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Aeiblatt zur Nassmischm

Zeitung

Sonntag den 10. Vctober

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Eugen Stillfried.

Von F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Wir sind wahrhaftig beinahe in gleichem Falle mit Carl Moor, sagte Eugen — ich wenigstens, vertrieben von meinem väterlichen Hause, gewaltsam getrennt von dem Mädchen, die ich wahr und treu liebe, wahr und treu, trotz deiner Botschaf­ten, Mephisto!

Das ist anerkenneflswerth, lachte Herr Sidel, und Gott ioll mich in Gnade bewahren, daß ich .ernstlich daran dächte, M dieser Wahrheit und Treue zu rütteln: aber glauhe mir Mr, setzte er ernster hinzu, cs ist wahrhaftig besser, wenn wir für eine Zeit lang vollständig verschwinden. So lange du da Mi, ließ sich deine Mutter bereitwillig gegen dich einneh- W; wenn man dagegen eine Zeit lang nichts von dir ge­hört, so wird ihre mütterliche Liebe zu dir stärker als je er­wachen, und dich wieder aufnehmen, vorausgesetzt, daß du M alsdann dieser mütterlichen Zuneigung werth zu machen

Hub für Katharine, sagte Eugen, ist es auch wohl besser, wenn sie längere Zeit nichts von mir hört! Was sagt deine höllische Beredsamkeit über diesen Punkt?

Ich bleibe vollkommen bei meiner Ansicht, entgegnete der luftige Rath ; du hast das junge Mädchen einige Male ge­igen, du bist von ihrem Aeußeren, meinethalben auch von Mn Inneren entzückt, und du denkst nun mit deinem be- annten Leichtsinn, dich an das Mädchen zu fesseln — nimm's nicht übel, ehe du sie hierzu genau genug kennst. Um eine so glänzende Partie zu machen, wie du eine bist — ich

von deinem Vermögen, nicht von deiner Persönlichkeit

M also eine solche Partie zu machen, wird sich jedes Mädchen zusammennehmen, und ihre glänzende Seite heraus- cheen, namentlich, da dieses Katharinen bis jetzt so leicht wurde.

Da kommt das Schicksal, roh und kalt

Faßt es des Freundes zärtliche Gestalt —

wirft sie — in die Hände der Gebrüder Schoppelmann. M hat dich als Ungeheuer der schlimmsten Gattung darge- man wird Versprechungen und Drohungen nicht scho-

non, um das Mädchen von dir abwendig zu machen; nun gut, das ist die Zeit der Prüfung. Wenn sie wirkliches Gold ist, so laß sie es jetzt bewähren, überlaß sie auf kurze Zeit sich selbst, sieh zu, ob sie dir wirklich treu anhängt, und wenn das der Fall ist, in Gottes Namen denn, so sage auch ich: Amen!

Da Eugen auf diese Rede nicht antwortete, so fuhr Herr Sidel nach einer Pause fort:

Glaube mir, Eugen, sagte er, sie wird in dieser Prüfung nicht zu Grunde gehen, und wäre dieses doch der Fall, dann hättest du nicht viel dabei verloren; nebenbei habe ich drin­nen Alles eingeleitet, um genau zu erfahren, was in dem Hause am Marktplätze vor sich geht. — Aber jetzt laß das Kopfhäugen sein, sei der Alte wieder, laß uns ein neues Le­ben anfangen, und bei diesem neuen Leben müssen wir be­sorgt dafür sein, dem getreuen Pierrot eine gelinde Strafe zukommen zu lassen; denn ich bin der festen Ueberzeugung daß bei der Geschichte von jener Nacht dieser Kerl die Hand mit im Spiele gehabt.

Wenn man das annehmen könnte, entgegnete Eugen, so wäre es besser, man schickte ihn augenblicklich fort.

Gewiß nicht! sagte der lustige Rath. Trägt er wirklich auf beiden Schultern, und hat neben dir noch einen anderen Herrn, so wird er augenblicklich zn diesem zurückkehren, um über unsere Schritte bis hieher zu rapportiren.

Wenn dein Verdacht gerecht wäre, meinte Eugen, so hätte er uns wohl in der Stadt verlassen und nicht so dringend gebeten, ihn mitzunehmen.

Heilige Einfalt! versetzte Herr Sidel, seine Aufträge sind wahrscheinlich noch nicht zu Ende.

Ich habe ihm auf deinen Rath deutlich genug erwiesen, daß er mein Vertrauen vollständig verloren, antwortete Eugen, und bat er trotzdem nicht de- und wehmüthig, ja, fast knie­fällig, ihn mitzunehmen?

Das ist mir ebenfalls aufgefallen, entgegnete der lustige Rath, und könnte mich auf die Vermuthung führen, als habe Joseph sich gegen einen anderen Herrn ebenfalls eines kleinen Verrathes schuldig gemacht, indem er uns nicht vollständig verrieth. Dem sei nun, wie ihm wolle, wir haben ihn ein»