Der WmOerer.
Kr. 343.
Beiblatt ;vr Nassauisches Allgemeinen Zeitung
Freitag den 15. October
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Eugen Ktitlfried
Von F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Herr Trommler hatte nicht sobald gesehen, daß drunten 1M Fuße des Hügels die Familie des Directors angekommen war und ausgeschifft wurde, als er sich einen Augenblick von I MMN Freunden verabschiedete und seinen Freunden entgegen- 1 Alte. Unten nahm er den Director auf die Seite und schien angelegentlich mit ihm zu sprechen. Eugen sah augenblicklich, fi$ die Rede des Schauspielers auf ihn und den Herrn H Sibel bezog.
I Nun, was meinst du, sagte letzterer, zu diesen Aussichten, I du sich uns hier plötzlich eröffnet haben? Bist du dem Zu- I falle dankbar oder nicht?
Das muß die Zukunft lehren, sagte lachend Eugen, vor I ^r Hand kennst du meine Neigungen genugsam, um zu wis- I f^ daß ich mir lange gewünscht, ein ähnliches Leben einmal I f® eine Zeit lang mitzumachen. Aber was ist mit Joseph?
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Joseph, antwortete Herr Sidel mit sehr wichtigem Gesichte, im Falle man uns engagirt, gerade so gut ausübender Kunstler, wie wir beiden. Hast du es gehört? wandte er sich 011 den getreuen Pierrot, wir sind im Begriffe, zum Theater gehen, und wenn wir uns für dich verwenden, was gewiß âffchehen soll, so werden sie dich ebenfalls an- und aufnehmen, Aber hör' und achte auf meine Worte: Dein Herr heißt von ^lesem Augenblick an Eugen Wellen — ich muß das, setzte ct Scheich hinzu, unserem vortrefflichen Präsidenten zu Liebe thun. Ach bjn per Herr . . . nun, wie heiße ich gleich? — seinetwegen Müller, also merke dir das ganz genau, getreuerer Picrrot, der Herr Wellen und der Herr Müller. Du ‘W dich Herr Hannibal nennen, ein sehr schöner Name und Wild für dein Aeußeres. Merke dir aber, lieber Freund, aß unsere früheren Namen für uns jetzt nicht mehr existiren; ^"giß dieselben also vor der Hand; sei, was frühere Tage ^belangt, verschlossen wie ein Grab, überhaupt so schweigsam >vie möglich, und glaube mir, daß cs nur von deinem Belagen abhäugt, ob dein Herr sich ferner deiner annimmt, °"r ob man dich in die weite Welt hinausschickt.
Dem getreuen Picrrot war es schon nicht bei der Verhandlung vorhin, noch weniger, aber jetzt bei der Rede des Herrn Sidel außerordentlich wohl zu Muthe. Er hatte von jeher keine große Achtung vor Schauspieler gehabt, sogar vor denen nicht, welche er in der Residenz gesehen und die dort in der elegantesten Toilette umhergingen und in sehr schönen Häusern wohnten. Nun aber hier erst der College, der sich eben präsentirt mit seinem grauen farblosen Anzuge — o, das Leben, das unter diesen Aussichten dem arnzen Pierrot für die Zukunft vor die Augen trat, schien ihm eben so Grau in Grau gemalt. Doch was war zu thun ? In Geduld folgen und sehen, wie lange diese Idee seines Herrn wieder einmal dauern würde. Glücklicher Weise waren ähnliche Vorgänge da, und Joseph erinnerte sich, daß Herr Eugen Stillfried die Veränderungen liebe.
Mittlerweile war die Gesellschaft fahrender Künstler den Hügel heraufgekommen, und der Herr an ihrer Spitze beeilte sich, unsere Freunde dem Principal und der Priucipalin vorzustellen. Dies war bald geschehen, und der Director schlug vor, hier einen kleinen Ruhepunct zu machen, theils weil er nach einem Marsche von sechs Stunden in der That das Bedürfniß fühlte, sich niederzulassen, theils aber auch, weil er hoffte, so behaglich im Schatten sitzend, die neu aufzunehmenden Mitglieder milder gestimmt zu finden, und für sich bessere Bedingungen heraus zu schlagen.
Das Letztere wurde ihm gerade nicht schwer; denn da unsere Freunde einmal geneigt waren, diesem sich darbictenden Zufalle zu folgen, auch andererseits, wie wir recht gut wissen, von den Bedingungen des Directors in keiner Weise abhängig waren, so wurden beide Parteien bald einig. Sie spielten gleich der übrigen Gesellschaft mit auf Theilung und behielten sich das Recht vor, mit achttägiger Kündigung wieder austreten zu können.
Das Fahrzeug, welches wir vorhin erwähnt, und das der Familie des Directors zum Fortkommen dient, enthielt außerdem nur die besten Garderobesachen. Ein anderer Wagen mit der Einrichtung des Theaters, mit Dekorationen und Requisiten war noch zurück und wurde von dem jungen Bruder des Directors geleitet.
