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Beiblatt M Nassamschen AllMtim Zeitung
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Eugen Stillfried.
Don F. W. Hackländer,
(Fortsetzung.)
Pierrot beseitigte aber zuerst den Rest des Kalbsbratens und Käses, indem er denselben sehr geschickt in die Serviette hinein rollte. Eine gute Portion Brod hatte er schon früher bei Seite gebracht. Auch trank er vorher eine Flasche leer, Zic ihm zufälliger Weise an die Seite gerollt war; dann öffnete er lächelnd seinen großen Mund und sagte: Wie Sie Wb gnädiger Herr, und auch Sie, der Herr Nath, so schicken die Metzgermeister ihre Knechte aus der Stadt auf's önid, um gute und wohlfeile Kälber einzuhandeln.
Ganz richtig, sagte lachend Herr Sidel, und dabei machen ße zuweilen Metzgergänge, das heißt, sie fingen oftmals keine Kälber.
So ist's, sagte der getreue Pierrot; da liegen nach allen Richtungen um sie herum die Dörfer, wo sie ihre Kundschaft haben; aber wer weiß, wo in diesen Dörfern an diesem Tage 111111 gerade viele Kälber gefallen sind? Da hilft sich nun der Metzgerknecht auf folgende Art: Er geht auf die Straße hinaus und wirft seine Mütze so hoch, als er kann, in die Luft hinauf; natürlicher Weise fällt sie alsdann wieder herab, und Hann paßt er genau auf, wohin der Schirm der Mütze gerichtet ist; da geht er hinaus, nach jener Richtung nämlich, nnd findet da immer Kälber, so viel er mag.
Bravo! köstlich! trefflich! jubelte der lustige Rath. Düs' ein ganz Capitales Mittel, und dir, als dem Erfinder, aber wenigstens als dem, der uns damit bekannt gemacht, soll es auch gestattet sein, diesen Wurf zu unternehmen. Ne- benbei bist du auch der Einzige, der eine Mütze trägt, und lär uns, mit unseren Stroh hüten, würde das Orakel stumm bleiben.
Pierrot lachte außerordentlich vergnügt, daß Herr Sidel 'M seinen Scherz cinzugehen schien, sah aber vorher fragend seinen Herrn an.
Ich erkläre dieses Mittel ebenfalls für vortrefflich, sagte ^ngen, und auch gewiß für untrüglich. Sollen wir nicht eine Wette machen, nach welcher Seite der Mützenschirm zu liegen omme? — ich bin für dort hinaus,
Bei solch' wichtigen Sachen muß man nicht wetten, sagte Herr Sidel scheinbar ernst; komm her, getreuer Pierrot, stelle dich nun genau in die Mitte des Kreuzweges und mache dein Manöver.
Joseph begab sich dahin, nicht ohne eine Befriedigung in seinen Zügen auszudrücken, so wie einen gewissen Stolz, daß man sein Mittel für würdig finde. Darauf nahm er seine Mütze in die Hand, schien ein paar Mal die Kraft seines Armes zu probireu und schnellte sie dann, so hoch er konnte, in die Höhe; aber, o Unglück! der Wurf war nicht senkrecht gelungen, und als die Mütze in einem kleinen Bogen wieder herab kam, blieb sie an den Zweigen des Lindenbaumes hangen und obendrein noch in so unangenehmer Haltung, daß der Schirm zu Boden sah.
Erstaunt und überrascht sahen die Drei nach der Mütze empor, und selbst Herr Sidel kratzte sich einen Augenblick unschlüssig am Kopfe.
Wenn wir auf den Fall dieser Mütze, sagte Eugen nach einer Pause, das heißt auf die Art, wie der Schirm zu liegen kommt, ein wirkliches Gewicht legen und ihm alö Orakelspruch folgen wollen, so sagt uns der Schirm der Mütze, indem er zu unseren Füßen auf den Boden zeigt, wir sollen da bleiben und hier geduldig warten, bis uns das Schicksal eine Aufforderung zu Theil werden läßt.
Darin hast du Recht, sagte Herr Sidel; wir haben überhaupt nichts zu verlier«» und deßhalb keine Eile; lagern wir uns wieder im Schatten dieses Baumes und rauchen unter unmuthigen Betrachtungen unsere Cigarre.
Eugen und der lustige Rath streckten sich hierauf wieder in den Schatten des Baumes auf das Gras nieder, und Pierrot beschäftigte sich damit, durch verschiedene Steinwürfe seine Mütze vom Baume herunterzubringen, was ihm endlich auch gelang.
Die beiden Anderen hatten sich eine Cigarre angezündet und bliesen in angenehmer Ruhe den blauen Rauch von sich.
Wenn wir keinem Zufalle zu folgen hätten, sagte Eugen nach einer längeren Pause, so würde ich unbedingt Vorschlägen, den Weg dort hinaus zu nehmen, wo das Terrain sich sanft abflacht und von der Höhe in ein Thal hinab fällt, das
