behüten! Du kennst ihn gar nicht mehr. Gute Nacht, mein Liebster, Bester"!
Aber er ließ sie nicht aus seinen Armen. „Bleibe nur, bleibe, meine süße, bange Taube; Was sürchtest du bei mir? Was kümmert uns dein grämlicher Vater? Laß ihn nur kommen! Dafür hab' ich gesorgt. Hast du nicht den schwarzen Hund gesehen, den ich mitgebracht? der kennt den Alten nicht und wird uns ihn melden, abgesehen davon, daß meine Knechte und Jäger ihn nicht still an den Ställen vorüberlas»
