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Ar. SSS.

Der Wanderer.

---—S^k»s«s—----

Deiblatt zur Najsamschen Allgemeine« Mang.

Dienstag den 21. September iss»»

Eugen Stillfried.

Nach F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Ich nicht, bei Gott nicht! sagte Eugen; ich kann Geschehe- nes nicht ungeschehen machen, und kann und will nicht verges­sen, was geschehen ist — Mama, ich bin kein Kind mehr; Sie können mit mir Alles aufrichtig und ruhig besprechen; ich will Sie geduldig anhören. Sie haben es noch nie für gut befunden, mir die Gründe auseinander zu setzen, weshalb Sie mich — verstießen, weshalb Sie denn eigentlich nicht von s Jenem lassen können. Mama, ich habe jetzt auch Manches in der Welt erfahren; denken Sie, cs sei nicht der Sohn, der mit Ihnen spricht, denken Sie meinetwegen, es sei ein Mlineinender Freund, der vor Ihnen steht.

Der junge Mann war bei diesen letzten Worten dem klei­nen Fauteuil nahe getreten, in welchem die Mutter lag, ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckend.

Erinnern Sie Sich noch, fuhr Eugen fort, jener letzten traurigen Unterredung, wo man Alles von mir verlangte, [ ohne mir zu sagen: Bringe dieses und jenes Opfer für deine Mutter, thu' es aus diesen oder jenen Gründen. Man ver- : langte das wichtigste Vermâchtniß meines seligen Vaters, jene : Papiere, die er an seinem letzten Lebenstage versiegelte. Gib : fc her! sagten Sie zu mir. — Und weßhalb? — Um jenem ~ Menschen gefällig zu sein.---Aber ihm will ich aicht gefällig sein; wenn ich auch für Sie jedes Opfer zu singen im Stande wäre, für ihn nicht das geringste, nicht ^ Spitze meines Nagels, um ihn vom Verderben zu retten.

Die Staatsräthin ließ ihren Kopf tief auf die Brust her- adsmken; sie drückte ihr Schnupftuch fest auf die Augen, und ttta« merkte an ihrem heftigen Athemholen, daß sie tief bewegt ^ar, daß sie weinte.

Warum sprachen sie damals nicht offen mit mir, fuhr der ^aha fort, wenn sie wichtige Gründe hatten zu einer — Ver- i b^ung mit Jenem? Warum vertrauten Sie ihrem Kinde Mt? ---Aber es waren keine vorhanden, Mama, als ; bei Jenem der Grund der Selbstsucht, der Habgier und le Lust, mir mit der Faust aus den Kopf zu drücken.

Lei diesen letzten Worten blickte die alle Dame in die

Höhe und sah ihren Sohn mit dem Ausdrucke des Schreckens und der Verwunderung an. Sie fuhr mit der Hand über die Augen und drückte die Thränen aus denselben fort. Du hast auch, sagte sie darauf mit tonloser Stimme, jene Papiere durchgesehen und gelesen.

Jenes versiegelte Paket, daö mir auf Befehl meines Va­ters übergeben wurde? fragte Eugen.

Die Staatsräthin nickte mit dem Kopfe.

Nie, Mama! sagte der Sohn mit fester Stimme; ich habe nie einen Blick hineingeworfen. Versiegelt, wie man mir eS gab, ist es heute noch.

Verwundert stützte die alte Dame ihre beiden Hände auf den Lehnstuhl und richtete sich empor. Du hast nie dies« Briefe durchgelesen? fragte sie mit zitternder Stimme.

Eugen schüttelte mit dem Kopfe.

O, das ist schrecklich! sagte die Mutter.

Mir graute vor diesen Briefen, sagte Eugen, ich weiß nichts von ihrem Inhalte.

O, das ist ganz entsetzlich! entgegnete die Mutter und ver­sank in ihre vorige Stellung, beide Hände vor dem Gesicht, und verlor sich in tiefes Nachsinnen.

Wenn mir jene Papiere und Briefe Aufklärung geben sollten, Mama, und ich in Folge derselben meine Einwilli­gung zu Ihrer zweiten Verbindung, so werden Sie selbst einsehen, daß ich vollkommen in meinem Rechte war, jene Bewilligung nicht zu geben, da mir bei Gott im Himmel! kein hinreichender Grund hierzu vorhanden schien, da, wie Sie wohl wissen, der letzte Wille meines sterbenden Vaters mich geradezu beauftragte, energisch gegen jenen — Herrn auf­zutreten.

Es ist da keine Hoffnung, sagte nach längerem Stillschwei­gen die Staatsräthin mit so leiser Stimme, daß man ihre Worte kaum verstand; keine, keine Hoffnung! — Sie ließ ihre Hände auf die Lehne des Stuhles sinken und blickte, mit einem gänzlich trostlosen Ausdrucke in ihren Zügen, zum Fen­ster hinaus.

Eugen ergriff eine ihrer Hände und drückte dieselbe, ohn« daß sie widerstrebt hätte, an seine Lippen.

Wenn da also keine Vereinbarung möglich ist, liebe Mut-