Die Krogk, die Thüre öffnend, ersucht, nicht solchen Lärm zu machen, da die Hausfrau schwer erkrankt, wohl den Tag nicht mehr überleben werde.
Der Voigt, sie keiner Antwort würdigend, ließ das Scheusal sogleich binden, und eilte, Herrn Egström aufzusuchen. Man fand ihn im Schlafzimmer der Frau und deren Bett, anscheinend betrübt und zerstört.
„Was bedeutet dieser ungewöhnliche Besuch?" fragte er.
„Wir wollen uns des Mörders der Frau Egström versichern," erwiderte der Voigt. Herr Egström machte hierauf Miene, zu entfliehen, wurde jedoch festgehalten.
Keine Unordnung in der Stube zeugte von einem Verbrechen, kein Blutfleck war vorhanden. Frau Egström lag vollständig im Nachtkleide in ihrem Bette, und nur unter dem linken Arme derselben entdeckte man eine kleine, mit einem rochen Heftpflästerchen bedeckte Wunde.
Egström gestand bereits im Verhöre den Mord ein und erzählte den ganzen Hergang.
Die Krogk erklärte sich für vollkommen unschuldig.
Das Urtheil in der Sache ist noch nicht gesprochen, wir werden es seiner Zeit mittheilen.
□ Vie Anwendung des VoUsdiums betreffend.
In Nro. 288 des Wanderers reclamirt ein mit dem Wurzelzeichen versehener Artikel den nassauischen Aerzten das Verdienst, das Kollodium zuerst angewendet zu haben und meint, der Verfaffer des Artikels im Mannheimer Unterhaltungsblatt habe „Anderer Verdienste ignoriren und sich auf fremde Kosten erheben wollen". Wer jenen Artikel mit Ernst liest, wird von solcher Absicht auch nicht einmal träumen können, denn derselbe beabsichtigte nichts anderes, als die Anwendung des Kollodiums unter dem Volke bekannt zu machen. Wie übrigens allgemein bekannt ist, hat Schönbein in Basel selbst das Kollodium erfunden, das anfangs Schönbein'scher Liqueur (Liquor sulphurico-aelhereus constringens) genannt wurde und wie von Andern, so auch von Dr. Krell angewendet ward, jedenfalls so früh als von Dr. Spengler. Dieser Dr. Krell, den wir übrigens gar nicht persönlich kennen, hat auch zu wiederholten Malen darüber geschrieben, die Beobachtungen Anderer getreu referirt und selbst die vielfältigsten Versuche damit angestellt. Krell war es dann auch, der zuerst die fast nur Medicinern bekannten Wirkungen des Kollodiums durch einen populären Aufsatz in Nro. 19 und 20 von Dr. Kerndts polytechnischer Centralhalle 1852 und in andern Blätter unter das Volk brachte und allgemein nützlich machte, so daß es nun Jedermann auf den erwähnten ersten
Aufsatz hin Versuche mit Kollodium von uns erwähnten W len veranlaßt und einen populären Artikel von einem IMM hiesigen Bekannten schreiben lasten, dessen Zweck blos M das Mittel unter dem Volke bekannt zu machen und auf bis unseres Wissens reichsten und mannigfaltigsten Beobachtungen und Zusammenstellungen Krells als eines Gewährsmanns hinzuweisen. Wir haben Krell weder als den Erfinder, noch als den ersten Anwender bezeichnet und es in- teressirte uns bei dem Aufsatze auch gar nicht, wer diese Ehre beanspruchen darf. Deshalb können wir auch den gereizten Ton Ihrer „Berichtigung" nicht billigen, da in unserem Aufsatze überhaupt nichts zu berichtigen war, weil wir uns gar nichts darum bekümmerten, wer wohl zuerst dnS Kollodium angewendet habe, und wir diese Ehre weder Jemanden gaben, noch nahmen. Die Worte des Aufsatzes: „Nach dem so sehr praktischen Arzte Dr. K. in H. und vielfach eigenen Versuchen findet das Kollodium h a u p t s ä ch l i ch A n w e u d u n g" besagen weiter nichts, als daß unserem Aufsatze vorzugsweise Krells Bericht und Angaben über das Kollodium in erwähnter polytechnischer Centralhalle zu Grunde gelegt sind; wer daher glauben kann, wir wollten damit einem nassauischen oder anderen Arzte zn Gunsten Dr. Krells das Verdienst der ersten Anwendung entziehen, der hat jedenfalls weder unseren Aufsatz genau gc- lesen, noch seine Absicht recht gewürdigt.
Mannheim, 14. August 1852.
Dr. Eugen Huhn,
Redacteur des Mannheimer Journals, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitglied.
M is ccllen
In einer Wiener Apotheke werden künstliche Seebäder verkauft, die Herr Joseph Frachia zu Treviso nach der Analpse des adriatische» Meeres aus einer Mischung von Algen und Salzen verfertigt, welche aus den Lagunen von Venedig genommen, in Flaschen schichtweise aufbewahrt sind.
Am 26. Juli entleerte sich ein Wolkenbruch in der Umgebung von Asti (Piemont); das Flüßchen Ricarello trat infolge dieses Er- gusses über seine Ufer und zerstörte mehrere Dämme und Straßen: als die Wässer am folgenden Tage verlaufen waren, fand man in der überschwemmt gewesenen Gegend an 400 antike silberne Medaillen und Münzen: sie tragen durchgängig die Brustbilder berühmter Persönlichkeiten des alten Roms, sind von länglich runder Form und etwas größer als ein Halbfrankenstück. Vor 17 Jahren wurden ebenfalls durch eine Ueberschwemmung an 500 derlei Münzen zu Tag« gebracht, ohne daß sich trotz eifriger Nachforschungen der Ort, wohe« sie gekommen, entdecken ließe.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. 9«)*
Druck und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden Langgasse 42.
