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Ar. 197.

Der Wanderer.

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Allgemim» Zeitung.

Sonntag den »2. August

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Eugen Stillfried.

Nach F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Doch waren die beiden Damen nicht gesonnen, ihn dieses Mal ohne gründliche Beichte entwischen zu lassen. Katharine, welche dieser beständigen Sticheleien hinter ihrem Rücken müde war, wußte ganz genau, nm was es sich eigentlich handle, und war überzeugt, wenn der Bruder auch wirklich etwas Vorbrin­gen würde, daß sie noch im Stande sei, sich vor der Mutter herailszureden und damit den ewigen Neckereien ein plötzliches und rasches Ende zu machen.

Der Bruder aber brach, durch die lange Weigerung, seine Anklage vorzubringen, dieser selbst die Spitze ab, und die Mut­ter mußte natürlicher Weise denken, wenn er wirklich etwas wüßte, so würde er sich nicht so lange sperren, damit heraus- zu rücken, Und doch bedurfte es noch mancher außerordentlich deftigen Aufforderung von Seite»! der Schwester, sowie eines nicht ganz gelinden Schlages der Mutter auf den Tisch, um den einigermaßen eingeschüchterten Fuhrmann zu bewegen, das, was er wußte, von nch zn geben. Es ist die alte Geschichte, sagte er achselzuckend, die Ihr aber nie glauben wollt, Mutter, so oft man Euch auch schon davon gesprochen. Der Blumen- handcl von Kuthariue.

Und was geht dich mein Blumenhandel an? sagte verächt­lich das Mädchen und richtete sich in ihrer ansehnlichen Ge­stalt stolz in die Höhe. Bekümmere dich um deine Gänse und Enten.

Ja freilich, entgegnete lachend der Brüden, geht mich dein Plmncnhandel nichts an; ich bin auch, Gott sei Dank! keiner von jenen jungen Offizieren zu Fuß und zu Pferd, die das Pflaster auf dem Markt zu Schanden trampeln, mit Schlepp- lâgel und Federhut, und dann bin ich ja auch nicht die schöne Katharine, wie sie dich heißen. Ha! ha! Und uoch viel weni- 8er gäbe ich nur einen Groschen um das beste Bouquet von dir, und wenn du .«. es mir auch selbst an den Rock stecken thätest.

Wem stecke ich Blumen an den Rock? fragte heftig und "hitzt das Mädchen; wem? du Lästermaul!

Nun, nun, entgegnete der Bruder, das thust du freilich

nicht Vielen, aber wenn ich auch ein so blasser junger Mensch wäre, mit dem braunen Frack, hohen Hemdkragen und darun­ter so ein violet seidenes Tuch, und wenn ich so ein blasses, lüderliches Gesicht hätte, wie gewisse Leute mit hinaufgewich­stem blonden Schnurrbart, da käme es dir nicht darauf an, mir eine Rose m's Knopfloch zu stecke». He, Jungfer Schop- pelmann? he, schöne Katharine?

Von wem spricht denn der Bub'eigentlich? sagte die Mut­ter und stieß die Tochter mit bem dicken Ellbogen an den Arm. Das sind auch gewiß nur wieder von feinen dummen Phan­tasiern ! Richt wahr, Katharine?

Die Sache muß doch nicht so ganz auf der Phantasie des Bruders beruhen; den» als er so von dem braunen Frack und dem blonden Schnurrbart sprach, zuckte das Mädchen ganz leise zusammen, und die glühende Röthe ihrer Wangen wich einer augenblicklichen Blässe, die, aus der hohen Stirn anfangend, sich mit Blitzesschnelligkeit, bis auf die heftig athmende Brust fortsetzte.

Run, Katharine, wiederholte die Mutter, was will er da- mit sagen? Leg' ihm seine bösen Reden!

Sie wird sie mir nicht legen! sagte triumphirend der Bruder und trommelte mit seinem Messer ans den Tisch. Siehst du, Kätherle, es ist besser, wenn du nicht so heraus­fordernd thust!

Und was willst du damit sagen? rief die Mutter und stützte beide Arme auf den Tisch; was soll das heißen?

Ja, das möchte ich auch wissen, sagte Katharine, was und wen er damit gemeint hat!

Was und wen? lachte der Fuhrmann. Was? den Blu- menhaudel, und wen? einen gewissen Herrn Eugen; die Jungfer Katharine kennt ihn schon.

Du kennst ihn schon? sagte die Mutter und blickte die Tochter bedenklich an.

Doch Katharina lachte statt aller Antwort laut hinaus, und es gelang ihr, recht unbefangen zu lachen. Eugen! Eugen! sagte sie alsdann; nun ja, das ist möglich, daß einer von den vielen Herren, die von meinen Blumen kaufen, Eugen heißt, auch daß er vielleicht oft kommt, sich Sträuße zu holen.