Phauten empor, wo er sich ftstkrallle. Die Offiziere feuerten, aber in der Aufregung des Augenblickes schossen sie schlecht, und verwundeten den Löwen nur. Der Elephant hatte ihn mittlerweile abgeschüttelt, wollte sich aber nicht noch einmal mit einem solchen Gegner einlassen, und nicht wieder vorwärts gehen. Der Löwe griff nicht an, sondern blieb ruhig stehen.
Endlich ließ sich der Elephant abermals zum Vorwärtsgehen bewegen; aber nun wurde der Löwe wüthend und stürzte ihm entgegen. Der Elephant kehrte um, und der Löwe sprang von hinten auf ihu los, zerriß ihm das Fleisch mir Klauen und Zähnen, und blieb so hängen. Abermals feuerten die Offiziere und der Elephant strampelte gewaltig; aber obgleich es ihm gelang, den Löwen abzuschütteln, so hatte dieser doch noch keine tödtliche Wunde und zog sich wieder in die Dschungle zurück. Die Offiziere waren zu aufgeregt, um von der Jagd abzustehen; und im Fieber des Jagdeifers entschloß sich Hauptmann Woodhouse, da der Elephant unter keiner Bedingung mehr vorwärts wollte, abzusteigen und zu Fuß in die Dschungle einzudringen. Lieutenant Delamain und Lieutenant Laing stiegen mit ihm ab, und folgten ihm in der Richtung, die der Löwe genommen hatte. Bald erblickten sie ihn, wie es jedoch schien, ohne besondern Erfolg, da sich der König der Thiere langsam in das Dickicht zurückzog. Sie folgten ihm und Lieutenant Delamain feuerte nun zunächst. Das war nicht länger zu ertragen, und der Löwe kam plötzlich aus dem Gebüsch hervor, und auf die Jäger losgestürzt. Die beiden Lieutenants hatten gerade noch Zeit, um aus der Dschungle zu flüchten, und neu zu laden, aber Hauptmann Woodhouse trat ruhig aus die Seite, in der Hoffnung, der Löwe werde an ihm vorbei springen. Das war nach dem Geschehenen etwas zu viel verlangt. Der Löwe sprang gerade auf ihn los, und in einem Nu war des Jägers Büchse zerbrochen, und er selbst befand sich in den Klauen des unwiderstehlichen Feindes, den er auf Leben und Tod herausgefordert.
Lieutenant Delamain feuerte auf den Löwen, ohne ihn zu tödten, und zog sich dann wieder zurück, um neu zu laden. Unterdessen lagen Woodhouse und der Löwe beide verwundet auf der Erde, und der Löwe fing an Ersterem den Arm zu zerfleischen. In dieser schrecklichen Lage hatte Hauptmann Woodhouse Geistesgegenwart und Stärke genug, um trotz der schrecklichen Qualen, die er litt, vollkommen still zu liegen, denn er wußte, wenn er jetzt den geringsten Widerstand leistete, werde er in einem Augenblick zerrissen sein. Als der Löwe bemerkte, daß sich sein Opfer nicht mehr bewegte, ließ er den Arm fallen, und ließ seine Pfoten auf den Schelckeln des Hauptmanns ruhen. Unbesonnener Weise erhob Hauptmann Woodhouse, der mit dem Kopf sehr unbequem lag, die Hand
um ihn zu stützen; aber der Löwe packte sogleich wieder sein» Arm, und fing an, ihn höher oben zu zerfleischen. Noch einmal hatte trotz der schrecklichen Qual und peinlichen Lage du Hauptmann Seelenstärke genug, ganz regungslos liegen M bleiben.
So blieb er, bis ihm seine Freunde wieder zu Hülfe kämen, aber von der falschen Seite, wo die auf den Löwen abgeschossenen Kugeln durch diesen hindurch hatten gehen ml verletzen können. Ohne sich zu bewegen, oder eine unruhige Aufregung zu zeigen, hörte man ihn ganz ruhig und ieijt sagen: „Auf die andere Seite! auf die andere Seite!" Sie gehorchten schnell, und in der nächsten Minute lag der Löm todt neben einer noch stärkeren Natur als er selbst gewesen.
Iur Tagesgeschichte.
Auf dem Erie-See hat sich abermals ein Dampfschiff-Unglüt ereignet. „Während eines dichten Nebels stießen die Dampfer Atlantic und Ogdensburg aufeinander und das erstere Schiff erhielt einen Leck. Der Capitän ermahnte die Passagiere — meistens norwegisch Auswanderer, die kein Wort Englisch verstanden — zur Fassung uni sprach die Hoffnung aus, den Hafen zu erreichen, aber im ersten Schrecken sprangen Einige über Bord, und kaum hatte sich der Atlantic fortgeschleppt, alö die Flut so hoch stieg, daß sie das Feuer in bet Maschinenkammer löschte und das Fahrzeug zu sinken anfing. Dei Schrecken, die Verwirrung und das Geschrei wurden fetzt entsetzlich Viele überhörten oder verstanden nicht die Aufforderung des CapitänS und der Offiziere, sich der Stühle, Bänke, Sopha's und Matrazzen in der Cajütc zu bemächtigen — diese Gcräthe waren alle luftgesüllt und fichere Lebensretter —, sondern stürzten blindlings dem nassen Ted in den Rachen. Um halb 3 Uhr fuhr das Boot unter dem Gekreisch von Hunderten in die Tiefe; nur das Hintertheil ragte über die Wagen, und ein paar Unglückliche klammerten fich theils an das Wrack, theils an das Tau-Ende eines schwimmenden Mastes. Der Ogdens- bürg folgte im Fahrwasser des unglücklichen Dampfers nach und rettete an 150 Personen, aber der dichte Nebel lähmte seine Anstrengungen und mehrte die Zahl der Opfer. Unter den Letzten, welche vom Wrack genommen wurden befanden fich Mr. Bueil, der Maschi' nenmeister, Mr. Blodgctt, der Obersteuermann, Mr. Givivan, der Buchführer des Atlantic, und ein Knabe von 8 Jahren, den man rufen hörte: „O, ich kann nicht lange mehr fcsthaltcn. Wenn Papa nur da wär'!" Der Kleine hielt sich am Mastbaum und war im Sinken begriffen, als ein Kahn drS Ogdensburg, bis an den Rand mit Passagieren vollgepackt, in einiger Entfernung vorbeikam. Mr. Blodgett, eben gerettet, sprang aus dem Nachen, schwamm dem Tau zu, und erlöste den armen Jungen aus seiner verzweifelten Lage. Sein Onkel, der mit ihm gewesen war, ertrank. Als die Geretteten Erie erreichten, sanken sie, wie auf ein gegebenes Zeichen, alle auf ihre Kniee und verrichteten ein stummes Dankgebet. Ungefähr 200 Personen, meist arme Auswanderer, sind ertrunken. Unter den Vermißten ist Mistreß Cornwell, eine Schwester des bekannten Friedens < Apostels Elihu Burritt." ____________________________________________~
Verantwortlicher Redacteur; Dr. A. Mied.
Druck uuo Expedition von Wilhelm Friedrich m Wiesbaden, Lauggasse.
