Belletristisches Deiblatt ;m Wssmische« Allgemeinen Zeitung.
Jr. 8/6.
Dienstag den 14 September
18X2.
Eugen Stillfried.
Nach F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Nachdem die Sache beendigt war und er bei sich gedacht, jetzt könnten sie weit genug entfernt sein, erhob er sich auch und ging mit leeren Fallen und Netzen, aber trotz dem mit außerordentlich vergnügtem Herzen fort, dem elterlicher Hause M. Unterwegs überlegte er, wie diese Sache eigentlich zu behandeln sei, um etwas daran zu verdienen. Der Jäger wollte das Wild sicher machen und calculirte so: Ich will schon dafür sorgen, daß Katharine mit der alten Jungfer nicht mehr MM Spazierengehen kommt, und dann wird cs nicht lange anstehen, daß der Herr Eugen Stillfried sich einmal verstohlener Weise in unsere Höhle schleicht ■— dann haben wir ihn, und er soll mir jeden Besuch theuer bezahlen. — So dachte der Jäger und trat nach einer kleinen halben Stunde, in- vulich triumphirend, in das alte Haus am Marktplatz.
Madame Schoppelmann saß vor dem großen Hcerd, aus welchem jetzt ein größeres Feuer brannte, als neulich des Morgens; denn neben dem, daß sie ihren Nachmittags-Kaffee kochte, ließ sie Butter aus in große Töpfe, welche sie alsdann zum Winterbedarf an ihre Kunden verkaufte. Katharine war auf ihrem Zimmer; davon überzeugt, erkundigte sich Konrad zuerst durch eine anscheinend ganz gleichgültige Frage nach ihr. Er ichie sich ân den Tisch, stützte den Kopf in die Hände und ich einen Augenblick der Arbeit der Mutter aufmerksam zu, indem er hohnlâchelnd bei sich dachte: Na, den Spectakel wollen wir sehen, wenn die Alte dergleichen Geschichten von ihrem Herzblatt erfährt!
, Obendrein schien Madame Schoppelmann sich durchaus in kaner rosenfarbenen Laune zu befinden, und wenn sie, wie cs icht der Fall, verdrießlich war, so pflegte sie halblaute Selbst- siMäche zu halten, sich selber Red' und Antwort zu geben, woraus alsdann ein aufmerksamer Beobachter leicht erfahren konnte, um was cs sich bei ihr eigentlich handle, und der ^^ger merkte dem gemäß auch schon nach einigen Augenblicken, oß er für die Geschichte, die er auf dem Herzen hatte, keine chere Stunde hätte wählen können.
Sitz' kch da auf dem Markt, brummte die Gemüsehändlerin und drehte den Topf mit der- heißen Butter, damit er aus allen Seiten gleich warm würde, sitz' ich da auf dem Markt, und kommt die Köchin der Staatsräthin daher! Guten Morgen, sag' ich — danke schön, sagt sie und senszt. Was soll's, mein Kind, frag' ich, braucht Sie was Extra's — speist der Justizrath im Hanse — ein Paar Feldhühner — wie?--und da seufzt denn die alte Creätür wieder und sagt: Ach, Frau Schoppelmann, das ist ein wahres Kreuz und ein wahres Unglück für mich.----Hier murmelte die alte Frau eine Zeit lang so leise, daß man es nnmöglich verstehen konnte, dann aber fuhr sie desto lauter fort: Mich soll der Teufel holen, — hat die Staatsräthin verboten, von mir, der Frau Schoppelmann ferner etwas zu kaufen — eö ist unglaublich, aber wahr! — Hat nicht die Köchin, das arme Weibsbild, ordentlich geweint, daß ich die noch obendrein trösten mußte, — weiß Sie was, sagte ich, da ist vor der Hand nichts zu ändern. — Ach Gott nein! sagte sie. — Geh' sie zur Plunker, sagte ich. — Zur Plnn- ker? fragte sie. — Die ist nach mir die Beste, sagte ich, eine brave Fran, und wenn sie etwas nicht hat, so kanns die Plnnkcr bei mir holen. — Wein' Sie nicht mein Schatz, — es kommen noch Zeiten, wo die Schoppelmann wieder zu Ehren gelangt. — Hier rückte sie den Bnttertopf näher ans Feuer. — Ja, zu großen Ehren, — aber als sie nun fortging und der Plunker das Geld hinzählte, kam doch über mich ein gewaltiger Zorn — daß dich ein Donnerwetter! dachte ich. — Madame Schoppelmann stieß bei diesen Worten so grimmig in die brennenden Kohlen, daß sich Tausende von Funken zischend den schwarzen Schornstein hinauf flüchteten. — So was muß man sich bieten lassen — und wer ist an allem dem Schuld? — Niemand, wie der saubere Herr Eugen. — Ja —, ja —, ja —, ja —, wenn wir nur nicht noch Schlimmeres erleben.
Dazu sage ich Amen, mischte sich Konrad mit lauter Stimme ins Gespräch.
Der freundliche Bruder erzählte, wie und wo er draußen die Schwester gesehen, mit. welcher Beschäftigung, in welcher Gesellschaft, mit Zusätzungen und Bemerkungen, daß die
