So oft, rief der Bruder dazwischen, daß die ganze Stadt j davon spricht. |
Ei, Katharine, sagte die Mutter sehr ernst, da fällt mir auch etwas ein, was man mir neulich gesagt — ich weiß nicht mehr recht, welche von den Weibern es war — ja, ja, die sagte mir wahrhaftig âas Aehnliches. Nimm dich in Acht, Katharine, vor dem Gerede der Leute und vor deiner Mutter! Jetzt komme ich auf einmal wieder klar auf die ganze Geschichte; ja, ja, cs ist schon was Wahres daran, was der Fritz sagt.
Nicht wahr, Mutter?
Und ich werde dir den ganzen Blumenhandel noch legen, fuhr diese fort; meiner einzigen Tochter was nachsagen zu lassen, das sollte mir fehlen! Ja, ja, wer hat es mir nur gesagt? Katharine', nimm dich in Acht! Ich glaube — wenn ich mich nicht ganz irre — es hieß, der nichtsnutzige Sohn der verwitweten Staatsräthiu Stillfried streiche den ganzen Bormittag um deine Körbe herum.
So ist's Mutter, sagte der Fuhrmann, der liederlicke Herr Eugen, der ist's. Und daß an der Sache was Wahres ist, könnt Ihr deutlich an Euer Jungfer Tochter abnehmen. Hat sie nicht vorhin gethan, als wenn sie mich fressen wollte, und jetzt ist sie mäuschenstill geworden?
Das Mädchen warf den Kopf trotzig in die Höhe und ließ auf den Bruder einen Blick unbeschreiblicher Verachtung blitzen. Dann sagte sie: Es ist freilich am besten, wenn man deine dummen Reden unbeantwortet läßt; ich will mich auch gar nicht darum kümmern. Sag', was du willst, und wenn dir die Mutter am Ende wie gewöhnlich glaubt, so kann ich auch nichts dagegen haben. Ich werde doch thun und lassen, was mir gefällt, denn ich bin kein Kind mehr und weiß schon, was ich zu thun habe.
Damit wandte sie sich vom Tische weg und ging wieder ins Nebenzimmer, dessen Thür sie eben so heftig, als sie sie geöffnet, wieder hinter sich zuschlug.
Seht Ihr, wie sie trotzig ist, obgleich sie mir nichts Rechtes zu antworten weiß! sagte der Bruder; ja, laßt der nur allen Willen, und Ihr werdet genug Freunde an ihr erleben 1
Madame Schoppelmann gab keine Antwort, sondern ging an den Heerd, nahm von dort die große Kaffeekanne und setzte sie auf den Tisch; dann laugte sie vom Kamingesims einige Tassen herunter, die sie daneben stellte, nahm aus einem Wandschrank einen Teller, worauf ein frisches Stück Butter in einem Kohlblatte eingewickelt lag, und stellte das nebst einem großen Stück Brod daneben.
Obgleich sie das Gespräch von vorhin nicht laut fortführte, so sah man doch ihrem Mienenspiel an, daß sie diese Geschichte nicht ganz gleichgültig ausnahm, sondern vielmehr eifrig darm
bcr nachdachte. Zuweilen schüttelte sie den Kopf, seufzte auch wohl gelinde auf, und als sie das Frühstück hergerichtet hatte, ließ sie sich mühsam auf einen breiten schweren Stuhl an an dem Tische nieder und legte, statt zuzulangen, die Hände in den Schooß.
Hast du, fragte sie nach einer Pause, deine Schwester vorhin nur necken wollen, wie es unter euch Mode ist, oder sagt man wirklich in der Stadt etwas über sie und jenen Herrn Eugen?
Allerdings sagt man etwas! entgegnete bestimmt der Bruder und goß sich eine Tasse Kaffee ein; und man sagt sogar recht viel über Herrn Eugen und Jungfer Katharine, über die schöne Katharine, wie die Leute sie nennen.
(Fortsetzung folgt.)
Eine Clephatttcrtjagd in Nipal
(Schluß.)
Kurz nach diesem Auftritte kamen etwa zwanzig zahme Büffel vorüber, welche in der Nähe geweidet hatten und, wahrscheinlich von den Elephanten der Tarus aufgeschreckt, nun i« der Nähe des Lagers des Ungetüms über die Ebene dahin sprengten. Ich sah den Elephanten aus dem Gebüsche hervortreten ; in einem Augenblicke hatte er einen der Büffel zu Tod getreten und jeden Knochen an ihm zerschmettert; gleich darauf hob er mit der größten Leichtigkeit einen zweiten in die Höhe, durchbohrte ihn mit seinen Fangzähnen und schleuderte den todten Körper weit von sich weg. Nun begab er sich wieder in sein Lager.
Nach wenigen Minuten begann ich meinen Angriff; als ick noch etwa 100 Iards (3000 Fuß) von ihm entfernt war, trat er heraus und zwar mit einem schneidenden Pfeifen, das man von einem wilden Elephanten hören muß, um sich einen Begriff davon zu machen. Er erschien mit einem ungeheueren Ast, den er nwt dem Rüssel über seinem Kopfe schwang. Er nahm einen prachtvollen Anlauf, blieb aber in einer Entfernung von ungefähr 60 Uards vor mir stehen, als ob er überlegte, was er thun solle, wobei er den Ast um sich her schwang und dabei mit der Border- und Hinterfüßen den Boden gewaltig aufrührte. Ich kann nicht sagen , daß mir sein Anblick besonders behagte; es war indeß jetzt zu spät, und so mußten die Feindseligkeiten beginnen.
Ich gab ihm sogleich einen Schuß aus meiner alten, wohl- geprüften Doppelflinte und schoß den rechten Lauf so genau, wie ich es nur vor dem Zweige thun konnte, auf seine Stirn ab. Die Kugel traf ihn hart; er ließ den Ast fallen, als ob er ein glühendes Schüreisen gewesen wäre, schüttelte seinen ungeheuern Kopf und brüllte gewaltig. Ich konnte iba nun deutlich sehen; die Wunde in der Stirn war ihm sehr lästig; er wandte den Rüssel, nm sie zu untersuchen, sog das
