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Der Wanderer.

Beiblatt ;ur Manischen Allgemeinen Mang.

Wr. »14.

Samstag den 11 September iss».

Eugen Stillfried.

Nach F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

DaS andere Paar war unterdessen den schmalen Pfad binabgegangen und hatte anfänglich auch nicht viel Besseres und Wichtigeres gesprochen, als Herr Sidel und Jungfer Strebesing. Sie hatten auch vielleicht gerade eine eben so große Entfernung zwischen sich gelassen, wie die eben Genann­ten, wenn das möglich gewesen wäre; aber der Weg, auf dem sie wandelten, war so außerordentlich schmal, daß sie noth­wendiger Weise dicht neben einander gehen mußten. Dabei berührten sich zuweilen ihre Hände, und wenn das geschah, so erröthete Katharine und blickte verlegen auf die linke Seite, während Eugen lächelte. Dieses Berühren der Hände kam nun nach und nach häufiger vor, und auf einmal stockte das gleichgültige Gespräch über Wetter und Blumen, und gerade in demselben Augenblicke, wo Eugen ihre kleine Hand faßte, und mit einem sanften Drucke festhielt, blieb auch das junge Mädchen stehen und holte so tief Athem, daß es wahrhaft erschrecklich war.

Katharine, sagte der junge Mann und machte den Ver­such, sie an der Hand so weit herum zu drehen, daß ihr Ge­sichtchen, welches sie abgeweudct hielt, sich nach ihm hinwandte; Katharine, wiederholte er nach einer kleinen Pause, wie freut es mich, daß Sie gekommen sind, wie dankbar bin ich Ihnen dafür!

Es ist etwas ganz Eigenthümliches um einen schmalen Weg und um eine einmal ergriffene Hand; die Wärme, die herüber und hinüber strömt, hat eine wahrhaft magnetische Kraft, und als Eugen zum dritten Male den Namen „Katha- aussprach, druckte er das glühende Mädchen fest an seine und hob ihr Gesicht ein klein wenig in die Höhe, und ^tr müssen eingestehen, daß er sie zuerst auf ihre beiden Au- M küßte, blos in der guten Absicht, die Thränen daraus i11 Eisernen, und dann auf den frischen, leicht geöffneten Mundj

Nachdem dies geschehen, war es, als sei ein Bann von den Beiden genommen, als haben sie jetzt erst die Sprache ^funden/ in welcher zwei Liebende überhaupt zusammen spre­

chen sollen. Da wurde alles das ausführlich erzählt und be­schrieben, alle die Einzelheiten, die für ein junges Paar so wichtig sind und für andere Leute so außerordentlich langwei­lig: wann sie sich um ersten Male gesehen, was Jedes dabei gedacht, geglaubt und gehofft, was unterdessen Wichtiges vor­gefallen kei, kleine Verleumdungen guter ältlicher Damen und Herren, die man gegenseitig über sich habe hören müssen, aber natürlicher Weise nie geglaubt. Bei diesen lieblichen Redens­arten hatte Eugen die Hand des Mädchens los gelassen, da­bei aber den Arm um ihre schlanke Taille gelegt — und so gingen sie dahin unter dem freundlichen Dickicht, lachend und plaudernd.

Wenn ich dich nur öfter sehen könnte, meine geliebte Ka­tharine ! sagte Eugen und drückte das Mädchen an sich. Ich bin dir freilich unendlich dankbar, daß du mir diese Zusam­menkunft unter Gottes freiem Himmel gegeben. Aber ich will cs nicht, daß du oft hierher kommst.

Nicht wahr, Eugen, sagte hierauf eifrig das Mädchen, nicht wahr, wir wollen uns hier nicht mehr sehen? Es könnte uns doch Jemand begegnen, und du weißt selbst, wie böse die Leute dann über ein armes Mädchen sprechen.

Du hast ganz Recht, mein Kind, sagte Eugen innig un­herzlich; aber du bist kein armes Mädchen, du bist mein Kind, meine Liebe, mein Alles, meine kleine Braut.

Bei diesem letzten Worte wand sich das junge Mädchen scheu aus seinen Armen los und sah ihn lange mit einem ernsten Blick an.

Eugen,'sagte sie hierauf, du mußt nicht so grausam mit mir scherzen; wenn du ein solches Wort aussprichst, so fühle ich es tief, wie Unrecht ich habe, deine Worte anzuhören, wie doppeltes Unrecht, dir zu sagen, daß ich dich so unendlich lieb habe.

Und warum das, mein Mädchen? sagte Eugen und zog sie wieder fester an sich.

Das weißt du besser, als ich 'es dir sagen kann, entgeg­nete Katharine. O Gott! fuhr sie schmerzlich fort, und wenn ich dir gestehe, daß ich fest überzeugt bin, unsere Liebe hat keine glückliche Zukunft, — so mußt du mich für entsetzlich leichtsinnig halten, daß ich diese Liebe doch eingegangen; aber