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Der Wanderer.

Metrisches Deiblatt zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

m-. SSL. Samstag de» «8. August 1SLS

Eugen Stillsried.

Nach F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Tas ist wahr, sagte die Haushälterin, es gab kein folg- samcres und geschcidtercs Kind, als den kleinen Eugen. Und wenn man jetzt hört, was sie alles in der Stadt über ihn lagen, da muß es einem ordentlich weh thun, daß man ihn einmal anders gekannt.

Dummes Geschwätz! brummte Jacob; nun ja, man spricht genug über ihn, aber was kann mau denn so Böses von ihm sagen? Jugend ist keine Tugend, und ein junger Mensch, der mit vierundzwanzig Jahren über zehntausend Gulden jährlich zu befehlen hat, schlägt leicht über alle Stränge. Das ist einmal nicht anders. Und was ihr Frauenzimmer einander »zählt, das ist gar nicht einmal die Oiebe werth. Wenn er auch hie und da einem Mädel nachläuft, pah! darum drehe ich keine Hand um.

Nun, recht ist das doch gerade auch nicht, antwortet die alte Köchin.

Aber das Schlimmste ist, sagte Martin, daß er nichts thut und nichts treibt, daß er all das Viele, was er gelernt hat, wieder vergißt, und daß er kein ordentliches Geschäft anfängt, sondern sein Geld auf eine wirklich erschreckende und leicht­sinnige Art durchbringt. Zehntausend Gulden jährlich, die alle in den Wind hinaus gehen, und er hat nicht einmal Wagen und Pferde!

Und dafür desto mehr gute Freunde! sagte bitter lachend der alte Diener, die wie Blutegel au ihm hängen und ihn ärmlich aussaugen; denn was der junge Mensch von einer »reigiebigkeit ist, von einer Herzensgüte und . . .

Von einem Leichtsinn, ergänzte Martha und schlug gcwal- ^8 und ingrimmig auf ein großes Stück Fleisch los, das ist ssur nicht an den Himmel zu malen.

Draußen wurde die große Hausglocke gezogen. Jakob, der sich darauf hin schon halb von seinem Stuhle erhoben hatte, sicß sich langsam wieder nieder, zog eine kleine silberne Dose aus der Tasche, nahm bedächtig eine Priese und sagte, nach- dem er einen Blick aus die Schwarzwälder-Uhr geworfen: Ah si! er wird es sein! Da pressirt's mir gar nicht.

Mir auch nicht, sagte lachend der Kutscher und faltete ruhig seine Decke zusammen.

Und mir erst recht nicht, meinte lachend das Stuben­mädchen.

Er muß das Warten schon gewohnt werden, brummte die Köchin und machte ein ungeheures Gepolter, indem sie mit dem Stücke Holz, das sie in der Hand hielt, mehr auf den Tisch als auf das "Fleisch schlug.

Obgleich der Justizrath Werner, wie schon gesagt, in dem Hause der Staatsräthin unumschränkt seine Befehle ertheilte und überhaupt handelte, wie es ihm gefiel, so kann man da­gegen nicht behaupten, daß ihn die Dienerschaft deßhalb hierzu berechtigt hielt oder ihm gern und willig jenes Recht zuerkannte. Wenn sie auch seinen Befehlen Folge leisten mußte, so geschah es mit großem Widerwillen, den sich die Aeltesten dieser Die­nerschaft, ergraute, erprobte Leute, zu verhehlen auch durchaus keine Mühe gaben. —

Draußen wurde aber zum zweiten Mal und heftiger ge­klingelt.

Er wird's doch nicht sein, sagte jetzt Jakob, indem er von seinem Stuhle aufstand und sich der Küchenthür näherte: so heftig schellte er niemals. Das geht alles langsam und ruhig, feierlich und abgemessen.

Ja, es muß Jemand anders sein, meinte die Köchin, für ihn ist's noch zu früh. Geschwind, Nanett, mache Sie die Hausthür auf! Bleibe Er sitzen, Jakob, das Mädel hat junge Beine.

Nanette eilte gehorsam diesem Befehle zur Küche hinaus, zog draußen den schweren Thürflügel auf und begleitete die Person, welche zweimal geschellt und welche halblächelnd meinte, man solle in einem ordentlichen Hause Niemanden zweimal schellen lassen, nach der Küche.

Diese Person aber war Niemand anders, als Madame Schoppelmann, die sich nun in der Küche in ihrer ganzen Breite aufpflanzte und mit einem lächelnden Gesicht ihre, dem Stubenmädchen so eben ertheilten, Vorwürfe wiederholte. Ei, ei, sachte fie lachend,, da ist die ganze Familie beisammen und läßt mich zweimal schellen, und so eine arme alte Person, wie ich bin, der das Stehen unendlich sauer wird, muß dran-