Der Wanderer.
Beiblatt M
Allgemeinen Zeitung.
Nr. »i». Freitag den 17. September /ss».
Eugen Stillfried.
Nach F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Dieser treue Diener schien in schlechter Laune zu sein und hatte offenbar gehofft, die kleine Kneipe leer zu finden, um mit der Frau Schilder (einer alten Bekannten) ein vertrauliches Wort sprechen zu können. Hr. Pierrot war sehr unangenehm überrascht, als er die Beiden hier sitzen sah, und diese Ueberraschnng verwandelte sich durchaus in keine erfreuliche, als er im Eintreten die beiden jungen Schoppelmann erkannte. Doch wußte er sich als Mann von Welt augenblicklich zu fassen und ließ sich mit vieler Seelenruhe am unteren Ende des Tisches nieder.
Die Anderen sahen ihrerseits den Bedienten ebenfalls mit keiner großen Freude eintreten. Ja, Hr. Friedrich murmelte etwas von einem lästigen Gesellen, und Hr. Conrad ließ eine zarte Anspielung auf einiges HinauSwcrfen mit gedämpfter Stimme vernehmen.
Wir haben schon gesagt, daß sich der getreue Pierrot in schlechter Laune zu befinden schien, und können versichern, daß dem also war. Er hatte diesen Morgen beim Kaffee die gewöhnlichen Versuche gemacht, mit seinem Herrn ein paar passende Worte über den Besuch bei Frau Schilder zu wechseln, er war aber als zudringlich und naseweis erklärt worden und Mn hatte ihm aufgegeben, sich künftig nur um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern und namentlich nie mehr den Namen dieses Mädchens in sein ungewaschenes Maul zu neh- Mn. Ja, das hatte sein Herr sogar in der Gegenwart des H^rn Rathes gesagt, und dieser hatte dazu gelächelt und bei» Egt; Ich habe cs dem Joseph schon oft gesagt, er solle sich W in Sachen mischen, die ihn nichts angehen, er solle sich überhaupt nur um seinen Dienst bekümmern, sonst werde man einmal genöthigt sehen, ihn um ein Haus weiter zu schicken. Mit diesem sehr freundlichen und untröstlichen Bescheid war arme Pierrot zu seinem Rapport bei dem Justizrath ge- gangen, und dieser hatte sich durch den mageren Bericht, wel- ihm der Spion in Betreff der ganzen Angelegenheit mit- ^ilte, nicht bewogen gesunden, etwas zur Erheiterung seines Dieners beizutragen.
Die drei jungen Herren, die hier zusammen beim Weine saßen, schienen indessen einander Mehr und mehr überdrüssig zu finden. Nach einem kurzen Stillschweigen sagte der Fuhrmann: Wenn die Weinschenke der Frau Schilder anfängt, eine Kneipe für Stiefelwichser zu werden, so können sich anständige Leute bald nicht mehr hier sehen lassen.
Statt aller Antwort ließ sich Joseph Pierrot einen Schoppen vom Allerbesten geben und murmelte zwischen den Zähnen, es ist schauerlich, daß sich jetzt gewisse Leute nicht schämten und sich am hellen Tage sehen ließen. Der Fuhrmann schien hierüber die Offensive ergreifen zu wollen und schlug mit der Faust so derb vor sich auf den Tisch, daß das Glas des Bedienten hoch empor fuhr und Einiges von seinem edlen Inhalt verspritzte.
Die Wirthin, die ebenfalls am Tischeffaß, schien garnicht aufgelegt, eine vermittelnde Rolle zu spielen; denn sie sah, ohne ein Wort zu sprechen, bald den Einen, bald den Andern an; nachdem sich aber die Zeichen der immer heftiger werdenden Entrüstung mehrten und der Jäger seine leere Flasche in der Hand wog' in der augenscheinlichen Absicht, sie dem Bedienten bei dem nächsten Wort an den Kopf zu werfen, schlug sie ihrerseits heftig mit der Faust auf den Tisch und sagte: Ich will Ruhe haben in meinem Hause, ich will keine Zänkereien, und namentlich nichts dergleichen unter meinen genauen Bekannten!
Was Teufel! sagte der Jäger und setzte die Flasche nieder; der da zählt sich auch zu Euren genauen Bekannten? Na, da gratulire ich, dann wollen wir Euch den Titel für uns schenken — nicht wahr, Fritz?
Ihr haßt ihn, fuhr die Frau achselzuckend fort, weil er der Bediente seines Herrn ist. Dummes Zeug! Meint denn Ihr Beiden, der könne was dafür, wenn sein Herr Streiche macht, die Euch nicht gefallen?
Pierrot sah die Frau einen Augenblick verwundert an, dann spielte er den Gekränkten und that einen mächtigen Zug aus seinem Glase.
Was hat er hier in der Gegend unseres Hauses zu schaffen? sagte hitzig der Fuhrmann, was braucht er hier herumzukundschaften ?
