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Der Wanderer.

Dkidlatt M

Allgemeinen Mang.

Nr. F»« Dienstag den »4. August iss*.

Eugen Stillfried

Nach F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Ueber mein Kind! sagte ernst die Mutter. Aber Katharine, mbr sie nach einer Pause eifriger fort und schüttelte die Hand, weiß gewiß nichts davon, sic ist ganz unschuldig. Doch dem Herrn Eugen sollte man das legen.

Ja, wenn ich's ihm nur legen dürfte! sagte der Fuhrmann und schnitt sich ein ungeheures Stück Brod ab; ich wollte es ihm so legen, daß er sich selbst mit legen müßte. Soll ich ihm vielleicht einmal in den Weg laufen und ein Wort mit ihm sprechen?

Nein, nein, sagte die Mutter, das ist keine Sache für deine Hände. Gott soll mich bewahren! Darin will ich schon meine eigenen Gänge machen. Der Katharine will ich den Kopf zu­recht setzen und wenn die Frau Staatsräthin eine rechtschaffene Dame ist, so wird sie mit ihrem Sohne das Gleiche thun. Arß mich nur machen.

Der Bruder wollte noch Einiges entgegnen, doch bat ihn Madame Schoppelmann, jetzt gefälligst sein Maul zu halten, ^mi sie wolle ihren Kaffee in Ruhe trinken.

Nach einigen Augenblicken kam auch Katharine wieder aus dem Nebenzimmer hervor, jetzt vollständig angezogen, einfach i» einer Tracht, die zwischen denen der Dienstmädchen guter Häuser und der Bürgerstöchter die Mitte hielt. Von jenen hâ sie das schwarze nette Mieder entlehnt, von diesen den Ungen Rock, und der Schnitt des ganzen Kleides paßte so SW zusammen und war in den Farben so geschmackvoll ge­wählt, daß Jedermann, der dieser vollen, prächtigen Gestalt wit dem frischen, blühenden Gesichte begegnete, unwillkürlich llchen bleiben und zll sich selbst sagen mußte: Das ist in der ^hat ein schönes Mädchen!

Die Familie, durch den vorigen Streit etwas verstimmt, wechselte während des Kaffeetrinkens nicht ein einziges Wort, und es wäre solcher Gestalt im Gewölbe sehr still gewesen, wenn nicht in diesem Augenblicke ungefähr ein Dutzend Wei­her nach und nach eingetreten wären, die sich auf den Stei­nen am Heerd und den bevorstehenden Stühlen ziemlich ge- rauschvoll niederließen. Obgleich diese Weiber Colleginnen,

I wenngleich ärmere und unbedeutendere Colleginnen, der Ma­dame Schoppelmann waren, so wagte doch keine, die feierliche Kaffeestunde durch eine laute Frage an jene Frau zu unter­brechen, vielmehr begnügten sich alle mit einem stummen Gruße, der von Madame Schoppelmann eben so stumm, wenngleich etwas vornehmer, erwidert wurde. Unter sich dagegen sprachen die Weiber bald leise, bald lauter, und es herrschte eine lebhafte Unterhaltung, welche sich natürlicher Weise nur um ihr Geschäft, den Gemüse- und Obsthandel, drehte.

Jetzt hatte Madame Schoppelmann ihren Kaffee mit der bedeutenden hierzu gehörigen Menge von Brod und Butter zu sich genommen; sie rückte ihre Haube zurecht, erhob sich dann schwerfällig von ihrem Sitze, wobei sie ihre beiden Amie auf den Tisch stützte, daß er krachte. Dann trat sie mit einer gewissen Würde und Feierlichkeit an den Heerd in den Kreis jener Weiber, die sich darauf ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen erhoben.

Nach einer kleinen Pause, während welcher die Weiber j erwartungsvoll zu Madame Schoppelmann aufblickten, setzte diese den rechten Arm in die Seite und fragte mit einer sehr wichtigen Stimme: Wie schaut's heute Morgen auf dem Markte aus?

So, so! entgegnete eines der Weiber; es ist im Allge- meinen nicht zu viel und nicht zu wenig da, gerade was die Stadt braucht.

So könnte man also, entgegnete Madame Schoppelmann, die Preise vom vorigen Dienstage im Allgemeinen fest- halten?

Wahrhaftig, man könnte ein wenig anziehen, erwiderte die Gefragte, und die Anderen nickten mit dem Kopfe und meinten auch, es wäre nicht unthunlich, die Preise etwas zu erhöhen.

Sie wird am besten wissen, Frau Schoppelmann, sägte eine Zweite, daß es in dieser Woche eine Menge Geschichten in der Stadt giebt; ein paar große Hochzeiten weiß ich einige Kindtaufen ebenfalls.

Und in den beiden ersten Gasthöfen, ergänzte Madame Schoppelmann, find heute und morgen große, extra bestellte